Lkw-Überwachung

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— 15.03.2004

Stopp - Maut außer Kontrolle

Zu Mautwächtern ausgebildet, als Hilfskontrolleure bis auf weiteres in der Warteschleife. AUTO BILD begleitete die Männer, die den Straßengebühr-Ausfällen ein Gesicht geben.

Beschäftigungstherapie für "Mautis"

"Der gelbe Schalter hier", sagt Hauke Roß etwas traurig und zeigt auf die Bedienkonsole, "der wird wohl noch lange arbeitslos bleiben." Es ist der Schalter für die blinkende Aufforderung "Maut-Kontrolle", die zwischen den Blaulichtern auf dem Heck des Mercedes-Benz Vito thront. Wenn die Maut endlich kommt, wird der Mann mit der weißen Mütze und der neongrünen Warnweste ihn ständig drücken. Also nicht so bald. Rasthof Buddikate-Ost an der A1 zwischen Hamburg und Lübeck. Es ist kurz vor sieben Uhr. Der angekündigte Eisregen ist ausgeblieben, der Einsatz kann starten. Lagebesprechung, dann beziehen die Kontrolleure ihre Positionen.

Lkw rauswinken, Dokumente und Sichtblätter (Volksmund: Tachoscheiben) einsammeln und checken, Trucks begutachten, gute Weiterfahrt wünschen. Oder ein Bußgeldverfahren einleiten, je nachdem. Ach ja, zwei der zwölf Männer werden als "Abfangjäger" eingeteilt, sollen mit dem Vito verdächtige Lastwagen auf den Rastplatz eskortieren. Eine offensichtlich ganz normale Aktion des Bundesamtes für Güterverkehr, kurz BAG genannt. Doch tatsächlich ist nur ein Viertel der Einsatzkräfte für diesen Job vorgesehen.

Für die anderen erfüllt diese Tätigkeit eher einen beschäftigungstherapeutischen Anspruch. Es sind neun fertig ausgebildete Mautkontrolleure, die mangels Maut nicht ihrer eigentlichen Profession nachgehen können. Die "Mautis", wie sie von den "Klassikern" – also ihren regulären Straßenkontroll-Kollegen – genannt werden, kommen aus Personalüberhängen der Post, Bundeswehr oder Bahn. Die meisten, erfahren wir, hatten praktisch jahrelang Bleistifte zerkaut oder Akten von links nach rechts und wieder zurückgeschoben. "Alle Bewerber waren zunächst hoch motiviert und freuten sich auf ihre neue Aufgabe", weiß Heinrich Baumann, Einsatzleiter der BAG-Außenstelle Schwerin.

Zubringerdienste statt Mautprellerjagd

Und nun – bis auf weiteres – das: Statt selbstständig die Zechpreller der deutschen Asphaltpisten aufs Korn zu nehmen, erledigen sie bessere Zubringerdienste für die Klassiker und sind, weil für andere Aufgaben ausgebildet, hierbei ohne Kompetenzen. Desolat. Deprimierend. Wörter, die wir heute mehr als ein Mal hören. Immerhin: Durch diese Unterstützung können sich die hauptamtlichen Lkw-Inspektoren voll und ganz ihrem Kerngeschäft widmen. "Wobei wir nur noch selten aus unseren mobilen Amtsstuben herauskommen", lacht Wolfgang Priske, der seit fast 20 Jahren im Einsatz ist.

Seine Spezies besteht bundesweit aus 233 Fachkräften. 270 der 510 für später vorgesehenen Mautwächter leisten seit November 2003 Amtshilfe. Klar, dass davon die Verkehrssicherheit profitiert: "Immerhin liegt die Quote der Lenkzeitüberschreitungen, falscher Gefahrgutkennzeichen und sonstiger Verstöße bei knapp 25 Prozent aller Kontrollen", verrät Klassiker Klaus-Dieter Wolf. Dass die Überprüfungen massiv zugenommen haben, bestätigen uns auch zahlreiche Kraftfahrer, von denen übrigens die meisten Verständnis äußern.

"Bis zu fünf Mal pro Woche gehe ich den Jungs ins Netz", erzählt Alt-Trucker Theofanis Michail, "ist eben nicht der Wilde Westen." Damit ist auch klar, warum die Präsenz der weißen BAG-Vans mit dem blauen Band so schlagartig zugenommen hat. Bevölkerten bislang 120 Mercedes-Benz Sprinter die Pausenhöfe unserer Fernstraßen, sind jetzt zusätzlich 250 Vito am Start. Wann die mit ihren Besatzungen, den Mautkontrolleuren, endlich das tun können, wofür sie zuständig sind, das weiß hier keiner. "Fragen Sie doch mal beim Verkehrsministerium nach. Oder bei Toll Collect."

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