Maserati GranCabrio Fahrbericht

Maserati GranCabrio Fahrbericht

— 23.02.2010

Im Maserati GranCabrio durch Italien

Auf der Flucht vor Frost und Fisternis: im neuen Maserati GranCabrio von Ravenna nach Ferrara. Kein Dach überm Kopf, aber 440 PS unter der Haube – stilvoller kann man kaum frieren.

Temperatur auf "Max", Scheitel auf Sturmfrisur, Gebiss auf Grins – und ab geht die Post. Im Winter kann es in der Emilia Romagna schon mal minus zwei Grad kalt sein, der Himmel Trauer tragen und eine steife Brise aus Südost wehen. Im Zwielicht des morgendlichen Berufsverkehrs fällt unser Silberling mit offenem Dach also auf wie ein bunter Hund. Von hinten zieht es zwar wie Hechtsuppe, doch gegen den Kaltluft-Föhn von vorn hilft ein Stirnband und die Hoffnung auf besseres Wetter. Aircap, Windschott, Nackenwärmer? No, grazie. Virtuelles Offenfahren überlassen wir den schwäbischen Schattenparkern. Das aufsteckbare Windschott des Maserati GranCabrio ist zusammengefaltet in der Garage ohnehin besser aufgehoben als im 173 Liter kleinen und ziemlich zerklüfteten Kofferraum.

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Den Produktplanern gebührt dennoch ein Bravo, weil sie das fix und fertige Blechklappdach in letzter Minute durch ein klassisches Faltverdeck ersetzt haben. Die dreilagige Stoffkapuze öffnet und schließt in 28 Sekunden – gern auch bei langsamer Fahrt oder per Fernbedienung aus den Reihen der Bewunderer. Der offene Maserati ist die dritte und letzte Spielart des 2004 eingeführten Quattroporte. Der viersitzige Herzensbrecher mit dem variablen Lichtschutzfaktor wiegt zwar fast zwei Tonnen, wirkt dafür aber so in sich gefestigt wie die Titanic vor der Begegnung mit dem Eisberg. Wie alle Modelle aus dem Hause mit dem Dreizack irritiert auch das GranCabrio durch unstete Relativbewegungen zwischen Aufbau und Fahrwerk, die als dynamische Weichzeichner den Dialog zwischen Mensch und Maschine trüben. Vor allem in sehr schnellen Autobahnkurven kräuselt das Wechselspiel aus Einlenken und Nachbessern schrecksekündlich die Nackenhaare. Die aerodynamische Stabilität zeigt sich dagegen ebenso von ihrer besten Seite wie die unaufgeregte Reaktion auf Lastwechsel jeder Art.

Der Motor verdreht schon im heiseren Leerlauf die Köpfe von Alt und Jung

Gänsehaut-Akustik: Unter der vorderen Haube arbeitet ein 440-PS-V8 von Ferrari.

Am frühen Nachmittag reißt endlich der Himmel auf, und die Sonne taucht das Land mit flachen Strahlen in kühles Winterlicht. Ravenna entpuppt sich als große Kulisse für die nuova bella macchina mit dem V8-Herz von Ferrari, das schon im heiseren Leerlauf Alt und Jung die Köpfe verdreht. Der 440 PS starke 4,7-Liter-Motor klingt so mitreißend nachhaltig, als hätte ihm der Opernkomponist Gaetano Donizetti aus der Gruft um die Ecke den Soundtrack posthum ins Steuergerät diktiert. Wenn der Wellenkamm der Drehmomentwoge bei 4750 Touren bricht und 490 Nm in Richtung Sechsstufenautomatik fluten, dann ringen die fetten Sottozeros auf der glatt gefegten Strandpromenade selbst im dritten Gang noch kreischend um Grip. Das gefällt den eingemummten Tifosi vor der Bar Centrale, die wie auf Kommando ihre langen Daumen himmelwärts recken. Trotz der Abkehr von Trockensumpfschmierung und Transaxle (schnief!) ist das GranCabrio ein heckbetont abgestimmter Luftikus, der sein explosives Eigenlenkverhalten nur zu gern unter Beweis stellt.

Der Countdown zum Showdown erfolgt in drei Stufen: Schaltung in Manuell, Fahrwerk in Sport, ESP-Schutzengel in Urlaub. Weil gleichzeitig die Gaspedalreaktion von dolce zu arrabbiato wechselt, führt das wuchtige Windspiel jetzt eine noch schärfere Klinge. Wer den Motor bis 7200 Touren ausdreht, schon am Kurveneingang Kampflinie fährt und bis zum Scheitelpunkt genug Schwung sammelt, den belohnt der Maserati mit großen Gesten und immer längeren Querfahrten. Applaus, Vorhang, Encore! Wenn es sein muss, dauert der Spurt von null auf 100 nur 5,3 Sekunden – mit reichlich Schlupf und ab 3000 Touren mit einer Klangfülle, die abhängig macht. Doch die wahren Stärken des sanften Riesen sind der sämige Sauseschritt, das geschmeidige Gleiten und der lässig getaktete Kurventanz. Wo die Radaraugen gnädig wegschauen, beginnen schon lange vor Erreichen der Höchstgeschwindigkeit (274 km/h, offen) Augen zu tränen, Haarteile zu flattern und Ohren abzufallen.

Die Schwächen des GranCabrio sind Verbrauch und Kofferraum

Bitte nichts mitnehmen! Das Gepäckabteil schluckt nur 173 Liter.

Wir lassen es lieber etwas langsamer angehen und genießen dabei die intuitive Transparenz der Bedienung. Die Lenkung straft uns zwar im Stadtverkehr mit einem Wendekreis von 12,3 Metern, doch überland funktioniert sie erstaunlich präzise. Die Bremse besteht zwar aus konventionellem Gusseisen-Alu-Verbund, doch der Biss, die Standfestigkeit und das Feedback schaffen Vertrauen. Die Automatik ist nicht so flink und effizient wie ein Doppelkupplungs-Arrangement, doch die Dreier-Beziehung zwischen Getriebe, Motor und Gaspedal überzeugt durch absolute Harmonie. Schwächen? Im Messer-zwischen-den-Zähnen-Modus fließen gut 20 Liter durch die Einspritzdüsen, der Preis von 132.770 Euro ist selbst für die freundlichste Hausbank eine echte Bewährungsprobe, das Bonsai-Gepäckabteil reicht kaum für ein verlängertes Wochenende. Aber als Supermodel für den Laufsteg Straße ist das GranCabrio einsame Spitze.

Technische Daten Maserati GranCabrio • V8, vorn längs • vier Ventile pro Zylinder • vier oben liegende Nockenwellen • Hubraum 4691 cm³ • Leistung 323 kW/440 PS bei 7000/min • max. Drehmoment 490Nm bei 4750/min • Hinterradantrieb • Sechsstufenautomatik • Reifen v/h 245/35 R 20, 285/35 R 20 • L/B/H 4881/1847/1353 mm • Radstand 2942 mm • Leergewicht 1980 kg • Kofferraum 173 l • 0–100 km/h in 5,3 s • Spitze 283 km/h (geschlossen) • Tankvolumen 75 l • Verbrauch EU-Mix 15,2 l SP/100 km • 354 g CO2/km • Preis 132.770 Euro.

Autor: Georg Kacher

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