Maserati: Tuning-Test

Novitec GranTurismo Novitec Quattroporte Novitec GranTurismo Novitec Quattroporte

Maserati: Tuning-Test

— 13.10.2010

Zwei wie Pech und Schwefel

Dieses Duo gehört zusammen: Novitec veredelt nicht nur das Coupé von Maserati, sondern auch die Limousine. Mit jeweils rund 600 PS haben GranTurismo und Quattroporte endlich die Leistung, die sie brauchen.

Maserati-Fahrer haben's bisweilen schwer. Wer einen als Dienstwagen benutzt, kann sogar seinen Job verlieren. Harald Ehlert, kürzlich abgesägter Geschäftsführer der Berliner Obdachlosenfürsorge "Treberhilfe", kann ein Lied davon singen. Eigentlich unverständlich: Die Autos sind nur ein wenig teurer als vergleichbare Mercedes oder Porsche, haben nicht übertrieben viel Leistung und fallen zwar auf, aber deutlich weniger aus dem Rahmen als etwa ein Ferrari. Würde es sich bei dem beanstandeten Maserati um einen Novitec-Umbau handeln, wäre der Dienstwageneklat eher nachvollziehbar. Der Allgäuer Tuner dreht nämlich an allen relevanten Stellschrauben: Preis, Leistung, Optik. Wobei die Allgäuer in letztem Punkt Zurückhaltung walten lassen – und die Außenhülle nur unwesentlich verfremden.

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Bleibt angenehm dezent: Novitec lässt dem Quattroporte seine Serienoptik.

Der GranTurismo bekommt immerhin ein komplettes Bodykit, der Quattroporte lediglich einen Karbon-Heckbürzel. Novitec-Pressechef Dirk Mörsdorf klärt uns auf: "Maserati-Fahrer wollen gefallen – nicht auffallen. Wildem Flügelwerk stehen sie ablehnend gegenüber." Mehr Leistung hingegen wird immer gern genommen. Nachdem sogar Mitbewerber Jaguar über einen bulligen 510-PS-Kompressormotor verfügt, tun sich die Maserati-Werksautos schwer, den Anschluss nicht zu verlieren. Das Wirken Novitecs scheint also nicht lässlich, sondern geradezu zwingend. Der Tuner setzt wie gehabt auf ein Kompressorkit. Diese ausgereifte Technik wendet er in Grundzügen bereits in etlichen Ferrari-Modellen an. Ein kompletter Technologietransfer zur Marke mit dem Dreizack ist jedoch zu aufwendig: "600 PS waren das Ziel – nicht 700 wie bei unseren Ferrari. Wir beschränken uns deshalb auf einen Rotrex-Kompressor – statt zwei. Zudem überarbeiten wir den Ansaugtrakt und installieren einen wassergekühlten Ladeluftkühler samt Wasserkühler und kräftigerer Wasserpumpe."

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Asphaltrakete: Nach der Kraftkur rennt der GranTurismo über 300 km/h.

600 PS leistet das Aggregat im GranTurismo, 590 PS im Quattroporte – statt serienmäßiger 440 PS. 0 auf 200 km/h dauern im Originaltrimm gemessene 17,2 Sekunden mit dem Coupé und 18,7 Sekunden mit der Limo. Novitec verspricht beachtliche 14,4 und 14,9 Sekunden. Damit lägen beide auf Bentley-Niveau – der Continental GT Speed benötigt gemessene 14,9 Sekunden, der Flying Spur Speed 15,1. Die Topspeed steigt im GranTurismo von 295 auf 310, im Quattroporte von 285 auf 295 km/h. Wir schnappen uns die Limousine. Die trompetet fröhlich los und schiebt ordentlich an. Die Automatik sortiert entschlossen die Gänge und gibt sich Mühe, dem Fahrer jeden Wunsch vom Gasfuß abzulesen. Parallelen zu AMG-Modellen drängen sich auf. Zwar schüttelt der Kompressor-Maserati seine Leistung nicht ganz so lässig aus dem Ärmel wie heiße Tuningware auf AMG-Basis zu seligen Kompressor-V8-Zeiten. Viel fehlt auf die Referenzmodelle aber nicht.

Der GranTurismo ist von anderem Schlag. Er wirkt nervöser, unruhiger, hitziger. Seine sequenzielle Schaltung erweist sich beim Rangieren und im Stadtbetrieb als Zumutung; den Automatikmodus kann man schlicht vergessen. Bei forcierter Gangart über Land spielt das Auto hingegen seine Vorzüge aus. Sobald der Motor laut röhrend ausdrehen darf, zeigt er sein wahres Wesen, rennt kraftstrotzend in den Begrenzer, quittiert Runterschalten mit brünstigen Zwischengas-Schreien, ermöglicht spontane Überholmanöver auf engstem Raum – jederzeit. Einen räudigen Wolf hat Novitec auch hier ganz bewusst nicht herangezüchtet – eher einen gut abgerichteten Haushund mit imposantem Stammbaum. Der beißt bei Bedarf zwar unbarmherzig zu, vergisst aber niemals seine Herkunft.

Beide Maserati fahren sich auch nach dem Eingriff wie Serienmodelle

Ganz nah an der Serie: Novitec hat die Kompessor-Kits perfekt angepasst.

Bei beiden Autos beeindruckt uns wieder einmal, wie perfekt Novitec die Kompressor-Kits anpasst und wie nachträgliche Aufladung und Fahrbarkeit einträchtig Hand in Hand gehen. Wer nicht weiß, dass hier ein Veredler seine Duftmarke hinterlassen hat, wäre sicher, ein Serienauto zu fahren. Zumal keine einzige blinkende Warnleuchte, kein unbeholfener Verschlucker und kein lautstark heulender Kompressor die Freude schmälern. Natürlich passt Novitec das Fahrwerk der gestiegenen Leistung an: Ein Gewindefahrwerk steigert die Kurvengier des Duos. Dem GranTurismo hilft zudem eine um 40 Millimeter regulierbare Liftfunktion an der Vorderachse, die Spoilerlippe frei von Schürfwunden zu halten. Das Coupé liegt satt, aber nicht allzu verwindungssteif auf der Straße und läuft tadellos geradeaus. Ein richtiger Supersportler ist der große und schwere Italiener indes nicht; ein durchtrainierter Hobbyathlet aber durchaus – mit dem der Pilot auf der Rennstrecke ohne Weiteres ein Tänzchen wagen darf.

Im Gegensatz zum auf der gleichen Plattform aufbauenden Coupé muss der Quattroporte seit der Umstellung auf Automatik ohne Transaxle auskommen – was zu einer ungünstigeren Gewichtsverteilung führt. In kurvigem Terrain verliert er daher an Boden, ohne für sich genommen behäbig zu wirken. Die Serienbremse sähen wir jedoch gern durch eine üppigere Anlage ersetzt – sie wirkt beim Anbremsen aus hohen Geschwindigkeiten überfordert. Bei der Preisgestaltung kommen wir nicht umhin, kräftig zu schlucken: Die Autos kosten mal eben zwischen 170.000 und 180.000 Euro – pro Stück. Wir würden uns dennoch beide Exemplare zulegen. Aber nur als Dienstwagen – das damit einhergehende Risiko nähmen wir in Kauf.
Fahrzeugdaten* Novitec GranTurismo Novitec Quattroporte
Motor V8, Kompressor V8, Kompressor
Einbaulage Mitte vorn längs Mitte vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/4
Hubraum 4691 cm³ 4691 cm³
kW (PS) bei 1/min 441 (600)/7300 434 (590)/7300
Literleistung 128 PS/l 126 PS/l
Nm bei 1/min 588/5400 572/5400
Antriebsart Hinterrad Hinterrad
Getriebe 6-Gang sequenziell 6-Stufen-Automatik
Bremsen vorn 360 mm/innenbel./gelocht 360 mm/innenbel./gelocht
Bremsen hinten 330 mm/innenbel./gelocht 330 mm/innenbel./gelocht
Radgröße vorn – hinten 9 x 20 – 12,5 x 21 9 x 21 – 11 x 21
Reifen vorn – hinten 275/30 R 20 – 355/25 R 21 255/30 R 21 - 295/30 R 21
Reifentyp Pirelli P Zero Pirelli P Zero
Länge/Breite/Höhe 4881/1915/1323 mm 5097/1895/1403 mm
Radstand 2942 mm 3064 mm
Leergewicht/Zuladung 1905/345 kg 2015/385 kg
Leistungsgewicht 3,2 kg/PS 3,4 kg/PS
Tankvolumen 86 l 90 l
Verbrauch Ø auf 100 km ca. 17,5 l Super Plus ca. 16,9 l Super Plus
Beschleunigung
0–100 km/h 4,4 s 4,7 s
0–200 km/h 14,4 s 14,9 s
Vmax 310 km/h 295 km/h
Preis 177.949 Euro 170.745 Euro
*Herstellerangaben
Ben Arnold

Ben Arnold

Fazit

Was für ein Duo: praller Schub, toller Klang, rassige Formensprache. Die beiden Maserati lassen uns mit der Zunge schnalzen. Tuner Novitec gebührt viel mehr als ein warmer Händedruck: Kaum ein Veredler vermag Kompressorumbauten von derartiger Perfektion anzubieten.

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