Karl-Thomas Neumann

Machtkampf Schaeffler/Conti

— 31.07.2009

Chef auf Abruf

Der Machtkampf zwischen den angeschlagenen Autozulieferern Schaeffler und Continental hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Conti-Chef Neumann steht vor dem Aus, die Arbeitnehmer protestieren heftig.

(dpa/cj) Großaktionär Schaeffler hat bei Continental die Brechstange herausgeholt: Conti-Chef Karl-Thomas Neumann steht vor dem Aus. Das Vertrauensverhältnis zwischen Schaeffler und dem 48-Jährigen an der Spitze des finanziell angeschlagenen Autozulieferers ist total zerrüttet. Auf Drängen von Schaeffler soll Neumann innerhalb der nächsten zwei Wochen vom Aufsichtsrat abberufen werden und möglicherweise durch den Schaeffler-Manager Elmar Degenhart ersetzt werden. Im Machtkampf zwischen den beiden hoch verschuldeten Konzernen hat Schaeffler seine Muskeln gezeigt, steht aber vor einem Scherbenhaufen. Bei der Conti dürfte das Ansehen von Schaeffler nach einem monatelangen Gezerre auf einem Tiefpunkt angelangt sein – und das mitten in der schweren Krise der Automobilindustrie.

Dramatische-Aufsichtsratssitzung: Abberufung scheitert

Bei der Conti-Aufsichtsratssitzung in Hannover ging es nach Beobachterangaben laut und heftig zu.

In einer dramatischen Marathon-Sitzung des Aufsichtsrats am Donnerstag in Hannover hatte Schaeffler Neumann angeblich zunächst zum Rücktritt aufgefordert. Dies habe der 48-Jährige aber abgelehnt, weil er sich der Conti verpflichtet fühle. Eine geplante Abberufung Neumanns aber scheiterte am Widerstand der zehn Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat, da eine Zweidrittel-Mehrheit dafür nötig gewesen wäre. Die zehn Vertreter der Anteilseigner seien für eine Ablösung Neumanns gewesen, sagte der stellvertretende Conti-Aufsichtsratschef Werner Bischoff von der Gewerkschaft IG BCE. Der Aufsichtsrat habe nun ein Vermittlungsverfahren angerufen. Bischoff sagte, er erwarte, dass der Aufsichtsrat in den nächsten zehn oder 14 Tage erneut zusammenkomme. Dann reiche eine einfache Mehrheit für die Ablösung Neumanns aus. Dabei hat der Aufsichtsratschef bei einem Patt ein Doppelstimmrecht. Der sichtlich aufgewühlte Bischoff kritisierte, die Ablösung Neumanns sei die falsche Entscheidung. "Ein guter Mann geht von Bord."

Niedersachsen steht hinter Neumann

Neumann selbst wirkte nach der Sitzung kaputt, aber gefasst und deutete seinen baldigen Abgang an. Es habe "ungewöhnliche und sehr enttäuschende Entwicklungen gegeben". Diese machten es ihm "sehr schwer", auf Dauer vertrauensvoll mit Schaeffler zusammenzuarbeiten. Die niedersächsische Landesregierung stellte sich am Freitag auf die Seite Neumanns. Man sei davon überzeugt, dass Neumann und die von ihm vorgelegten Konzepte am besten geeignet seien, die Zukunft der Conti- Schaeffler-Gruppe und deren Beschäftigten langfristig zu sichern, erklärte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums in Hannover.

Grünes Licht für Kapitalerhöhung

Der 48-Jährige hatte Schaeffler in den vergangenen Wochen und Monaten gegen sich aufgebracht, als er mit Blick auf die Hängepartie bei den Verhandlungen über eine mögliche Fusion in die Offensive ging. In einem Brief an Schaeffler hatte Neumann den Franken vorgeworfen, Vorschläge von Conti zu einem gemeinsamen Konzern zu blockieren. Eigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler und Geschäftsführer Jürgen Geißinger hätten durch ihr Verhalten "in erheblichem Maße" den Unternehmenswert der Continental AG zerstört. Schaeffler wies dies zurück. In Hannover aber heißt es, vor allem Geißinger hätte gegen die Conti intrigiert und hinter den Kulissen verbreitet, Neumann habe den Laden nicht im Griff. Dabei habe sich das wesentlich kleinere Familienunternehmen aus Herzogenaurach an der Übernahme finanziell verhoben und zeige keine Zukunftsperspektive auf. Immerhin konnte sich Neumann mit seinem Plan einer Kapitalerhöhung durchsetzen, die von Schaeffler zunächst sehr skeptisch gesehen wurde, weil sie den Anteil an Conti verwässern könnte. Nun gab der Aufsichtsrat doch grünes Licht für eine Kapitalerhöhung von bis zu 1,5 Milliarden Euro. Damit soll der klamme Konzern auf eine finanziell solidere Basis gestellt werden.

Erinnerung an Brandrede Wennemers

Mit einer Abberufung wäre Neumann der zweite Conti-Vorstandschef, der im Gezerre mit Schaeffler gehen muss. Im August 2008 hatte der damalige Vorstandschef Manfred Wennemer nach der Niederlage von Conti im Übernahmekampf das Handtuch geworfen, Neumann übernahm. Nicht wenige bei der Conti dürften sich nun wieder an eine Brandrede Wennemers zu Beginn der Übernahmeschlacht erinnern – dieser hatte damals gewettert, das Vorgehen von Schaeffler sei "egoistisch, selbstherrlich und verantwortungslos".

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