Lorenz & Rankl Silver Falcon

Lorenz & Rankl Silver Falcon

— 03.03.2004

Die Spur des Falcon

Selten, extravagant, teuer: die Autos der Edelschmiede Lorenz & Rankl. AUTO BILD test & tuning durfte einen der insgesamt 15 "Silber-Falken" fahren.

Reinrassige Technik aus dem Motorsport

Der Silver Falcon sollte ein Sportwagen der Superlative werden. Gitterrohrrahmen, Mercedes-Benz-V8, 100 Jahre Garantie. Zeitloses Design, unverwstliche Technik. Ein Auto fast fr die Ewigkeit. Doch wie es manchmal so kommt: Das Konzept geht in die Hose. Ganze 15 Kunden finden sich zwischen 1987 und 1991 weltweit fr den Exoten aus Wolfratshausen bei Mnchen.

Dabei stehen die Zeichen anfangs auf Erfolg: Mit Friedrich Peter Lorenz sitzt ein erfahrener Ingenieur und Prototypenbauer am Steuer, Multimillionr Heiner Rankl sorgt fr finanziellen Rckenwind. Doch vielleicht ist das Design des Silver Falcon mit den Porsche-911er-Rckleuchten doch zu kauzig, die Mercedes-Technik zu bieder oder der damalige Preis von bis zu 500.000 Mark zu hoch. Vielleicht ist aber auch das Marketing schuld: Als Markenzeichen suchen sich Lorenz & Rankl ausgerechnet einen zu Boden strzenden Falken aus. Schade. Denn: Unter der Alu- Haut kmpft reinrassige Technik aus dem Motorsport gegen Fahrwiderstnde und Querbeschleunigung.

Ein Gitterrahmen mit beindicken Edelstahlrohren verkraftet locker die vorhandenen 300 PS und mehr. In den Hohlrumen des Rahmens sind die Brems- und Kraftstoffleitungen verlegt. Absolut korrosionssicher. Die Koni-Dmpfer stammen aus der Formel 1. Das Fahrwerk ist einstellbar, je nach Gusto von sanft bis sadistisch.

5,6-Liter-V8 aus dem Mercedes 560 SEC

Als Triebwerk verwenden die Herren den 5,6 Liter groen V8 aus dem Mercedes-Benz 560 SEC. Der Drehmomentriese (430 Newtonmeter bei 3700/min) liegt direkt hinter der Vorderachse und ist Teil des ungewhnlichen Front-Mittelmotor-Konzepts. Heraus kommt eine optimale Gewichtsverteilung von 50:50 mit daraus resultierenden atemberaubenden Kurvengeschwindigkeiten. Bis auf den Wendekreis (geschtzte zwlf Meter) lsst sich der Silver Falcon verblffend handlich dirigieren.

Klasse auch: Der Silver Falcon beginnt nicht mal ansatzweise, sich zu verwinden. Eine Folge der fast schon berdimensionierten Rahmenauslegung. Vor der Marktpremiere hat Silberfalkner Lorenz sein Baby mehr als 2000 Kilometer ber die Nrburgring-Nordschleife gedroschen. Von solcher Rundstreckenqualitt knnen manche moderne Sportwagen nur trumen. Blo die Zahnstangenlenkung drfte etwas prziser sein. Aber wer will ein handgebautes Auto wirklich mit solchen Lstereien behelligen? Ein Luxussportler, der von seinen Besitzern in drei Raten gekauft worden ist: erste Rate bei Auftragserteilung, zweite bei Rohbau-Fertigstellung, dritte bei Abholung.

Tatschlich gehrt der Silver Falcon zu den ganz wenigen Sportwagen, die wesentlich mehr knnen, als ihr ueres verspricht. Vor allem verblfft der Sound: Whrend der 300 PS starke Zweiventiler im Mercedes W 126 nur leise vor sich hin murmelt, bellt er im Lorenz & Rankl unverblmt seine Potenz durch die vier Auspuffrohre nach drauen. Er hmmert seine Verbrennungsgerusche tief in die Gehrgnge da passt sich sogar der Herzschlag an. So mssen echte Sportwagen klingen biedere Benz-Technik hin oder her.

Mageschneiderte Sitze und Pedalerie

In nur 5,7 Sekunden soll der Roadster von null auf Tempo 100 sprinten knnen. Bei 1290 Kilo Leergewicht durchaus glaubhaft. Maximal knnen 260 km/h erreicht werden. Dank schnell schaltender Vierstufenautomatik verlaufen die Spurts zwar mit einem krftigen Ruck, aber fr den Fahrer ist das eher unspektakulr. Statt hektisch im Getriebe herumzurhren, muss lediglich das rechte Pedal entschlossen durchgetreten werden. Das macht man zum Kennenlernen ein- bis zweimal, dann stellt sich der eigentliche Fahrstil ein: das entspannte Dahingleiten bei 1500 Touren.

Die Ledersitze sind wunderbar langstreckentauglich. Einsteigen allerdings funktioniert wie beim Austin Healey 3000: Man lsst sich halt reinplumpsen. Das scharfkantige Verdeckgestnge schrammt bei bertrieben sportiven Einstiegsversuchen schmerzhaft ber die Wirbelsule. Da entschdigt nur ein (alkoholfreies) Weizenbier aus dem mit 350 Liter Ladevolumen ziemlich grozgig bemessenen Kofferraum: Im Gepckabteil finden laut Hersteller drei Kisten Edelbru Platz. So was denkt sich auch nur einer aus, der am Tegernsee wohnt.

Das Interieur hat ebenfalls so seine Besonderheiten: Vor dem Bau eines Lorenz & Rankl wurde jeder Kunde gewogen und vermessen. Nach diesen Anatomiewerten wurden Sitze, Sitzschienen und Pedalerie penibel angepasst. Wer whrend der sechsmonatigen Wartezeit auf das Auto ein paar Pfunde zunahm, hatte ein Problem. Die Besteller jedes Ferrari Enzo wissen, wovon die Rede ist...

84.640 Kilometer ohne technische Revision

Die Instrumente von VDO Classic sehen toll aus, sind aber nicht mehr als eine grobe Richtlinie. Die Temperaturanzeige zappelt zwischen 100 und 200 Grad, anstelle des ungenauen Tachos htte es auch ein Windmesser getan. Doch solche Kleinigkeiten haben den Lorenz & Rankl-Kunden schon damals nicht interessiert. Und heute? Na ja, jetzt ist der Silver Falcon gewissermaen ein unwiederbringliches Kulturerbe. Zumal unser Foto-Objekt vermutlich der einzige Supersportwagen der Welt mit Kilometerstand 84.640 ist, der noch keine technische Revision hinter sich hat.

Die Optik allerdings wurde ein wenig geliftet. Denn Letztbesitzer Herbert Engel hat seinen Silbervogel umfangreich verschnt. Satt serienmiger Blinker vom Porsche 944 gibts nun eine Front in Ferrari-250-GT-Optik. Achtern wird die Aluminiumhaut von einem befreundeten Karossier verlngert und mit Rolls-Royce-Heckleuchten versehen. Borrani-Speichenrder untersttzen den klassischen Auftritt.

Die Hauben beim Silver Falcon schlieen elektromagnetisch wie bei Ferrari. Falls die Batterie ausfllt, helfen versteckte Bowdenzge zur Not weiter. Front- und Heckscheibe waren schon immer beheizbar. Ein Infrarotsender ent- und verriegelt die Tren. ABS und Servolenkung sind Serie, einen Katalysator gibt es 1987 nur auf Wunsch.

Der Zwlfzylinder: ein absolutes Unikat

Das Einstiegsmodell des Silver Falcon besa einen per Turbolader aufgeblasenen BMW-325i-Motor. Pechvgel konnten auf besondere Weise sparen: Bei Anlieferung eines Mercedes-SL-Unfallwagens gab es einen frei aushandelbaren Rabatt. Vom Spitzenmodell, dem berhmten V12, entstand nur ein einziges Exemplar. Das fuhr Friedrich Peter Lorenz (81) bis zu seinem 80. Geburtstag selbst.

Angepasst an die Gre des Erbauers, hat dieser finale Silver Falcon mehr Innenraum, mehr Motorhaube, mehr Radstand. Vorn verrichtet der 5,4 Liter groe BMW-V12 aus dem 750i brllend sein Werk. Der Hintergrund fr dieses Auto ist kurios: Lorenz half BMW bei der frhen Vorentwicklung des Z8. Mit der Bezahlung gabs Theater. Das bliche "Wir haben das aber ganz anders besprochen"-Spielchen.

Um des lieben Friedens willen und weil man sich auch sonst eigentlich nicht bse ist, spendierten die Mnchner zum Ausgleich einen kompletten Zwlfzylinder samt Antriebsstrang fr den letzten jemals gebauten Lorenz & Rankl. Dieser verlie im Jahr 1991 die Wolfratshausener Werkstore. Erst im Sommer 2003 hat sich Peter Lorenz von seinem Silver Falcon getrennt.

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