Maserati GranCabrio/Mazda MX-5: Vergleich

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Maserati GranCabrio/Mazda MX-5: Vergleich

— 27.07.2010

Wie viel Cabrio braucht der Mensch?

Maserati GranCabrio gegen Mazda MX-5: AUTO BILD lässt einen Gebraucht-Roadster von 1996 gegen das italienische Vollblut zum 30-fachen Preis antreten. Ein unmöglicher Vergleich.

Mmmh ... Maserati. Ein Name, der wie Löffelbiskuit auf der Zunge zergeht. Dessen Silbenmelodie wie der Soundtrack zum Dolce Vita klingt, nach Motorsport-Lorbeer serienmäßig. Gut, in den geschmacksresistenten Achtzigern klebte Neptuns Dreizack an Allerweltskarossen, deren "Biturbo"-V6 oft schon auf dem Weg zur Eisdiele abrauchte. Doch diese Ära war passé, als Fiat die Marke aufsog – und sie 1997 dem Traditionsrivalen Ferrari unterstellte. Seitdem folgt Maserati seinem Dreizack: steil nach oben. Neuer Höhepunkt: das GranCabrio. Oder der GranCabrio? Eine Frage, der sich Zeitgenossen mit mehr Muße für sprachliche Spitzfindigkeit widmen mögen.

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Ich jedenfalls bin grad mal weg – entschwebt im Ambiente des GranCabrio. Umgeben von Carbalho-Holz, wie Maserati stolz wirbt, und edelstem Leder aus dem Hause Poltrona Frau, dessen auffallend weiblicher Name vom Gründer, Herrn Frau, herrührt. Herrlich auch die rassig-feminin wirkende Pininfarina-Hülle und der erotische Klang des Achtzylinders – ein Traumauto, das GranCabrio. Oder doch der? Überhaupt: Passt nicht die am besten? Egal. Hauptsache, es heißt: das Traumauto. Zumal es das für mich auch ist. Dumm, dass die Erfüllung ganz real am Fehlen der Finanzmittel scheitert. 132 770 Euro verlangt Maserati – für die Grundausstattung, bei der Poltrona Frau schon drin sitzt, immerhin. Doch inklusive der hier verbauten Extras fallen knapp 155.000 Euro an. Viel für ein Auto. Viel zu viel für mich.

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Schnäppchen: Offenes Fahrvergnügen gibt es beim MX-5 schon für 5000 Euro.

Mal sehen, was sich zusammenkratzen lässt. Sparschwein notschlachten, Dispo bis Anschlag, Vorschuss von der Erbtante – fünf Riesen bekomme ich so zusammen. Reicht nicht ganz. Jedenfalls nicht für den neuen Maserati. Wohl aber für ein schickes Gebraucht-Cabriolet. Was die Frage aufwirft: Welchen Anteil am GranCabrio-Genuss bekommt man für ein rundes Dreißigstel des Preises? Oder ganz bodenständig formuliert: Wie viel Cabrio braucht der Mensch? Als Herausforderer für den unmöglichen Vergleich wähle ich einen Mazda MX-5, Baujahr 1996. Weil der ebenjene 5000 Euro wert ist. Vor allem aber, weil ich so seine Besitzerin, meine Lieblingskollegin Peggy, mit an den Start kriege. Peggys Stimme ist nämlich wichtig. Etwa wenn es darum geht, wie cool ich an den Volants der Duellanten wirklich wirke. Ihr erster Kommentar gilt Maseratis Rückleuchten: Die sähen aus wie die eines Ford Mondeo, der auf dem Dach liegt. Dann folgt sachlichere Kritik: Der Frontscheibenrahmen säße, typisch für moderne Cabrios, zu weit hinten, um volle Offenheit zu bieten.

Zum Cabrio-Spezial

Peggy hat recht: Bei idealer Sitzposition beginnt meine kahle Stirn zehn Zentimeter hinter der Maserati-Sonnenblende. Der MX-5 bietet genau die vierfache Freiheit. Auch seitlich hat der Youngtimer viel mehr Luft: Mein Ellbogen liegt lässig auf dem Fenstersims, beim Maserati vereitelt die hohe Gürtellinie diese Übung. Und für Außenstehende die Chance, mich als Maseratisten zu bewundern. Einem Hamster in der Salatschüssel ähnlich sei ich hinter der aufragenden Bordwand wahrnehmbar, witzelt Peggy – nämlich einzig von oben. Eine Perspektive, die kaum meine Schokoladenseite offenbart ...

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Ungleiche Cabrios: Bei den Fahrleistungen liegt der Mazda hinten – Spaß macht er trotzdem.

Klare Sache: Der Mazda gibt sich offener. Und das viel schneller – hier müssen keine E-Motoren 18 Sekunden lang surren. Verdeckriegel aufgeschnippt, den Rest erledigt der Langsamfahrt-Wind. Geht es zügiger und damit zugiger zur Sache, setzt der Maserati souverän zum Überholspurt an – in jeder Disziplin. Sein V8, ein Ferrari-Erbstück, posaunt los, als wolle er das Autodromo di Monza beschallen. Nicht zuletzt das ist es, was die Faszination eines klassischen Italo-Vollbluts ausmacht. Dennoch: Der Mazda schlägt sich im Vergleich viel besser, als sein geringer Wert vermuten lässt. Oder als ein Fünftel der Motorleistung befürchten lässt – seine 90 PS müssen nur die halbe Maserati-Leermasse bewegen.

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Technische Daten: Maserati GranCabrio: V8, vorn längs • vier Ventile/Zylinder • Hubraum 4691 cm³ • Leistung 323 kW (440 PS) bei 7000/min • max. Drehmoment 490 Nm bei 4750/min • Sechsstufenautomatik • Hinterradantrieb • Reifen 245/35 R 20 Y v., 285/35 R 20 Y h. • L/B/H 4881/1915/1353 mm • Leergewicht 2055 kg • Kofferraum 173 l • Spitze 283 km/h • 0–100 km/h 5,3 s • Verbr. EU-Mix 15,2 l SP • CO2 354 g/km • Basispreis: 132.770 Euro

Technische Daten Mazda MX-5 (Baujahr 1996):
Vierzylinder, vorn längs • vier Ventile/Zylinder • Hubraum 1598 cm³ • Leistung 66 kW (90 PS) bei 6000/min • max. Drehmoment 129 Nm bei 4000/min • Fünfganggetriebe • Hinterradantrieb • Reifen 185/60 R 14 T • L/B/H 3975/1675/1230 mm • Leergewicht 980 kg • Kofferraum 135 l • Spitze 175 km/h • 0–100 km/h 10,6 s • Verbr. EU-Mix 8,4 l N • CO2 198 g/km • Basispreis: 36.950 DM • Marktwert: ca. 5000 Euro 
Die Wertung
Kategorie Maserati Mazda
Auffälligkeit ••••• ••
Sympathiewert ••• ••••
Fahrspaß ••••• •••••
Cabrio-Feeling ••• •••••
Motorsound ••••• •••
Cruising-Qualität •••• ••••
Alltagstauglichkeit ••• ••••
Fahrleistungen ••••• ••
Wirtschaftlichkeit ••••
Gesamt 34 33
••••• = Spitzenklasse, •••• = hoch, ••• = Durchschnitt, •• = mäßig, • = ganz schwach
Autor:

Wolfgang Blaube

Fazit

Mehr Cabrio als den guten alten MX-5 braucht kein Mensch. Womit die Kernfrage geklärt ist. Fairerweise sei dem stolzen Kontrahenten zugestanden: Mehr Maserati bietet kein Cabrio. Und das ist nicht nur wörtlich zu nehmen, sondern vor allem philosophisch.

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