Zwei getunte Supersportler

Mansory 4XX Siracusa und AMG GT S: Fahrbericht

— 14.06.2016

Geflügeltes Traumpaar

Wenn sich einer traut, den Ferrari 488 GTB und den AMG GT S anzufassen, dann Mansory. Neben fetter Optik gibt es bis zu 790 PS.

Das Fichtelgebirge, bekannt für seine schönen Wälder, Schneeberg, Ochsenkopf und natürlich die vielen Porzellan-Manufakturen. Vollgas-Fans wissen, dass dort auch die heiligen Hallen von Mansory zu finden sind. Der Veredler machte sich in den letzten Jahren vor allem einen Namen, weil er sich nicht davor scheut, auch einen Bugatti Veyron und andere scheinbar unantastbare Superautos umzugestalten. 1250 PS in einem Aventador oder grellblaue Rolls-Royce Ghost mit goldenen Felgen, das kann begeistern, aber dem ein oder anderen auch wehtun.

Zwei heiße Sportler mit unterschiedlichem Charakter

Ganz heiße Eisen: Aus Tunerhand legen Ferrari 488 GTB und AMG GT S noch mal ordentlich zu.

Nun hat der Tuner nun auch den neuen Ferrari 488 GTB und den AMG GT S unters Skalpell genommen. 4xx Siracusa nennt Mansory den Ferrari. Sira was? Der Name stammt von der antiken Stadt auf Sizilien und soll deren Wärme und Charme im 488 widerspiegeln. Die X hinter der Vier verweisen auf die LaFerrari-Sportversion FXX K. Der GT S von AMG ist dagegen bereits ein alter Bekannter. Das neue Sportcoupé aus Affalterbach musste sich schon mehrmals über den Ring scheuchen lassen. Die dynamischen Qualitäten sind bestens, der Motor ist gut bestückt, die Optik ansprechend. Alles Geschmackssache, ich weiß. Der Ferrari erstahlt in grellem Gelb, der AMG in Mattgrau. Der 4XX Siracusa macht auf freundlich, der GT S eher auf Angriff. Stealthbomber lässt grüßen. Los geht's, hinein in die teuren Boliden und ab auf das nahe gelegene Flugplatzgelände.

Vollgas im 4XX Siracusa ist geradezu atemberaubend

Überflieger im Mansory-Trimm: Der 4XX Siracusa geht in 2,9 Sekunden auf Tempo 100 und schafft 341 km/h.

Für über 30.000 Euro wurden allein die Interieurs aufgewertet; deshalb sind die Ledersitze noch mit Folie bespannt, der Fußboden mit Papier geschützt. Doch die Motoren sind zum Glück nicht verpackt. Zum Glück, denn die Straßen rund um den Fichtelberg sind heute wie leergefegt. Beim Hinweg gönne ich mir den 488, sorry 4XX, endlich. Innen erscheint alles wie im 458 Italia. Tiefe Sitzposition, mit Schaltern übersätes Lenkrad, XXL-Schaltwippen. Nur wenige Details sind anders. Klar Mansory hat hier Hand angelegt: gestepptes Leder, gelbe Ziernähte, jede Menge Carbon. Schade, dass manche Drehschalter durch die gelbe Lackierung schwergängiger sind – bei den Preisen! Hier hätte ich mir mehr Perfektion erwartet. Aber viel wichtiger ist das Fahren. Früher beeindruckte im 458 das Drehzahl-Orchester, heute, hier und jetzt ist es das Röcheln und Atmen der beiden Turbolader hinter mir. Unglaublich, was da abgeht. Schon die nackten Zahlen – 2,9 Sekunden auf 100, 341 Sachen Spitze – sprechen Bände.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Noch ein paar Meter, dann sind wir auf dem Flugfeld. Vor Ort angekommen, schauen wir uns den gelben Überflieger einmal von außen an. Carbon an fast jeder Ecke, kleine Flügelchen, auf der Heckklappe zwei Winglets. Und hier kommt das "4XX" wieder ins Gespräch. Denn der Ferrari LaFerrari FXX K, auf das es verweist, hat ein ähnliches Leitwerk. Doch das ist nur ein Teil des aufwendigen Bodykits. Die markanten Lufteinlässe der neuen Frontschürze sollen den Kühlern mehr Frischluft zukommen lassen. Zusammen mit der speziell entwickelten Frontlippe soll sich ein verbesserter Abtrieb generieren.

Ausgeklügelte Aerodynamik sorgt für Abtrieb und Frischluft

Gegen Flugtendenzen: Spoiler, Flügel und Diffusor drücken den Über-Ferrari bei Vollgas auf den Asphalt.

Seitenschweller, Rückspiegel sowie die vorderen Kotflügel sind nicht nur aus Gewichtsgründen in Carbon gefertigt. Die neuen Teile wirken ebenfalls als Luftleitwerk und führen der Antriebseinheit Frischluft zu. Für eine perfekte Leitwirkung des Luftstroms ist auch der in die Heckschürze integrierte Diffusor verantwortlich. Das Luftleitsystem stellt zudem sicher, dass sich die erhitzte Luft nicht staut. Außerdem beatmen Einlasskanäle hinter den Türen den Motorraum. Nicht so versteckt und kleinteilig kommen die Räder. Feinspeichige Einteiler in Titangrau mit gelbem Rand, das fetzt einfach. Und dann noch in unterschiedlichen Dimensionen, vorne 20 und hinten 21 Zoll. Bespannt mit Michelin Super Sport in 255/30 und 325/25. Weil das adaptive Fahrwerk gut konditioniert, für die Räder aber zu hoch ist, wurde hier mit Tieferlegungsfedern nachgeholfen. Noch einmal den Achtzylinder starten, noch einmal das Gaspedal kitzeln, die Turbos und die Wastegate-Ventile zwitschern um die Wette, dann müssen wir uns trennen.

Auch optisch lässt der Tuner beim AMG GT S die Muskeln spielen

Was dem AMG GT S in der Serie fehlt, packt Mansory drauf und schafft so Nähe zum GT3-Rennwagen.

Doch der Scheidungsgrund ist nicht von schlechteren Eltern. Vom Motor her ähnlich aufgebaut und stark, wohnt diesmal der V8-Biturbo direkt hinter der Vorderachse. Doch bevor ich ihn zünde, schauen wir uns den mattgrauen Bomber mal genauer an. Denn auf den ersten Blick sieht der dem Rennwagen GT3 sehr ähnlich. Extreme Kotflügelverbreiterungen mit angedeuteten Luftauslässen wie beim echten Renner, dazu XXL-Kiemen wie einst beim Sonderling SLR Stirling Moss. Doch damit nicht genug Muskelaufbau. Auch die hinteren Radläufe sind in die Breite gewachsen, die Heckschürze setzt das spektakuläre Design mit seitlichen Lüftungen und Diffusor in rotem Carbon fort. Das teure Material in dezenter Färbung findet sich auch auf dem Heckdeckel wieder. Gemeint ist die Monster-Hecktheke, wie sie sich der eine oder andere GT-Fahrer längst gewünscht hat.

Weitere Details sehen Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Online-Heftarchiv.
Fahrzeugdaten Mansory AMG GT S Mansory 4XX Siracusa
Motorbauart V8 V8
Aufladung/Ladedruck Biturbo/1,2 bar Biturbo/1,2 bar
Einbaulage vorn Mitte längs Mitte hinten längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/4
Hubraum 3982 cm³ 3902 cm³
Bohrung x Hub 83,0 x 92,0 mm 86,5 x 83,0 mm
Verdichtung 10,5:1 9,4:1
Leistung kW (PS) b. 1/min 537 (730)/6000-6500 581 (790)/8000
Literleistung 183 PS/l 202 PS/l
Drehmoment Nm b. 1/min 760/1750-4750 870/3000
Antrieb Hinterrad Hinterrad
Getriebe 7-Gang-Doppelkupplung 7-Gang-Doppelkupplung
Bremsen vorn 402 mm/innenbel./gel. 398 mm/innenbel./gel.
Bremsen hinten 360 mm/innenbel./gel. 360 mm/innenbel./gel.
Bremsenmaterial Keramik Carbon-Keramik
Radgröße vorn – hinten 9 x 20 / 10,5 x 21 9 x 20 / 12,5 x 21
Reifengröße vorn – hinten 255/35 R 20 – 305/35 R 21 255/30 R 20 – 325/25 R 21
Reifentyp Michelin Pilot Super Sport Michelin Pilot Super Sport
Länge/Breite/Höhe 4546/1939/1268 mm 4568/1952/1193 mm
Radstand 2630 mm 2650 mm
Leergewicht 1570 kg 1370 kg
Leistungsgewicht 2,2 kg/PS 1,7 kg/PS
Tankvolumen 65 l 78 l
Kofferraumvolumen 350 l 230 l
0-100 km/h 3,4 s 2,9 s
Vmax 330 km/h 341 km/h
ECE-Normverbrauch 9,4 l Super Plus 11,4 l Super Plus
Testwagenpreis 314.567 Euro 420.644 Euro

Vergleich: Sportwagen von Mansory

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Der Artikel handelt von folgenden Modellen: Mansory 4XX Siracusa und Mansory AMG GT S (Vergleichstest).

Veröffentlicht:

13.05.2016

Preis:

1,00 €

Autor:

Guido Naumann

Fazit

Otto Normalbürger wäre schon glücklich, überhaupt den Kauf eines Ferrari 488 GTB oder eines AMG GT S zu erwägen. Doch es gibt genug Menschen, für die Geld keine Rolle spielt. Für exakt diese Klientel hat Mansory diese beiden Extreme geschaffen. Der 4XX Siracusa ist bis aufs Messer nachgeschärft und optisch ausgereizt, der GT S ein Straßenrennwagen mit fast außerirdischen Fahrleistungen. Doch bitte, liebe Mansorys: Achtet bei all dem Wahnsinn auf die Perfektion!

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