Maserati Quattroporte von 1966 und 2005

Maserati Quattroporte Maserati Quattroporte

Maserati Quattroporte von 1966 und 2005

— 04.05.2005

Vier hoch zwei

Viertürer nennt man bei Maserati traditionell Quattroporte. Welch schlichter Begriff für rasende Familienkutschen. Ausritt mit 690 PS.

Die schnellste Limousine der 60er

Ganz zu Anfang der 60er war die Welt noch in Ordnung. Die Beatles sammelten im Hamburger Starclub erste Live-Erfahrungen ohne kreischende Fan-Kulisse, die Röcke waren züchtig lang, und sportliche Autos hatten zwei Türen. Alles sollte sich in diesem Jahrzehnt ändern, symbolische und reale Grenzen fallen. Bis zum Ende des Dezenniums würde sogar der Mond erreichbar geworden sein.

Auch in Italien brachten die Sechziger einschneidende Veränderungen: Die ersten Autobahnen wurden gebaut und leiteten eine starke ökonomische und soziale Entwicklung ein. Ein Produkt dieser Zeit war der 1963 auf der Motorshow in Turin vorgestellte Maserati Quattroporte. Abgeleitet vom Motor des 450 S, mit dem Juan Manuel Fangio und Stirling Moss Ende der 50er Renngeschichte schrieben, entwickelte der V8 des Maserati überragende Fahrleistungen in der geräumigen Karosserie einer schnittigen Limousine. Mit seinen über vier Litern Hubraum und einer Leistung von 260 PS waren die Quattroporte der ersten Serie mit einer Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h die schnellsten Limousinen ihrer Zeit. Der ab 1966 gebaute Nachfolger der Serie II brachte es gar auf 240 km/h und 290 PS.

Die Kombination von aus dem Rennsport abgeleiteter Technik, einem trotz der viertürigen Form eleganten Äußeren und luxuriösem Interieur kann sich auch heute noch sehen lassen. Betrachtet man den von Pietro Frua gestalteten Quattroporte von 1966 neben dem aktuellen Modell, fällt vor allem auf, wie grazil der Oldie trotz seiner Außenlänge von fünf Metern wirkt. Nimmt man im Innenraum Platz, wartet eine zweite Überraschung. Durch die großen Fensterflächen flutet die Sonne in den Innenraum und treibt ihre Lichtspiele mit den Chromumrandungen der Armaturen, setzt dem wunderbar schimmernden Holz Glanzlichter auf und läßt die Patina der schwarzen Ledersitze in schönster Nostalgie erstrahlen. Die Armada aus Uhren und Kippschaltern und das dünne Dreispeichenlenkrad verweisen auf den sportlichen Charakter des 66er Quattroporte, während das Platzangebot, das luftige Raumgefühl und die elektrischen Fensterheber rundum sowie die Klimaanlage keinen Zweifel daran lassen, daß man es hier mit einer luxuriösen Limousine zu tun hat.

Heiser bellt der V8, damals wie heute

Der von Pininfarina gezeichnete Quattroporte des Jahrgangs 2005 tritt weitaus massiger auf, obwohl auch er bei einer Außenlänge von 5052 Millimetern eine höchst elegante Erscheinung ist. Vor allem die nach unten abfallende Frontpartie mit dem gigantischen Kühlergrill, der von der Seite ein bißchen wie Billy Idols keß hochgezogene Oberlippe wirkt, und den vergleichsweise kleinen, bösartig funkelnden Scheinwerfern lassen keinen Zweifel zu: Hier kommt ein rassiger italienischer Sportwagen. Auch, wenn er vier Türen und fünf Sitzplätze hat.

Im Inneren des Maserati-Flaggschiffs herrscht purer Luxus vor. Üppiges, dick gepolstertes Leder mit fein verarbeiteten Nähten, auf Wunsch unbehandeltes Holz und ein gutes Platzangebot auch im Fond charakterisieren das Wesen einer Reiselimousine. Auch wenn Tacho und Drehzahlmesser das Lied der schnelleren Gangart andeuten.

Und das wird schon beim Anlassen des 400 PS starken Saugers zu einer hitverdächtigen Melodie. Sie beginnt mit dem dezent säuselnden Drehen des Anlassers, das jäh vom heiseren Aufbellen des V8 abgelöst wird. Schon im Stand reizt der Klang den Gasfuß zu kurzen Zuckungen, die vom zweiflutigen Doppelauspuff mit Gänsehaut erzeugender Soundkulisse beantwortet werden.

Wohldosiertes Zwischengas-Bellen

Im Gegensatz zu seinem Urahn von 1966 fehlt dem aktuellen Quattroporte ein konventioneller Schaltknauf, denn er wird sequentiell über zwei Paddel am Lenkrad geschaltet. Und anders als seine Vorgänger sitzt beim heutigen Quattroporte das Getriebe hinten (Transaxle), was zu einer idealeren Gewichtsverteiling von 47 Prozent vorn und 53 Prozent hinten führt und so für ein sportlicheres Handling sorgt.

Mit einem kurzen Heranziehen des rechten Schaltpaddels rastet der erste Gang ein und setzt die fast zwei Tonnen schwere Sportlimousine mühelos in Bewegung. Zwar verfügt das Getriebe auch über einen Automatik-Modus. Doch der ist in Sachen Schaltkomfort einer Wandlerautomatik unterlegen und nervt durch nicht standesgemäße Ruppigkeit. Also sollte der Quattroporte-Fahrer besser selbst Hand anlegen, was vor allem beim Runterschalten mit wohldosiertem Zwischengas-Bellen belohnt wird. Oder in der anderen Richtung mit einem nicht enden wollenden, von einer fanfarenartigen Geräuschkulisse begleiteten Vorwärtsschub, der in 5,2 Sekunden die 100-km/h-Marke passieren läßt und erst verebbt, wenn sich die Tachonadel jenseits der 270 einpendelt.

Anfang des 21. Jahrhunderts kommt dem Quattroporte eine wichtige Aufgabe zu. Er soll dazu beitragen, daß die traditonsreiche Marke weiter wächst. Bislang mit Erfolg: 335 Exemplare des großen Sportlers wurden im vergangenen Jahr in Deutschland verkauft, ein Zuwachs von 73,5 Prozent für Maserati. Damit ist wenigstens in Modena die Welt wieder ein bißchen in Ordnung.

Technische Daten im Überblick

Technische Daten Quattroporte • V8, vorn längs • 32 Ventile • Sechs-Gang, sequentiell • Hubraum 4244 cm³ • Leistung 294 kW/400 PS bei 7000/min • maximales Drehmoment 451 Nm bei 4500/min • Beschleunigung 0–100 km/h 5,2 Sekunden • Höchstgeschwindigkeit 275 km/h • Normverbrauch 18,9 Super Plus (l/100 km) • Leergewicht 1930 kg • Preis 103.100 Euro

Technische Daten Quattroporte I (107 A) • V8, vorn längs • 16 Ventile 16 • 5-Gang-Schaltgetriebe • Hubraum 4719 cm³ • Leistung 213 kW/290 PS bei 5500/min • maximales Drehmoment 420 Nm bei 3800/min • Beschleunigung 0–100 km/h 7,0 Sekunden • Höchstgeschwindigkeit 240 km/h • Normverbrauch k. A. • Leergewicht 1860 kg • Preis 1966 rund 65.000 DM

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