Die fünf Schlüsselfiguren im VW-Machtkampf

Martin Winterkorn

Machtkampf bei Volkswagen

— 17.04.2015

Winterkorn bleibt im Amt

Entscheidung im Machtkampf bei VW: Vorstandschef Martin Winterkorn bleibt im Amt. Das ist das Ergebnis einer Sitzung des Aufsichtsratspräsidiums in Österreich.

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'Soll VW-Chef Winterkorn weitermachen?'

(dpa/cj/mv/rtr) Europas größter Autobauer Volkswagen hält entgegen allen Spekulationen an seinem Vorstandschef Martin Winterkorn fest. Dessen Vertrag soll sogar verlängert werden. Das teilte die Volkswagen AG am Freitag (17. April 2015) mit und verwies dabei auf eine Entscheidung des Aufsichtsratspräsidiums nach Beratungen im österreichischen Salzburg. "Das Präsidium legt großen Wert darauf, dass Herr Professor Dr. Winterkorn seine Funktion als Vorsitzender des Vorstands auch weiterhin so aktiv und erfolgreich wie bisher verfolgt und hat hierbei die uneingeschränkte Unterstützung des Gremiums. Das Präsidium wird dem Aufsichtsrat jetzt vorschlagen, den Vertrag von Herrn Professor Dr. Winterkorn in der Februar-Aufsichtsratssitzung des Jahres 2016 zu verlängern", heißt es in einer offiziellen Erklärung.

VW-Chef Winterkorn auf dem Autosalon Genf 2015

VW-Chef Winterkorn auf dem Autosalon Genf 2015 VW-Chef Winterkorn auf dem Autosalon Genf 2015 VW-Chef Winterkorn auf dem Autosalon Genf 2015

Sieger und Besiegter? Martin Winterkorn (l.) hat zunächst den Machtkampf gegen Ferdinand Piëch gewonnen.

Die Entscheidung im Machtkampf bei VW ist offenbar eine herbe Niederlage für Konzern-Patriarch und Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch. Fünf von sechs Mitgliedern im sechsköpfigen Präsidium hätten sich für Konzernchef Winterkorn ausgesprochen und damit gegen Piëch gestellt, sagten zwei mit den Vorgängen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Vor allem Betriebsratschef Bernd Osterloh soll sich stark für Winterkorn eingesetzt haben. Im Aufsichtsratspräsidium sitzen neben Piëch und Osterloh noch Berthold Huber von der IG Metall (stellvertretender Vorsitz), der Sprecher des Porsche-Familienzweigs Wolfgang Porsche, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sowie der Osterloh-Vize Stephan Wolf. Allerdings ist offen, bis wann Winterkorns Vertrag verlängert werden soll. Ebenso unklar ist es, wie es an der Spitze des Aufsichtsrats weitergehen könnte. Winterkorn galt bis zu der Piëch-Kritik als gesetzter Nachfolger des VW-Patriarchen als Chefkontrolleur. Piëchs Mandat als oberster Kontrolleur läuft noch zwei Jahre. Das Bundesland Salzburg ist die Heimat von Piëch, dort ist auch der Familiensitz der Porsches. Die Beratungen hatten stattgefunden, nachdem VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch am vergangenen Freitag von Konzernchef Martin Winterkorn abgerückt war und damit einen Wirbel im Unternehmen selbst und bei den Eigentümern ausgelöst hatte. Das Präsidium ist der Kern des 20-köpfigen Aufsichtsrats und bereitet die entscheidenden Weichenstellungen des Kontrollgremiums vor.
Kurz nach Piëchs Distanz-Ansage: Winterkorn "gelöst" auf der Hannover Messe

VW-Chef auf der IAA Nutzfahrzeuge 2014

Winterkorn war bis zu der Piëch-Aussage im "Spiegel" ("Ich bin auf Distanz zu Winterkorn") als Nachfolger des VW-Patriarchen an der Spitze des Aufsichtsrates gehandelt worden. Neben der Distanz-Ansage zitierte das Nachrichtenmagazin Piëch auch mit den Worten: "Ich strebe an, dass an die Spitze des Aufsichtsrats und des Vorstands die Richtigen kommen." Mit diesen Aussagen stand nicht nur Winterkorns möglicher Wechsel an die Spitze des Kontrollgremium infrage, sondern auch sein weiterer Verbleib im Vorstand. Winterkorns Vertrag als Volkswagen-Chef läuft Ende 2016 aus, Piëchs Kontrakt als Aufsichtsratschef hat eine Laufzeit bis zum Frühjahr 2017.
Machtkampf bei VW: Piëch zunehmend isoliert
Hintergrund VW-Machtkampf: Porsche gegen Piëch

Niedersachsens Regierungschef Weil sieht Winterkorns Zukunft nun trotz der Querelen nicht als geschwächt an: "Ich finde es wichtig, dass jetzt auch Klarheit darüber besteht, dass wir an dieser Stelle Kontinuität haben werden", sagte der SPD-Politiker. Laut Branchenexperten könnte die Entscheidung aber auch nur ein Etappensieg Winterkorns sein. Aus Sicht von Stefan Bratzel, Professor für Automobilwirtschaft in Bergisch-Gladbach, hängt nun vieles davon ab, wie sich der Aufsichtsratsvorsitzende künftig zum Vorstandschef positioniert: "Interessant wird sein, ob Piëch sich positiv zu Winterkorn äußert", sagte er.

Die fünf Schlüsselfiguren im VW-Machtkampf

Unter Winterkorns gut achtjähriger Ägide – er wurde 2007 Konzernchef – legten die Auslieferungen des heute größten Autobauer Europas nach dpa-Berechnungen um 64 Prozent zu, der Umsatz um 86 Prozent, das operative Ergebnis vervierfachte sich. Bei seinem Amtsantritt zählte der Konzern 329.000 Mitarbeiter. Heute sind es, auch dank vier neuer Marken, fast 600.000 Menschen.
Fotos: Bundesregierung/Guido Bergmann/dpa

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