Magisches Spritsparen

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Magisches Spritsparen

— 23.03.2002

Durch Zauberei zum Drei-Liter-Auto?

Ein Magier verhext Autos. Wenn Ralf Beyer Hand anlegt, sinkt der Verbrauch. Sagt er. Statt teurer Technik reiche ein Foto. Und der gute Glaube.

Berliner Taxifahrer mit Abrakadabra-Ambitionen

Nein, so sieht kein Magier aus. Dicke Brille, dünnes Haar, dazu eine Plattenbau-Wohnung in Berlin-Spandau. Trotzdem behauptet Taxifahrer Ralf Beyer (58): "Ich kann zaubern und senke Ihren Spritverbrauch durch Magie." Endlich. Darauf hat die Welt gewartet. Abrakadabra - und schon bleibt mehr Sprit im Tank. Beweise? Kein Problem: "Mein Mercedes 250 D braucht nur drei statt zehn Liter Diesel auf 100 Kilometer", sagt Beyer. Reden ist Silber, fahren Gold. Das dachte sogar die linke "tageszeitung" (taz) und schickte zwei Reporter zu Beyer. Mit niederschmetterndem Ergebnis. Der Testwagen brauchte nach der Zauberkur doppelt so viel Sprit wie vorher. Beyers Erklärung: "Negative Energien, schwarze Magie - dann funktioniert meine Methode nicht." Na ja, die taz eben.

Aber AUTO BILD! "Bei euch klappt es ganz bestimmt", verspricht er und übernimmt die Regie. Zauberlehrlings Besen ist ein Opel Zafira 1.8 16V mit 115 PS. Verbrauch im EU-Mix: 8,5 Liter/100 km. "Den kriegen wir auf sechs Liter runter." Na denn los. Beyer kramt eine Sofortbild-Kamera hervor. "Ich muss den Wagen fotografieren." Wichtig dabei: Es darf kein Lebewesen darin sitzen. "Denn neulich", erzählt Beyer mit der Ernsthaftigkeit eines Nachrichtenmoderators, "saß ein Hund beim Knipsen im Auto. Den hab ich übersehen." Die fatale Folge: "Der Wagen verbrauchte nicht weniger, aber der Köter fraß nur noch die Hälfte und wäre fast verhungert." Wow, so gefährlich kann Magie sein.

Schwarzer Jesus-Generator als Zauberbox

Einen Opel auf Diät setzen sollte nicht schaden. Sein Abrakadabra schreibt Beyer dreimal - sicher ist sicher - auf die Rückseite des Bildes: "Lasse bitte dieses Auto sehr wenig Benzin verbrauchen." Und was passiert, wenn er "Bitte lasse dieses Auto 400 km/h fahren" raufschreibt? Beyer: "Hab ich noch nicht probiert. Aber dieser Wagen schafft das von der Substanz her nicht." Ach so. Dann kommt es: Das Bild wandert in eine kleine Kiste. Außen ist sie mit schwarzer Pappe beklebt, von innen mit Alufolie ausgeschlagen. Eigentlich ein einfacher Kinderschuhkarton. In Beyers Händen jedoch eine magische Zauberbox. "Das ist ein Jesus-Generator. Liegt ein Foto drin, steht das Auto unter Magie", versichert der Sprit-Hexer. Warum das so ist, konnte er sich zunächst selbst nicht erklären. Heute weiß er: "Ich habe die Fähigkeit, Energien einzufangen und zu verstärken." Aha.

Kann denn nicht sein, was nicht sein darf? Heerscharen von Ingenieuren versuchen unsere Autos sparsamer zu machen. Und jetzt das: Ein schwarzer Zauberkasten löst die (Benzin-)Probleme der Welt. "Noch nicht losfahren", stoppt Beyer voreiligen Tatendrang. "Das Bild muss mindestens 15 Minuten im Kasten ziehen." Wie eine gute Suppe. Die wird ja immer besser. Und er verspricht noch mehr: Nach 24 Stunden Wartezeit sinkt der Verbrauch um einen weiteren halben Liter.

Versuch eins scheitert. Liegt es am Fahrer?

Es geht los. Beyer stellt seinen Zauberkasten in den Kofferraum. Dann zu Shell. Dort kennt man den liebenswerten Spinner schon. Beyer tankt. Der Opel läuft voll. Das Personal lächelt. Erst als der Sprit im Füllstutzen steht, ist Beyer zufrieden. "Damit keine Messfehler entstehen." Zur Kontrolle zückt Beyer eine Wünschelrute und stellt sich mit geschlossenen Augen vor den Zafira. Die Rute pendelt, der Magier nickt: "Alles klar. Das Auto steht unter positiver Energie." Also, dann kann ja nichts mehr schief gehen.

Nach 25 Kilometern Hokuspokus-Testfahrt sprudeln 2,10 Liter Super in den Tank. Macht 8,4 Liter auf 100. Beyer ist entsetzt: "Viel zu viel. Da stimmt was nicht. Der hat ja nichts gespart." Stimmt. Gleich noch mal, fordert Beyer und wünschelt den Opel ab. "Positiv. Dann kann es nur am Fahrer liegen." Bitte? "Doch, doch, negative Menschen sparen keinen Sprit." Kurz noch am Fahrer gewünschelt, Entwarnung: "Nee, auch positiv. Jetzt muss es klappen." Tatsächlich: Beim zweiten Durchgang schlürft der Zafira genau 1,86 Liter. Das sind hochgerechnet 7,44 Liter auf 100. Ey, fast ein Liter gespart. Doch Beyer gibt keine Ruhe. "Das muss weniger werden. Noch mal, und jetzt stelle ich den Generator auf meinen Schrank. Da wirkt er besser." Soso. Wieder 25 Kilometer fahren, wieder tanken, wieder 1,86 Liter. Exakt. Normale Streuung, höhere Gewalt oder Taschenspieltrick?

Der Zauberer zuckt mit den Schultern: "Ich hätte mir mehr erhofft. Mit Zeitungen habe ich meist Pech. Beim TV klappt es immer." Gut fürs Fernsehen? Oder spricht das für die Presse? Egal. Hauptsache, Ralf Beyer hat Spaß an seiner okkulten Kunst. Denn bekanntlich kann der Glaube Berge versetzen. Man muss eben nur ganz glauben. So wie Ralf Beyer.

Dingel-Mania: Die Tüftler geben Gas

Der Philippino Daniel Dingel (mehr dazu unter der Rubrik "Reportagen" oder über die Suchfunktion) bewegt sein Auto mit Wasser. Vielleicht. Ganz sicher bewegt er die Gemüter, wie zahlreiche Leserbriefe zeigen, die nach Erklärungen und Lösungen suchen. Gelangt "Flüssiggas in der Karosse bis an das Massekabel, welches ein Hohlleiter ist und das Gas zum Batteriepol führt, weiter durch ein hohles elektrisches Isolierstück zum Pluspol und von hier zum imaginären Wasserstofferzeuger", wie Jürgen Walter aus Saalfeld vermutet?

Für Lothar-Joachim Boschen aus Kottenheim ist die Umgebungsluft und nicht Wasser der Energieträger. Und Dingels Konverter ist ein Ionisator: "Das Einzige, was eventuell mit dem Wasser geschieht, ist eine kurzlebige Umwandlung in Wasserstoffperoxid. Man könnte in der Kurbelgehäuseentlüftung Haare positionieren. Würden die gebleicht, stimmt meine Darstellung." M. von Känel aus Zürich schreibt: "Genug Wasserstoff entsteht nur, wenn Wasser auf Natrium tropft. Pro Kilo Na entsteht Wasserstoff mit dem Energiegehalt von 4 kWh. Aus dem Na entsteht NaOH (Natronlauge), die per Elektrolyse wieder in reines Na und O aufgespalten werden kann (Patent angemeldet)." Alles klar?

Autor: Jörg Maltzan

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