Der große Marken-Vergleich

Marken-Vergleich

— 02.02.2010

VW attackiert Mercedes

Premium für alle – mit dieser Strategie nimmt VW nicht nur die angestammte Konkurrenz ins Visier, sondern sogar Mercedes. Ein Erfolgsrezept oder Größenwahn? AUTO BILD analysiert die Situation.

Das Ziel hatte Ferdinand Piëch schon 1996 gesetzt: "VW geht gegen Mercedes", verkündete der heutige Aufsichtsratschef, als jede Konzernmarke ihren strategischen Gegner zugeteilt bekam. Seat gegen Alfa Romeo, Skoda gegen Volvo, Audi gegen BMW – hinter diese Aufgaben darf die Wolfsburger Zentrale ihre Haken setzen. Erledigt, Ziel erfüllt. Aber VW gegen Mercedes, diese Messlatte für den Massenhersteller wurde damals bestenfalls still belächelt. "Jetzt hebt er ab", schrieben Piëchs Kritiker. Wie nahe sich die beiden Marken heute kommen, werden wir im Sommer am neuen Passat erkennen. Eine ausgewachsene Limousine, die in Qualität, Sicherheit, Solidität und Wertbeständigkeit exakt das darstellt, was die Kunden vom Stern erwarten. Manchmal vergeblich.

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Kaum wiederzuerkennen: Die neue Mercedes A-Klasse fürs Kompaktsegment.

Auch wirtschaftlich standen VW und Mercedes sich schon sehr nahe. 2005 hatten die damaligen Lenker Bernd Pischetsrieder und Jürgen Schrempp eine Überkreuzbeteiligung von zehn bis 15 Prozent angeschoben: In einem ersten Schritt wollte man den Golf und die A-Klasse auf eine gemeinsame Plattform stellen. Im Gegenzug hätte VW für den US-Markt an Chrysler andocken dürfen. Als Ferdinand Piëch von der Sache Wind bekam, waren Bernd Pischetsrieders Tage an der Konzernspitze gezählt. Inzwischen plant Mercedes-Chef Dieter Zetsche die gemeinsame Zukunft mit Renault-Nissan. Eine solide Allianz gilt nämlich als Grundvoraussetzung, um im Kräftemessen bestehen zu können. Denn während VW seine Stärke aus den Synergieeffekten der Markengruppe zieht, müssen sich die Schwaben mühsam mit einzelnen, modellbezogenen Kooperationen absichern. Die Partnerschaft mit Renault betrifft erst einmal nur die nächste Smart-Generation, doch später will auch Mercedes mit dem französisch-japanischen Multi zusammenarbeiten.

Die Plattformstrategie zaubert immer neue Modelle aus dem VW-Baukasten

SUV auf Golf-Basis: Auch der neue Tiguan zeigt VWs geschickte Plattformstrategie.

VW zaubert immer mehr neue Modelle aus seinem immer mehr einheitlichen Baukasten: • Nur noch zwei Module statt fünf verschiedene Plattformen für quer und längs eingebaute Motoren • Doppelkupplungsgetriebe ersetzt Automatik • Nur noch Drei- und Vierzylinder als TDI und TFSI • Hybridbaukasten mit Mildhybrid, Plug-in-Hybrid und Range Extender • Kooperation mit Suzuki. Auch Mercedes ist dabei, die Zügel zu straffen: • Statt sechs verschiedener Baureihen nur noch drei Module für Fronttriebler, Hecktriebler und Sportwagen • Drei neue Getriebe-Generationen (Doppelkupplung, Automatik, Handschalter) • Neue Vier-, Sechs-, Achtzylinder als CDI und CGI • Hybridbaukasten mit Mildhybrid, Plug-in-Hybrid und Range Extender • Kooperation mit Renault (gesichert) und BMW (in Diskussion).

Während VW mit verbesserter Qualität in Richtung Premium strebt, braucht Mercedes Erfolg bei den Kleinen: Der Smart kommt mithilfe des neuen Partners auch als Viersitzer, doch auch die up-Familie von VW hat Verbündete – sie heißen Seat, Skoda und bald auch Suzuki. Von den Japanern erwartet man, dass sie den up in Drittmärkten zu besonders niedrigen Kosten produzieren. VW plant vom up mindestens fünf verschiedene Varianten inklusive Zwei-Liter-Auto und Kleinbus. Mit den Nachfolgern von A- und B-Klasse macht der Stern aus Stuttgart einen überzeugenden Neuanfang. Doch Vorsicht – vier Varianten bedeuten kleine Stückzahlen und hohe Kosten. Mercedes wird bei jungen Kunden punkten, doch Geld verdient wird auch in Zukunft vor allem mit der E-Klasse, S-Klasse und M-Klasse samt deren Derivaten. Aber weil gerade die Nachfrage nach teuren Fahrzeugen rückläufig ist, wird es immer schwieriger, damit den technischen Fortschritt zu finanzieren.

Nachholbedarf hat VW vor allem am oberen Ende der Skala. Der Phaeton ist ein Flop, der Touareg hat Terrain verloren, der sträflich vernachlässigte Sharan hat sich selbst sein Grab geschaufelt. Keine Frage: Spätestens auf E-Klasse-Niveau stoppt der VW-Höhenflug. Doch das muss nicht so bleiben. 2013 kommt der Phaeton-Nachfolger – und der ist nur der Auftakt einer Produktoffensive, die bis 2017 nicht weniger als sechs neue Mittel- und Oberklassemodelle vorsieht. VW gegen Mercedes? Das direkte Duell rückt näher. Welche Marke zurzeit besser aufgestellt ist und welche Modelle in Zukunft den Markt aufmischen sollen, zeigt die große Gegenüberstellung in der Bildergalerie.
Georg Kacher

Georg Kacher

Fazit

VW gegen Mercedes – so sieht moderner Klassenkampf aus. Wolfsburg kopiert Stuttgarter Markenwerte, Mercedes wildert in VW-Revieren. Am Ende entscheiden Preis und die Qualität von Design und Technik. Gewinnen kann nur, wer auch mit Klein- und Kompaktwagen Geld verdient. Und sei es mit Schützenhilfe von Dritten. Wir tippen auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

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