Lotus Elise Cup 250 (2016): Fahrbericht

Lotus Elise Cup 250 (2016): Fahrbericht

— 19.05.2016

So fährt die sauschnelle Elise

Leichtbau gehört zur DNA eines jeden Lotus. Die Elise Cup 250 paart diesen nun mit neuer Performance-Hardware. Ausfahrt im britischen Puristen.

Wer einmal im Leichtbau-Labor von Lotus an zahlreichen Charts, Balkendiagrammen und einer bis auf alle Einzelteile zerlegten Elise vorbeigeschlendert ist, der weiß, dass die Truppe von CEO Jean-Marc Gales beim Thema Gewicht keinen Spaß versteht. Hier ein Gramm, dort ein halbes.
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Die Yokohama Advan A048 Semislicks haben eine spezielle Lotus-Kennung und sind 20 Millimeter breiter als beim Vorgänger. 

Da passt das typisch britische Frühstück bestehend aus Ei, Speck und Wurst vor unserer Ausfahrt irgendwie nicht so recht ins Bild. Sei's drum, schließlich hat Lotus die Elise Cup 250 gegenüber ihrer direkten Vorgängerin Elise Cup 220 genug abgespeckt, um das locker wieder reinzuholen. Mit dem optionalen Aero-Paket aus Carbon liegt die Gewichtsersparnis unterm Strich bei 31 kg, trotz der größer dimensionierten Vorderräder. Beachtlich, schließlich ist auch die Ausgangsbasis bekennender Minimalist. Eine leichte Lithium-Ionen-Batterie samt kompakterer Befestigung (minus 10 kg), Schalensitze aus Carbon statt Kunststoff (minus 6 kg), leichtere Felgen (minus 1,5 kg), das Carbon-Fiber-Aero-Pakage (minus 10 kg) und weitere Detailarbeiten machen es möglich. Bei der Leistung des Vierzylinder-Kompressor-Motors legen die Briten um 29 PS auf 246 PS zu, bei unverändertem Drehmoment von 250 Nm. Das drückt das Leistungsgewicht auf 3,8 kg/PS. Vor allem das nun vorhandene Drehmomentplateau von 3000 U/min bis 6500 U/min soll der Längsdynamik zugute kommen. Um den Fokus noch konsequenter auf die Rennstrecke zu legen, bekommt die Elise als Cup 250 Yokohama Advan A048 Semislicks mit eigener Lotus-Kennung spendiert. Die 20 Millimeter breiteren Vorderreifen sollen das Einlenkverhalten nochmals steigern.

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Den Alltagstest besteht die Lotus Elise 250 Cup

Doch genug der Zahlen, schließlich muss die Elise auch auf Asphalt und nicht nur auf dem Datenblatt überzeugen. Dazu geht es erstmal auf die britischen B-Roads, schließlich soll die neue Elise auch auf der Straße funktionieren. Hat man sich über den breiten Schweller und den schmalen Einstieg erst mal in die Schalensitze gefriemelt, lässt es sich überraschend entspannt dahingleiten. Typisch Elise sind die Bedienkräfte, vor allem in der servolosen Lenkung, sehr hoch. Lohn der Anstrengung ist eine glasklare Rückmeldung über den Zustand der Vorderachse. Allenfalls heftige Schlaglöcher, die einem ziemlich unverblümt in die Lenkung knallen, sind weniger angenehm. Die stramme Kupplung hat einen gut dosierten Schleifpunkt und ermöglicht in Verbindung mit der herrlich metallisch klackenden Schaltung schnelle und präzise Gangwechsel. Dazu passt auch die verbindliche Dämpferabstimmung, die kleine Unebenheiten sauber pariert. Alltagstest bestanden, doch die wirkliche Härteprüfung folgt auf der Rennstrecke.

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Auf der Rennstrecke zu Hause

Der Heckflügel ist Bestandteil des Carbon-Fiber-Aero-Pakage, das insgesamt zehn Kilogramm einspart. 

Auf 3,54 km testet Lotus sowohl Straßen- als auch Rennautos, kein Wunder also, dass sich die Elise Cup 250 hier wie zu Hause fühlt. Die schnellen Richtungswechsel des South Circuit gehen dem Leichtgewicht locker von der Hand, mit der präzisen Lenkung lassen sich die Curbs perfekt anpeilen. In der ersten von zwei Haarnadelkurven kommen die breiteren, haftungsstarken Yokohamas ins Spiel und betonieren die Vorderachse auf die Ideallinie. Neutral bis leicht übersteuernd, dabei aber immer sauschnell wieselt die Elise über den Kurs. Der bis zu 200 km/h schnelle Rechtsknick der Windsock Corner offenbart das Potenzial des Aerodynamikpakets, welches das Auto beim Topspeed von 248 km/h mit 155 kg an den Asphalt heftet. Vor der Schikane liegt der härteste Bremspunkt der Strecke, auch hier spielt die Britin die Vorteile ihres geringen Gewichts brutal aus! Die verhältnismäßig klein dimensionierte Bremse verliert sich auch nach mehreren Runden nicht im Fading. Die letzte Haarnadel mit spätem Scheitelpunkt anpeilen und voll rausbeschleunigen. Einzig hier würde man sich vom Motor etwas mehr Dampf wünschen, 250 Nm sind eben auch bei solch geringem Gewicht keine Drehmomentmacht. Am Ende der folgenden Gerade steht dennoch wieder ein deutlich dreistelliger Geschwindigkeitsbetrag auf dem Tacho.

Grundpreis von über 60.000 Euro

Deutlich fünfstellig muss man beim Kauf investieren, ab 61.100 Euro startet das 250-Cup-Modell in Deutschland. Wer sich neben dem Carbon-Fiber-Aero-Package noch das ein oder andere Fünkchen Luxus wie eine Klimaanlage oder die umfangreichere Lederausstattung gönnt, der landet schnell bei 70.000 Euro. Klar, ein Lotus bietet ein einzigartiges Fahrerlebnis, ist puristisch, direkt und ehrlich wie kein Zweiter. Wie viele Käufer das über den Einstiegspreis hinwegsehen lässt, bleibt abzuwarten.

Lotus Elise Cup 250 (2016): Fahrbericht

Autor:

André Aust

Fazit

Mit der Elise Cup 250 meldet Lotus seinen Platz im Revier der Tracktools an. Leichtbau als Basis für schnelle Runden kennen wir bereits. Neu sind die konsequente Aerodynamik und der kompromisslose Yokohama-Reifen – eine schnellere Elise gab es nie. Dem horrenden Einstiegspreis stehen bei regelmäßigen Ausflügen auf die Rennstrecke relativ geringe Verschleißteilkosten gegenüber.

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