Marussia B1: Fahrbericht

Marussia B1 Marussia B1

Marussia B1: Fahrbericht

— 18.05.2010

Supersportler aus Russland

Einst fuhr Nikolay Fomenko – in Russland ein bekannter "Showman" – Autorennen mit einem Aston Martin. Jetzt baut er mit dem Marussia B1 seinen eigenen Sportwagen. Erster Fahrbericht.

Der Marussia hat so gar nichts Russisches an sich. Er ist vielmehr ein globaler Sportler, der Anleihen nimmt – ein bisschen Lamborghini hier, ein wenig Lotus dort –, auf einen eigenständigen Auftritt aber dennoch großen Wert legt. Auf schlanken Zentralverschluss-Rädern stehend, scheint er umgehend lossprinten zu wollen. Ins Innere gelangt man über elektrisch öffnende Flügeltüren. Während ich mich in den sportlichen, aber nicht unkomfortablen Sitzen einrichte, reift eine Erkenntnis heran: Das hier ist keine ambitionierte Bastelbude von Traumtänzern, die zwar Ideen, aber keine Kohle haben. Das hier ist ernst gemeint. Nur stellenweise lässt die Haptik des Sportlers zu wünschen übrig. Dafür stimmen Ergonomie und Platzangebot.

Marussia B1: Renn- und Alltagsfahrzeug

Der Marussia B1 wirkt kraftvoll und doch schlank. Er sieht wie ein klassischer Sportwagen aus und bleibt doch eigenständig.

Und um das digitale Zentraldisplay dürfte die Russen mancher Großserienhersteller beneiden. Der Marussia B1 soll als Rennfahrzeug eingesetzt werden können gleichzeitig aber auch im Alltag funktionieren. Weswegen nicht nur eine Rückfahrkamera, sondern auch ABS, ESP und eine sechsstufige Automatik aus dem Renault/Nissan-Regal zum Einsatz kommen. Zudem wird mit KW an einem Hydraulikfahrwerk getüftelt, um den Vorderwagen bei Bedarf ein paar Zentimeter anheben zu können. Fomenko hat Investoren gefunden, die Geld und einen langen Atem haben. So kann Marussia den eigenen Namen nicht nur durch Sponsoring eines Formel-1-Teams (Virgin Racing) bekannt machen, sondern vermag darüber hinaus mit 15 Versuchsfahrzeugen ausreichend Praxiserfahrungen zu sammeln – bevor Mitte Mai die Serienproduktion anlaufen soll.

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Die nach oben und vorn schwingenden Türen erlauben den unkomplizierten Einstieg.

Einen dieser Prototypen konnten wir in Monaco bewegen. Seine Alukarosserie wirkt wie aus einem Guss und glänzt mit ordentlichen Spaltmaßen. Unter der Haube arbeitet ein Cosworth-Motor mit sechs Zylindern und Turboaufladung. Die Maschine bellt böse, hängt gut am Gas und hat Dampf. Das Auto wirkt handlich, die Lenkung direkt. Lediglich laute Knarzgeräusche verraten, dass es sich beim gefahrenen Modell um ein Vorserienfahrzeug handelt. Und die insgesamt etwas ruppige Art verlangt noch nach etwas Feintuning. Unterm Strich ziehen wir den Hut: Die Russen kommen tatsächlich – ganz gewaltig sogar.
Technische Daten Marussia B1
Motor V6, Turbo
Einbaulage Mitte längs
Hubraum 2793 cm3
kW (PS) bei 1/min 265 (360)/5500
Literleistung 129 PS/l
Nm bei 1/min 440/4000
Antriebsart Hinterrad
Getriebe 6-Stufen Automatik
Leistungsgewicht 3,1 kg/PS
Verbrauch ca. 10 l Super
0-100 km/h 3,5 s
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Preis 119.000 Euro

Autor: Ben Arnold

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