Luxus-Minis im Vergleich

— 04.09.2012

Kleine Autos für die große Welt

Kleine Autos für die große Welt: Aston Martin Cygnet, Fiat Abarth 695 Tributo Ferrari und Mini Goodwood tragen die Gene braver Kleinwagen, sind aber Richtung Luxus, Power und Rolls-Royce verändert.

Wuchtige 38.000 Euro für einen Toyota iQ, nur weil er britische Designerklamotten trägt? Und 42.000 Euro für einen Fiat Cinquecento, nur weil er bis unters Dach mit PS-Anabolika vollgestopft und in Ferrarirot lackiert ist? Oder 47.000 Euro für einen Mini Cooper, nur weil er vorher bei Rolls-Royce war, um dort Lack, Holz und Leder vom Edelsten abzugreifen? Ja, spinnen die denn, die Briten und die Römer? Was sind denn das bitte für abgedrehte Schickimicki-Typen?

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Absolut kein Blender: Der Fiat Abarth 695 Tributo Ferrari fährt sich, wie es sein großer Name verspricht.

Der Aston Martin Cygnet – zu Deutsch: junger Schwan – ist ein ganz spezielles Federvieh. Seine Eltern heißen Ulrich Bez und Akio Toyoda. Seine wahre Heimat ist Japan, wo das Küken als Toyota iQ vom Band flattert. Doch seine Geburtsurkunde stammt aus England, denn der importierte Vogel kommt erst in Gaydon zu fremden Federn in Form von Aston-Logos, neuem Grill, eigenständigen Heckleuchten und polierten 16-Zöllern. Mit dem Abarth 695 Tributo Ferrari verbeugt sich Mamma Fiat vor der Sportwagenmanufaktur aus Maranello. Dieser Cinquecento ist kein grell geschminkter Blender, sondern eine von Frontspoiler bis Heckspoiler mit Top-Technik vollgepackte Fahrmaschine. Der Mini Goodwood wendet sich dagegen an Besserverdiener, die ihren Nerz nach innen tragen. Man muss schon Insider sein, um den Farbton Diamond Black der aktuellen RR-Palette zuordnen zu können. Doch jeder Laie sieht, riecht und fühlt auf Anhieb, dass kein Normalo-Mini so edel eingerichtet sein kann wie diese 1000er-Sonderserie mit dem hellen Interieur in bester Manufakturqualität.

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Der vermutlich edelste Mini der Welt: Im Sondermodell Goodwood geht es so nobel zu wie bei Rolls-Royce.

Damit lenkt, bremst und beschleunigt es sich zwar nicht besser. Aber das verführerische Hin-und-weg-Flair wirkt wie eine Droge, und die gibt’s zum Sonderpreis, denn der Goodwood kostet 206.570 Euro weniger als der billigste Rolls. Der Cygnet will ein Zweitwagen sein, der in puncto Anmutung und Charme dem Erstwagen ebenbürtig ist. Gleichzeitig bildet der kleine Aston Martin mit 120g CO2/km und 5,2 Liter Verbrauch den sozialverträglichen Gegenpol zu den durstigen Acht- und Zwölfzylindern aus gleichem Haus. Vor allem in der Stadt läuft der knapp 3,10 Meter kurze 3+1-Sitzer zu Hochform auf. Ach, und die Italiener sind sowieso Weltmeister im Komponieren von Sonderserien. Der Tributo Ferrari ist ein Cinquecento molto arrabbiato. Sportlenkung, Sportfahrwerk, Sportgetriebe, Sportsitze, Sportbremse, Sportauspuff, Sportmotor. Zu viel Sport? Wie man's nimmt. Der Lenkung haben sie zwar ein Gläschen Ecstasy ins Hydrauliköl gekippt, aber das ändert leider nichts an der leicht synthetischen Rückmeldung. Die Koni-Dämpfer trotzen in Verbindung mit den verkürzten Federn der Querbeschleunigung, doch auf welligem Geläuf bockt und hoppelt die Fuhre, dass einem die Augen flirren.

Der mit Niederquerschnitts-Gummis des Formats 205/40 R 17 bereifte Abarth ist nicht weniger unterhaltsam. Er belohnt Gottvertrauen mit einer Sekundenkleber-Straßenlage, Mut mit Klettverschluss-Grip und Tollkühnheit mit dem Brummkreisel-Effekt des abschaltbaren ESP. Im hektisch getakteten Sportmodus zieht sich das automatisierte Fünfganggetriebe die Gänge rein wie ein Mixer die Südfrüchte. Der Verzögerungseffekt der Brembo-Stopper erinnert an die Wirkung eines Fallbeils. Untermalt wird der wilde Ritt vom Rennsportsound des klappengesteuerten Sportauspuffs, der uns einen wohligen Schauer nach dem anderen über den Rücken jagt. Ganz anders Sir Aston, dessen Talente aber auch nicht zu verachten sind. Einparken gehört zum Beispiel zu den Paradenummern des Briten, der nur 38 Zentimeter mehr misst als ein Smart fortwo.

Überblick: Alle News und Tests zum Aston Martin Cygnet

Der Stadtverkehr ist sein Revier: Der Aston Martin Cygnet besticht durch Wendigkeit, nicht durch Sport.

Auch der Wendekreis – genial. Mit 7,8 Metern dreht das Schwänchen praktisch auf der Stelle, da kann nicht einmal das für seine Pirouetten berühmte London Taxi mithalten. Die Beschleunigung aus dem Stand ist bis Tempo 50 ebenfalls für eine Überraschung gut. Die stufenlose Automatik hält die Vorderräder trotz schmaler 175/60er-Gummis fast schlupffrei auf Zug, und obwohl die 125 Nm Drehmoment kaum der Rede wert sind, lässt der frühstartverdächtige Cygnet die Konkurrenz an der Ampel nicht davonziehen. Beim Spurt von null bis 100 km/h bildet er mit 11,8 Sekunden freilich das Schlusslicht. Der 98 PS schwache und maximal 170 km/h schnelle Aston scheut Autobahnen, Seitenwind und Querfugen. Dafür liebt er enge Kurven, Spurwechsel und Kreisverkehre. Nachteile? Die Lenkung wirkt arg einsilbig, die Bremse besitzt noch nicht einmal die mittlere Reife. Doch der Federungskomfort ist gar nicht schlecht, der Wagen gerät trotz Wankens und Nickens nie in Kippgefahr.

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Sportler in Festgarderobe: Der Mini Goodwood ist dynamisch wie gewohnt, schafft satte 228 km/h Spitze.

Tacho 247. Das ist kein leeres Versprechen, sondern großes Autobahn-Kino im kleinen Mini Goodwood, dessen Spitze das Werk mit 228 km/h angibt. Der 184 PS starke Kultknubbel mit dem aufgeladenen 1,6-Liter-Motor geht wie ein Zäpfchen. Wie kommt’s? Weil das gute Stück nur 1140 Kilo wiegt, weil das Drehmoment-Hochplateau von 1600 bis 5000/min mit 260 Nm absolut konstant bleibt, weil das Sechsganggetriebe keine lang übersetzte Spaßbremse ist. Okay, Kofferraum und Tank sind zu klein, die Feder-Dämpfer-Abstimmung ist zu straff, der Geradeauslauf ist mit den breiten 205/45-R-17-Schlappen bei hohem Tempo zu unruhig. Aber das heißt nicht, dass der Goodwood nur zwischen Parkhaus und Büro hin- und herwieseln kann. Im Gegenteil: Auch dieser Mini beherrscht die klassischen Stärken wie zackig einlenken, nachhaltig verzögern, spielerisch um Kurven flitzen, auf der Straße liegen wie das sprichwörtliche Brett. Trotzdem spielt der Bayer mit dem britischen Pass fast so gekonnt auf der Rolls-Royce-Klaviatur wie ein Ghost.

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Teurer Spaß: Um den Cygnet markengerecht aufzumöbeln, gehen über 10.000 Euro für Extras drauf.

Die Lammfell-Fußmatten sind für Straßenschuhe fast zu schade, der Kaschmir-Dachhimmel lotet die Dekadenz-Grenze aus, das Nappaleder duftet nach jungem Wohlstand, das Holzfurnier stammt ebenso aus dem Phantom-Teileregal wie die Hochflor-Teppiche und die Klavierlack-Einlagen. Und das Innenlicht glimmt nachts in vier verschiedenen Farbtönen. Der Basis-Cygnet ist weniger opulent eingerichtet, als es die exklusive Markenwelt vermuten ließe. Wer in den angesagten Straßencafés punkten will, der muss für über 10.000 Euro Extras ins kleine Auto packen. Dafür gibt es dann das komplette Programm mit zweifarbigem Leder, kontrastierenden Nähten und Kedern, speziellem Steppmuster, Alcantara-Dachhimmel, beleuchteten Einstiegsleisten, belederten Türtafeln, Koffersatz und – allen Ernstes – Regenschirm. Natürlich geht’s auch ohne. Aber wennschon Aston, dann bitte gleich die volle Dröhnung, denn als Basisvogel steht der Cygnet da wie ein gerupfter Schwan.

Der Abarth 695 beherrscht das komplette Hingucker-Repertoire von bella figura bis grande spettacolo. Die 180 PS starke 1,4-Liter-Maschine macht mit 250 Nm Overboost ganz schön Dampf unter der Haube, Schlupfregelung und E-Differenzial haben als Vermittler zwischen den Antriebsrädern ihre liebe Not, und die unerwartet leichtgängige Lenkung kurbelt sich in Wechselkurven um Kopf und Kragen. Der krawallo rosso spurtet – exakt wie der Mini – in knapp sieben Sekunden von null auf 100 km/h und ist brüllende 225 km/h schnell, was gefühlt dem berühmten Ritt auf der Kanonenkugel ziemlich nahekommt. Leider funktioniert der Abarth-Fond bestenfalls als Strafbank für Kleinkinder. Das Cygnet-Gepäckabteil fasst schlechtestenfalls sogar nur 30 Liter. Wobei dem Passagier in Reihe zwei dringend empfohlen wird, die Knie hinter den Ohren zu platzieren.

Technische Daten Aston Martin Cygnet Vierzylinder, vorn quer • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 1329 cm³ • Leistung 72 kW (98 PS) bei 6000/min • max. Drehmoment 125 Nm bei 4400/min • Vorderradantrieb • stufenloses Getriebe (CVT) • Reifen 175/60 R 16 • L/B/H 3078/1680/1500 mm • Verbrauch EU-Mix 5,2 l Super • CO2 120 g/km • Spitze 170 km/h • 0–100 km/h 11,8 s • Preis circa 38.000 Euro.

Technische Daten Fiat Abarth 695 Tributo Ferrari Vierzylinder, Turbo, vorn quer • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 1368 cm³ • Leistung 132 kW (180 PS) bei 5500/min • max. Drehmoment 250 Nm bei 3000/min • Vorderradantrieb • halbautomatisches Fünfganggetriebe • Reifen 205/40 R 17 • L/B/H 3657/1627/1485 mm • Verbrauch EU-Mix 6,5 l Super plus • CO2 151 g/km • Spitze 225 km/h • 0–100 km/h in unter sieben Sekunden • Preis circa 42.000 Euro.

Technische Daten Mini Goodwood: Vierzylinder, Turbo, vorn quer • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 1598 cm³ • Leistung 135 kW (184 PS) bei 5500/min • max. Drehmoment 240 Nm (260 Nm Overboost) bei 1600/ min • Vorderradantrieb • Sechsganggetriebe manuell • Reifen 205/45 R 17 • L/B/H 3729/ 1683/1407 mm • Verbrauch EU-Mix 5,8 l Super • CO2 136 g/km • Spitze 228 km/h • 0–100 km/h 7,0 s • Preis circa 47.000 Euro
Georg Kacher

Georg Kacher

Fazit

Der Cygnet ist ein perfekter Stadtwagen, aber ein unvollkommener Aston Martin. Darüber hinaus müssen das reine Öko-Gewissen und das besondere Flair teuer erkauft werden. Der ferrarirote Abarth 695 überrascht als talentierte Fahrmaschine mit tollen Details, viel Ausstrahlung, genug Power und einer Geräuschkulisse zum Verlieben. Der Goodwood verbindet die Rolls-Royce-Welt und die Fahrdynamik des Mini Cooper S zu einer charmanten Identitätskrise. Dieses Auto will erlebt werden – am besten mit allen sechs Sinnen.

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