Marchionne Winterkorn

Marchionne gegen Winterkorn

— 27.07.2012

Zoff unter Autogiganten

Fiat-Chef Sergio Marchionne wirft Volkswagen eine zerstörerische Preispolitik vor. VW kontert – und stellt Marchionne als Präsident des europäischen Herstellerverbands infrage.

Mitten in der Absatzkrise auf dem europäischen Automarkt ist zwischen Branchenführer Volkswagen und dem angeschlagenen Autobauer Fiat ein massiver Streit entbrannt. VW forderte den Vorsitzenden des europäischen Autohersteller-Verbandes ACEA, Fiat-Chef Sergio Marchionne (im Bild links, daneben Volkswagen-Chef Martin Winterkorn), zum Rücktritt auf. Marchionne sei als Präsident des Verbandes untragbar und solle gehen, erklärte VW-Kommunikationschef Stephan Grühsem am 26. Juli 2012. Hintergrund ist ein von der "New York Times" zitierter Vorwurf Marchionnes, Volkswagen betreibe eine rücksichtslose und zerstörerische Preispolitik. "Bei der Preisgestaltung gibt es ein Blutbad. Das ist ein Blutbad bei den Margen", wurde Marchionne zitiert.
EU-Kommission nimmt VW in Schutz
Im Streit zwischen VW und dem angeschlagenen
Autobauer Fiat hat die EU-Kommission Volkswagen in Schutz genommen. "Mir sind keinerlei Hinweise auf Ausnutzung der marktbeherrschenden Stellung oder unfaire Geschäftspraktiken von Volkswagen bekannt", sagte ein Sprecher von EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia am 27. Juli 2012 in Brüssel. Die EU-Kommission könne den Fall nicht weiter kommentieren, da sie keine Details kenne. Fiat hatte Volkswagen vorgeworfen, eine rücksichtslose und zerstörerische Preispolitik zu betreiben.
Quelle: dpa
Indem die Wolfsburger aggressive Rabatte gewährten, nutzten sie die Krise, um Marktanteile zu gewinnen. Angesichts dieser Äußerungen sei auch ein Austritt aus dem Acea eine Option für Volkswagen, erklärte Kommunikationschef Grühsem. Der 1991 gegründete Autobauer-Verband Acea vertritt die Interessen von 18 Herstellern von Autos, Lastwagen und Bussen auf europäischer Ebene und gilt als einflussreicher Verband. Fiat leidet unter massiven Absatzproblemen. Marchionne wiederum ist für markige Aussagen bekannt. So hatte er Anfang des Jahres gefordert, Europa brauche einen zweiten starken Autobauer und damit ein Gegengewicht zu VW.
Der Automobil-Branchenverband ACEA
In dem einflussreichen europäischen Automobilhersteller-Verband ACEA sind 16 große Produzenten von Personen- und Lastwagen sowie von Bussen zusammengeschlossen. Nationale Organisationen der meisten EU-Länder wie der deutsche
Verband der Automobilindustrie (VDA) sind dem Branchenverband assoziiert. Die einzelnen Mitglieds-Unternehmen sind BMW, DAF Trucks, Daimler, Fiat, Ford Europe, General Motors Europe, Hyundai Motor Europe, IIveco, Jaguar, Land Rover, Porsche, PSA Peugeot Citroën, Renault, Toyota Motor Europe, Volkswagen sowie Volvo Cars und Volvo Group. Sie beschäftigen nach Verbandsangaben insgesamt zwei Millionen Menschen und sorgen indirekt für weitere zehn Millionen Jobs. Der Acea (Association des Constructeurs Européens d'Automobiles) wurde 1991 gegründet. Er ging aus dem Comité des Constructeurs du Marché Commun (CMMC) hervor. Hauptsitz des Lobby-Verbandes ist Brüssel. 1995 beziehungsweise 2004 wurden zudem Vertretungen in Tokio und Peking eröffnet. Verbandspräsident Sergio Marchionne von Fiat hat in diesem Jahr seinen Vorgänger Dieter Zetsche von Daimler an der Spitze des ACEA abgelöst.
Quelle: dpa
Fiat-Chef aus Ärger über ein angebliches Werben von VW um Alfa Romeo Interesse an den beiden VW-Beteiligungen MAN und Scania bekundet, dies aber wenig später als "Witz" bezeichnet. Der Konflikt zwischen VW und Fiat kommt zu einer Zeit, in der der Fahrzeugmarkt in der EU seit Monaten auf Talfahrt ist - vor allem in den Euro-Krisenländern Spanien und Italien, aber auch in Frankreich.  Dies trifft die Hersteller hart, die von Europa abhängig sind - neben der europäischen Nummer zwei PSA Peugeot Citroën sind dies auch Opel und Fiat. Sie kämpfen mit Überkapazitäten.

"Ein zweites Volkswagen schaffen": Fiat spekuliert über Fusion

Fotos: Marchionne Winterkorn

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Martin Winterkorn

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