Scania Trucks

MAN-Deal: Dämpfer für VW

— 27.06.2011

Machtspiele um MAN

Volkswagen will seine Lkw-Tochter Scania mit MAN verheiraten. Nach Kritik aus Brüssel zog VW allerdings drei prominente Kandidaten für den MAN-Aufsichtsrat zurück.

(dpa) Volkswagen verzichtet nach Druck aus Brüssel auf eine komplette Machtübernahme im Aufsichtsrat des Münchner Lastwagenbauers MAN. Die EU hatte wegen der geplanten Lkw-Allianz zwischen der VW-Tochter Scania und MAN Vorbehalte gegen eine Doppelbesetzung in beiden Aufsichtsräten angemeldet. Der Wolfsburger Autobauer blies deswegen am 27. Juni 2011 auf der Hauptversammlung von MAN in München überraschend die Wahl von VW-Chef Martin Winterkorn, Nutzfahrzeugvorstand Jochem Heizmann und Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch in den MAN-Aufsichtsrat ab. Alle drei sitzen auch im Aufsichtsrat bei der schwedischen Volkswagen-Tochter Scania.

An den Plänen für ein gemeinsames Lkw-Geschäft aus MAN und Scania unter dem Dach von VW ändere dies aber nichts, betonte MAN- und VW-Chefaufseher Ferdinand Piëch. Die EU-Kommission habe aus kartellrechtlichen Überlegungen Bedenken gegen die Kandidatur der Manager geäußert. Stattdessen stellte VW zwei Aufsichtsratsmitglieder wieder zur Wahl und schlug den Münchner Rechtsanwalt Matthias Bruse neu vor. Er wurde ebenso wie Audi-Vorstand Ulf Berkenhagen gewählt, der zuletzt als neuer Einkaufsvorstand für MAN ins Spiel gebracht worden war. Auch Thomas Kremer, Chefjustiziar bei ThyssenKrupp wurde gewählt. Er war Mitte Juni in das Gremium gerückt, nachdem Heiner Hasford sein Mandat vorzeitig niedergelegt hatte – vermutlich aus Protest gegen die Piëch-Pläne.

Der unerwartete Kandidatenrückzug nahm der erwarteten Kritik der Anteilseigner viel Wind aus den Segeln. Die Wettbewerbshüter hätten empfohlen, die drei Kandidaten erst nach der kartellrechtlichen Genehmigung der Übernahme zu wählen, erklärte Piëch. Daraufhin sei die Kandidatur hinfällig geworden. Nach Meinung von Branchenbeobachtern war die Prüfung einer möglichen späteren Fusion von MAN und Scania das Hauptmotiv für das im Mai 2011 vorgelegte Pflichtangebot. Nach Ablauf der Frist kann Volkswagen am Markt weitere Aktien kaufen. Experten rechnen damit, dass am Ende eine vollständige Kontrolle von MAN durch VW stehen wird. Grundsätzlich begrüßt MAN ein engeres Zusammenrücken mit dem Konkurrenten Scania. "Von dieser industriellen Logik sind MAN, VW und Scania überzeugt und dafür sind wir auch die richtigen Partner", sagte MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen.

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