Lotus Esthi gegen Steinmetz Funster

Lotus Esthi gegen Steinmetz Funster

— 21.02.2003

Leichte Gelb-Sucht

Was die Farbe verspricht, halten die Autos: Dschdow verschrft den Lotus Elise zum Esthi <3.4 mit 248 Kompressor-PS, Steinmetz den Opel Speedster zum Funster mit 225 Turbo-PS.

PS-gierige Alu-Konstruktionen

Die Gesichtszge der Passanten wechseln blitzartig. Von gespieltem Mitleid ber beeindrucktes Erstaunen bis hin zu echter Emprung. Sie sehen uns wahrscheinlich als fahrende lsardinen in der Dose, fragen sich, ob man aus diesen Autos jemals wieder herauskommt, oder fhlen sich gestrt von den unkonventionell blubbernden gelben Plastikflitzern inmitten gesitteter Massenware. Eingepfercht zwischen Aluminiumwanne, Stoffdach, Kunststoffverkleidungen und Glasscheibchen, gelingt es uns indes sitzenderweise, den sich hoch vor uns auftrmenden Blechbergen von unten auf den Auspufftopf zu sehen.

Die Autos, die das erlebbar machen, heien in ihrer ursprnglichen Form Lotus Elise und Opel Speedster (beide klein, flach und englisch), in getunter Version Lotus Esthi und Steinmetz Funster (beide klein, flach und deutsch). Leider knnen wir Ihnen ein paar Zeilen grauer Theorie dazu nicht ersparen.

Elise und Speedster purzeln eintrchtig Seite an Seite bei Lotus in Hethel/Norwich von parallelen Bndern und sind sich gar nicht so unhnlich: Basis sind eine identische Aluwanne und eine Plastikkarosserie, Mittelmotor-Konzept und knackiges Sportwagen-Feeling, hohe Preise sowie kleine Stckzahlen. Und limitierte Kraft: Mit maximal 158 PS (Elise 111) beziehungsweise 147 PS (Speedster) outen sich Lotus und Opel bislang ein bisschen als Spaverderber. Denn die supersteifen Alu-Konstruktionen knnen viel mehr PS vertragen.

Funster bleibt ein Einzelstck

Zum Glck gibt es Tuner. Wie zum Beispiel die Brandes & Dschdow Automobil Manufaktur in Mnster (Telefon 02533/ 534; www. brandes-dschuedow.de). Deren Chef Rainer Dschdow hat nach einer 450-PS- und einer 380-PS-Elise-Version (Esthi <2.3 und Esthi <2.7) nun zwei weitere Derivate im Angebot: Die Esthi <3.4 mit 235 PS und die namensgleiche Variante mit 248 PS. Da liegt ein Vergleich mit dem Einzelstck von Steinmetz (Telefon 0241/56 88 77 77;www.steinmetz.de) namens Funster ("Fun" = Spa, "ster" von Speed-ster) nahe.

Auer der hnlichkeit der Basismodelle haben die kleinen Sportwagen von Dschdow und Steinmetz nicht mehr viel gemein. Steinmetz hat den 147-PS-Serienmotor aus- und die Maschine aus dem Astra Turbo Coup eingebaut. Mit Sportluftfiltern und einem genderten Auspuff leistet das 192-PS-Aggregat nun 225 PS. Der Wagen liegt 20 Millimeter tiefer als die Serie und hat dank einiger Anbauteile und anderer Rder sein Aussehen krftig verndert.

Der Funster ist und bleibt ein Einzelstck. Den Preis gibt Steinmetz mit 80.000 Euro an, der Wagen ist aber unverkuflich. "Einen Blick in die Zukunft werfen", nennt Steinmetz die Stilbung und hlt einige seiner im Funster verbauten Teile frs Frhjahr bereit. Dann nmlich soll Opel ab Werk den Speedster mit ebenjenem Turbo-Motor bringen, mit einer Leistung zwischen 175 und 204 PS.

Lotus Esthi <3.4 fr satte 72.660 Euro

Dschdow kann sich auf ein weiteres Erstarken der Elise von Seiten des Lotus-Werkes nicht verlassen. Also nimmt er den Rover-Vierzylinder der K-Serie, lsst ihn von der Firma PERO Dragonfish (Peter Rosenmeyer in Markgrningen) mit einem Kompressor bestcken und stlpt ber das nun 235 PS starke Aggregat seine eigene Lotus-Karosserie. Die sieht zwar wie ein Original aus, ist aber wesentlich breiter und weist mehr Lftungsffnungen auf.

Weil der Motor aber nicht hundertprozentig standfest ist, wird den Kunden gleich die nchste Tuningstufe ans Herz gelegt die hat dann 248 PS und ist laut Tuner nicht nur strker, sondern auch standfester. Aber das schlgt gleich mit satten 3040 Euro zu Buche. Und wer die dann mglichen 250 km/h ausreizen will, braucht andere Reifen (plus 460 Euro) und die optimierte Getriebebersetzung (die ersten zwei Gnge kurz bersetzt, Gnge vier und fnf lang; plus 1350 Euro). Zum Test kam die Top-Version, die auf BBS-Rennrdern straenzugelassene Yokohama-Semislicks (plus 3150 Euro) trug. Endpreis mit Slide-Skirts, einstellbarem Wilbers-Fahrwerk, Perleffekt-Farbe und anderen Gimmicks: 72.660 Euro.

Aber nicht nur durch die Preise, sondern auch durch ihre eingeschrnkte Alltagstauglichkeit empfehlen sich die skurrilen Aludosen hchstens als Fnftwagen fr solvente Kunden. Womit wir mitten in der Praxis wren. Klar ist: Esthi und Funster sind keine Wagen fr Einsteiger. Was sich nicht nur auf das Erklimmen der Fahrersitze bertragen lsst: Der Fahrer muss seinen Krper (bei geschlossenem Dach) durch eine ffnung zwngen, die zwar bis zu 92 Zentimeter breit ist, aber nur 57 Zentimeter hoch. Beim Aussteigen brigens auch. Daraus folgt: Eine Krpergre von mehr als 180 Zentimetern und ein Alter jenseits der 40 kann erfolgreich verhindern, unverzglich der "Haben-wollen"-Sucht zu erliegen. Ein Einsteigeversuch bringt Klarheit.

Fahrverhalten und Sicherheit

Nach dem Start des Motors (Esthi: konventionell, Funster: Startknopf) kann Konversation getrost eingestellt werden. Denn erstens macht der Sound die Musik (Esthi: im Leerlauf tief grummelnd, bei hohen Drehzahlen markerschtternder Formel-Sound; Funster: domestizierter Groserienton, aber das hoch asthmatische berdruckventil des Turbos sorgt stndig fr heiseren Atem im Nacken), und zweitens verlangen die Wagen nach ungestrter Konzentration. Fahrhilfen wie ASR oder ESP fehlen vllig, auch die Bremsen der Sportler wirken nicht vertrauenerweckend. Bei beiden sind sie schlecht zu dosieren, beim Esthi neigen sie sogar zum Blockieren (ABS: 5900 Euro Aufpreis). Die Bremswege des Esthi sind so lang, weil wir wie frher mit Stotterbremse ein Blockieren zu verhindern suchten.

Der Kompressor-Motor im Esthi versorgt den nur 785 Kilo schweren Wagen mit gengend Kraft, echter Biss kommt im obersten Drehzahlbereich. Gaspedal und Lenkung reagieren spontan, aber das Lenkrad will energisch angepackt werden, das kostet Kraft. Der Wagen bleibt in Kurven lange neutral, reagiert bei pltzlichem Lastwechsel aber giftig mit spontanem bersteuern. Der Funster-Motor glnzt bei mittleren Drehzahlen mit deutlich besserem Drehmoment als der Esthi-Kompressor, der Turbo bentigt allerdings eine halbe Gedenksekunde, um Druck aufzubauen.

Wer vom Gas geht, wird enttuscht von der Reaktion: Die Drehzahl sinkt nur zgerlich, was zwar spontanes bersteuern bei Lastwechseln verhindert, aber der Wagen lsst sich nicht so schn mit dem Gaspedal lenken. Auf dem Rennkurs in Oschersleben zeigt er sich brav bis neutral und ist dank normaler Straenbereifung leichter zu kontrollieren als der Lotus mit riesigen Yokohama-Pneus (die allerdings bei ordentlicher Betriebstemperatur fest am Asphalt kleben und rasante Kurventempi erlauben).

Technische Daten und Testwerte

Festhalten muss man sie beide erst recht auf der Autobahn. Besonders der Funster luft dort Spurrillen willenlos nach, schon die Bezeichnung "Geradeauslauf" ist fr ihn pure Provokation. Erschwerend kommt seine gnadenlose Hrte hinzu die Federwege sind extrem kurz, die Dmpfung entsprechend. Daraus folgt: Autobahnen knnen fr beide nichts weiter sein als der schnellste Weg von einer Landstrae zur anderen. Nicht Hchstgeschwindigkeit macht die Wagen sympathisch, sondern ihre Gier nach engen Kurven und ihre Fhigkeit zu brutaler Beschleunigung (Esthi: 4,9 Sekunden von null auf 100 km/h, Funster: 5,2). Wie, das klingt alles nicht wirklich lustig? Falsch. Es ist Spa pur. Jedenfalls dann, wenn man auer dem ntigen Kleingeld auch einen gesunden Rcken, regenerationsfhige Ohren und stoische Familienmitglieder hat.

Fazit und Preise

Fazit Klasse, was sich noch alles aus den schon sehr spaigen Basismodellen von Lotus und Opel herausholen lsst. Dschdow geht dabei den Weg in Richtung Sportlichkeit konsequenter als Steinmetz. Was logisch ist, denn der Opel-Tuner hat mit dem Funster nur ein rollendes Experiment (hauptschlich mit spezieller Optik und anderem Motor) zur Verfgung gestellt und kein fertiges Serienfahrzeug; der Esthi dagegen ist kuflich. Wenn auch zumindest das standfeste Top-Modell zu einem Preis, der vom Kufer schier unbegrenzte Liebe zum Individualismus voraussetzt.

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