Maserati GranTurismo S und Audi S5 im Vergleich

Maserati GranTurismo S und Audi S5 im Vergleich

— 24.08.2009

Wir trauen uns

Zwei echt heiße Kerle – begehrenswerter als diese beiden können Coupés kaum sein. Audi S5 und Maserati GranTurismo S werben mit V8 und Leistung, die für ein ganzes Leben reicht. Welcher sorgt für mehr Herzrasen?

Jetzt bläst er gerade den Hochzeitsmarsch. Nicht Wagner, nicht Mendelssohn Bartholdy, sondern ein ganzes Orchester spielt im Maserati "l'opera". Madonna, was für eine Komposition aus Höhen und Tiefen, die auf Knopfdruck weiter Fahrt aufnimmt. Sind diese Töne noch jugendfrei? Forte! Der geht aber ran. Nach Drücken der S-Taste steigert der Italiener sich von Höhepunkt zu Höhepunkt, die letzte klangzügelnde Klappe im Auspuff liegt entwaffnend flach. Wie eine Schleppe zieht der GranTurismo S den Ton-Teppich über die Straße. Breit und ausufernd, heiß und weiß – die letzte Versuchung des Automobilbaus, bevor in Zukunft Elektroautos surrend zur Vernunft erziehen. Gar nicht auszudenken, welche italienischen Klassiker den Kindern von morgen entgehen. Auf Platte, ähm iPod, gehört dieser Sound gespeichert. Als zeitgenössisches Dokument fürs neue Jahrtausend, als Beweis für die Existenz einer PS-starken Protestbewegung verdient es Platz eins bei der Google-Suche. Stichwort: Gegen Öko-Wahn! Gegen die Weltwirtschaftskrise! Gegen Konsumverweigerung!

Der schöne Italiener will mit weit über 100.000 Euro teuer bezahlt werden

Weiß, rassig, kostbar: Für den Maserati GT S werden satte 127.330 Euro fällig.

Ho, ho, ho, GranTurismo. Und wie sich der Maserati wehrt. Er sträubt sich, will nichts von Geldnot und Kreditklemme wissen und sackt von seinem Besitzer hemmungslos 127.330 Euro ein. Dafür stehen unter der lang gezogenen Haube acht Zylinder Spalier. Im Cockpit hüllt er den Fahrer in feinstes Handschuh-Leder, weiße Nähte zieren die Kanten. Als Mitgift schenkt er eine klassische Uhr fürs Armaturenbrett. Die zeigt zwölf Uhr, die Stunde der Wahrheit. Während in der Stadt Kirchenglocken läuten, spielt der GranTurismo außerhalb: Die Braut, die sich nicht traut. Avanti, avanti, auf was wartet der peperonischarfe Viersitzer in Bianco noch? Selten so eine jungfräuliche Autobahn gesehen wie die A7 an diesem lauwarmen Sonntag im August. Völlig frei legt sich der Abschnitt zwischen Hamburg und Hannover unter die temperierten 20-Zoll-Pirellis, bereit, mit Vollgas genommen zu werden. Mamma mia, was ist das? Seit der Rückkehr in den Automatikmodus hält das sequenzielle Cambiocorsa-Getriebe den 4,88 Meter langen Traum in Blech zwischen den Gängen gefangen. Bei jedem Wechsel nickt der Viersitzer wie ein Smart apathisch mit dem Kopf. Im Normalmodus fehlt dem Macho Stehvermögen.

Bei schnellem Geradeauslauf reagiert die Lenkung des GT etwas beschwipst

Etwas unruhig: Bei schneller Fahrt wirkt die Lenkung ein wenig "beschwipst".

Was sich schlagartig ändert, sobald MC-Shift ab 5500 Touren wirkt. Was für eine Wesensveränderung auf Knopfdruck. Dieses Auto hat zwei Gesichter: Im Sportmodus peitscht der GranTurismo knallhart die Gänge durch, prügelt den Zweitonner in 5,1 Sekunden auf Tempo 100. Das Grollen kehrt zurück durch ein filigranes Spiel der Auslassventile. Sauber intoniert der V8 das Intro für den darauf folgenden Hochzeitstanz. Tempo 200, der Italiener gerät ins Schwingen. Alle wippen mit: der Innenspiegel, das Lenkrad, unter dem Fuß vibriert das Gaspedal. Jetzt bloß nicht die Führung verlieren, denn die Lenkung arbeitet normalerweise zielgenau. Nur beim schnellen Geradeauslauf reagiert sie, na ja, beschwipst. Eins, zwei drei, rechts herum – mit Schwung tänzelt der Maserati runter von der Autobahn und schiebt mit ESP sicher über die Vorderräder. Drama, Baby, Drama – wo bleibt der sexy Po-Einsatz? Maserati fuhr doch früher gern heckbetont ... Auf städtischem Boden zeigt der Italiener, was er am besten beherrscht: eine bella figura machen. Dafür schminkten ihn die Designer mit schwarzen LED-Lidschatten und bügelten das Blech so elegant in Falten, dass man lieber vor ihm niederkniet statt einzusteigen.

Einen ähnlich großen Wurf schuf Audi mit dem S5. Ein Coupé von bestechender Brillanz, mit leidenschaftlicher Linie, kühl kalkuliert und mit 60.050 Euro weniger als halb so teuer im Vergleich zum Maserati. Als deutsches Coupé eilt ihm der Ruf als handfester Bayer voraus, dessen Marke vor mehr als 20 Jahren Tracht gegen teure Designerjeans eintauschte. Drum prüfe, wer sich ewig bindet – vielleicht ist der S5 die Sünde wert? Schaun mer mal. Der erste Körperkontakt mit dem Cockpit fühlt sich schon mal gut an. Weiches Leder, kühles Aluminium, die Sinne sind geschärft. Von außen muss der zweitürige Audi nicht überzeugen, die Linie des deutschen Granpurismo spricht für sich. Ähnlichkeiten mit dem Maserati sind beabsichtigt und keineswegs zufällig. Als völlig abtörnend erweist sich allerdings das Start-Prozedere. Schlüssel rein in den Schlitz im Armaturenbrett, dann beginnt die Belehrung: "Beim Einlegen einer Fahrstufe im Stand Fußbremse betätigen." Oje, was für eine Büroklammer versucht denn da verzweifelt einen Flirt?

In Sachen Leidenschaft muss sich Audi dem Maserati geschlagen geben

Nüchtern: Im Vergleich zum Maserati kommen beim S5 nur wenig Emotionen auf.

In der gleichen Zeit, in der der Audi im Display die Bedienungsanleitung runterbetet, singt der Maserati einem die Knie weich und legt vor der besten Osteria bereits die blauen Bremszangen an. Egal, jeder verdient eine zweite Chance, auch der S5. Vielleicht hilft es ihm, wenn er beim Vorspiel gekitzelt wird. Erogene Zonen? Fehlanzeige, den S5 steuert komplett ein Computerhirn. MMI heißt das zentrale Bedienkonzept traditionell bei Audi, das durch Menüs und Untermenüs führt. In der Car-Konfiguration nehmen Motor und Getriebe erst einmal "Dynamic" als Befehl entgegen, auch die Lenkung stellt sich auf eine sportliche Gangart ein. So viele (Ein-) Stellungen – da muss doch einfach was gehen, sonst: gute Nacht. Aha, der V8 klingt hellwach, der Schalthebel der Tiptronic rastet in D ein. Klack, jede Handbewegung an den Lenkradwippen klingt im Audi wie ein Takt. Nirgends knirscht billiges Plastik, so schöne Möbel gibt es sonst nur in Mailand zu kaufen.

Genug gefühlt, genug gefummelt. Gas. Beim Hochdrehen klingt das 353-PS-Aggregat kratzbürstig und weniger sonor. Unglaublich treu geht der S5 durch Kurven – selbst ohne ESP. Nichts wirft ihn dank quattro aus der Bahn. Hoffentlich auch nicht, dass ich mit ihm schnell Schluss machen muss. Mein Jawort gehört dem Maserati .
Technische Daten Maserati GranTurismo S Audi S5
Motor V8, vorn längs V8, vorn längs
Hubraum 4691 cm³ 4163 cm³
kW (PS) bei 1/min 323 (440)/7000 260 (353)/7000
Spitze 295 km/h 250 km/h
Verbrauch (Test) 17,5 l S/100 km 12,1 l S/100 km
Abgas CO2 (Test) 408 g/km 288 g/km
0–100 km/h 5,1 s 5,5 s
100–0 km/h (kalt/warm) 33,1/33,5 m 34,1/34,0 m
Kofferraum 260 l 455 l
Leergewicht/Zuladung 1928/322 kg 1740/435 kg
Abmessungen (L/B/H) 4881/1915/1353 mm 4635/1854/1369 mm
Preis 127.330 Euro 60.050 Euro
Margret Hucko

Margret Hucko

Fazit

Ich habe Ja gesagt – und zwar zum Maserati GranTurismo S. Mit seinem wohlklingenden V8 hat er es geschafft, mich um den Finger zu wickeln – Madonna, was spielt der Italiener für eine Sinfonia aus allen Rohren! Natürlich fährt er nicht perfekt, weder die Lenkung noch das Fahrwerk agieren so harmonisch wie bei Audi. Der S5 ist ein kleiner Maserati in Perfektion – also kein Maserati. Rational betrachtet, spricht alles für den Ingolstädter. Aber was ist schon Vernunft, wenn es um Liebe geht ...

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