Mattias Ekström hautnah

Mattias Ekström bei der Rallye-WM Mattias Ekström bei der Rallye-WM

Mattias Ekström hautnah

— 15.02.2005

"Rallyes sind das Größte"

ABM-Reporter Christian Schön beobachtete DTM-Meister Mattias Ekström bei seinem Debüt im Skoda-Werksteam in Schweden.

DTM-Champ mischt die Szene auf

Von wegen Rundstreckenfahrer sind Weicheier, die es mit der Angst zu tun bekommen, wenn sie nicht blitzsauberen Asphalt unter den Rädern und meilenweite Sturzräume ums Cockpit herum haben. Mattias Ekström, amtierender DTM-Champion und einer der schnellsten Tourenwagen-Piloten der Welt, fühlt sich auf der Rallyepiste mindestens genauso wohl.

Mit Tempo 200 über vereiste Pisten durch den zugeschneiten Wald, wo Bäume und Steine direkt neben der Piste lauern? Für den 26jährigen Audi-Werkspiloten ein Riesenspaß. Am Steuer eines gemeinsam mit einer Handvoll Kumpels selbst aufgebauten Mitsubishi Lancer hatte er schon mehrfach die etablierte Szene aufgemischt. 2004 gewann er bei der WM-Rallye Schweden gegen die WM-Elite die seriennahe Gruppe N, im Oktober 2004 beim WM-Lauf in Spanien – diesmal ohne große Konkurrenz – erneut.

Beim zweiten WM-Lauf der Saison 2005, wieder in seiner Heimat Schweden, startete Ekström zum ersten Mal im Skoda-Werksteam. Als hätte er nie etwas anderes getan, geigte er im Konzert der WM-Stars mit, fuhr bei der wahrscheinlich bestbesetzten WM-Rallye des Jahres (22 World Rally Cars am Start) Zeiten im Bereich der Top Ten. Bis ihn ein Defekt der Servolenkung einbremste, war der hagere Blonde bestplazierter Skoda-Pilot. Durch den Lenkungsdefekt am Fabia landete Ekström zwar nur auf Rang zehn und damit nicht ganz so weit vorn, wie von so manchem Skoda-Mitarbeiter insgeheim erhofft.

Daß er meist schneller war als seine routinierten Teamkollegen Jani Paasonen und Janne Tuohino, spricht für das Allround-Talent des Gaststarters. Einen Seitenhieb gegen die neuen Kollegen kann sich Ekström schon nach wenigen Kilometern nicht verkneifen. "Ich habe nicht das geringste Problem mit HANS", kritisiert er Beschwerden anderer Werkspiloten, die mit dem gerade in der Rallye-WM eingeführten Sicherheitssystem (head and neck support) nicht zurechtkommen. Von der Rundstrecke ist Ekström das HANS-System seit Jahren gewohnt. "Die Rallyefahrer müssen nur lernen, damit richtig umzugehen."

"Rallye mental anspruchsvoller"

Ekström hat seinerseits vom Rallyesport gelernt, auch bei DTM-Rennen mit höherer Präzision ans Werk zu gehen. "Wenn ich mit meinem DTM-Audi einen halben Meter von der Ideallinie abweiche, verhunze ich meine Rundenzeit. Wenn ich bei der Rallye Schweden einen halben Meter zu weit rechts über eine Vollgas-Kuppe fliege, landet der Skoda im Wald. Und zwar ziemlich weit im Wald." Mattias Ekström stuft den Rallyesport daher auch als mental anspruchsvoller ein als Rundstreckenrennen: "Du mußt jede Sekunde voll konzentriert sein. DTM-Rennen sind allerdings körperlich anstrengender, man braucht mehr Kraft in den Armen und im Oberkörper."

Erstaunlich leicht fiel dem DTM-Champ die Integration in ein Werksteam in der Rallye-WM. "Mattias hat schon beim Testen einen guten Job gemacht", lobt Skoda-Chefingenieur Dietmar Metrich, "er hat Veränderungen an Fahrwerk und Antrieb präzise analysiert."

Die Unterschiede zwischen DTM-Audi-A4 und Skoda Fabia WRC (World Rally Car) irritierten Ekström nie: "Ich weiß genau, wie ich mein Auto haben möchte, nämlich so neutral wie möglich. Was dazu an der Elektronik, den Stoßdämpfern oder den Federn verändert werden muß, ist Sache der Ingenieure. Egal ob DTM oder Rallye-WM."

Nur kurze Zeit benötigte er auch, um sich vom seriennahen Mitsubishi auf das World Rally Car umzustellen. "Der Fabia ist zwar schneller als mein Lancer, aber einfacher zu fahren. Der Motor ist stärker, die Bremsen besser, das Fahrverhalten sogar um Welten besser."

Ekström übernahm der Einfachheit halber den Aufschrieb, den er zusammen mit Beifahrer Stefan Bergman in den letzten Jahren in Schweden erstellt hatte. "Damit hatten wir nur ein Problem", berichtet Ekström. "Eine Bodensenke, die mit dem Mitsubishi voll geht, hätte ich mit dem schnelleren Skoda besser angebremst. Wir sind fast abgeflogen."

Rund 500 Trainings-Kilometer

Keine Probleme hatte der Schwede dagegen damit, bei der Skoda-Premiere gleich als Punktelieferant für die Marken-WM nominiert zu sein. Die Teamleitung hatte Armin Schwarz nach seinem Unfall bei der Rallye Monte Carlo (Schulter ausgekugelt) eine Genesungspause verordnet und stattdessen Neuling Ekström ins Rennen geschickt. "Ich bin Leistungsdruck gewohnt", meint der lässig, "das belastet mich überhaupt nicht." Zwei Punkte für die Marken-WM sind das vorläufige Endergebnis einer Erfolgsstory, die im Sommer 2004 mit einer Testfahrt als PR-Gag vor der Deutschland-Rallye begann und auf ständiges Drängeln Ekströms in diesen Werkseinsatz ausuferte.

Die Chance, den wegen seiner jugendlichen Unbekümmertheit bei Fans und Medien äußerst beliebten Ekström in sein Team zu integrieren, konnte sich Skoda-Sportchef Martin Mühlmeier einfach nicht entgehen lassen. Zumal der bei der VW-Konzernschwester Audi unter Vertrag stehende DTM-Champ mit seinem Sponsor Red Bull auch noch einen Budget-entlastenden Partner mitbrachte.

Ekström wäre nicht Ekström, wenn er die Sache nicht mit professioneller Akribie angegangen wäre. "Ich habe rund 300 km auf verschneiten Pisten in Finnland getestet", sagt er. Und: "Dazu kamen noch einmal rund 200 km auf Eis und Schotter in Schweden, als klar war, daß die WM-Rallye bei wenig Schnee stattfinden wird"

Zum abschließenden Test startete Mattias Ekström mit seinem neuen Arbeitsgerät bei einer lokalen Rallye. Er hätte nach 60 WP-Kilometern klar gewonnen, stellte den Fabia aber kurz vorm Ziel freiwillig ab. "Ich wollte nicht in die Meisterschaft eingreifen", begründet Sportsmann Ekström. Daß er dabei die Chance auf seinen ersten Rallye-Gesamtsieg verpaßte, läßt ihn kalt. "Es waren keine echten Gegner am Start, ein Sieg hätte mir absolut nichts bedeutet."

Ohne Freundin Tina auf die Piste

Überraschenderweise verzichtet Ekström bei seinen Rallyestarts auf die Hilfe von Lebensgefährtin Tina Thörner, einer erfahrenen Ex-Profi-Copilotin. "Ist besser für den Familienfrieden, wenn wir nicht gemeinsam im Rallyeauto sitzen", frotzelte Thörner, die eine Auto-Sendung fürs schwedische Fernsehen moderiert. Ganz wohl fühlt sie sich als Beobachterin aber nicht. "Ich mache mir bei einer Rallye mehr Sorgen um Mattias als bei einem DTM-Rennen, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie gefährlich eine Rallye ist."

Diesmal war die quirlige Schwedin aber hautnah dabei – inklusive Hund Moss. Das Paar hat den Jack-Russell-Terrier nach den britischen Geschwistern Pat (Rallyefahrerin) und Stirling (Formel-1-Pilot) Moss benannt. Beim Shakedown zur Rallye Schweden, der Test-WP vor dem Start, schnallte sich Thörner sogar für eine Runde neben ihrem Liebsten fest.

Trotz seines Spaßes am Rallyeausflug gilt Ekströms Konzentration weiter ganz der DTM. "Ich will unbedingt meinen Titel verteidigen", kündigt er selbstbewußt an. "Im Herbst würde ich dann gern mal eine Asphalt-Rallye für Skoda fahren."

Ein Wechsel ins Rallye-Metier scheint programmiert. Und was ist mit der Formel 1, dem Traum jedes Rundstrecken-Piloten? Nicht für Mattias Ekström. "Vergiß die Formel 1. Rallyes sind das Größte."

Mattias Ekström im Kurzporträt

Mattias Ekström im KurzporträtName: Mattias Ekström • Geboren: 14. Juli 1978 • Geburtsort: Falun (Schweden) • Wohnort: Krylbo (Schweden) • Nationalität: Schwede • Familienstand: ledig, Freundin Tina Thörner • Erlernter Beruf: Rennfahrer • Hobbys: Kartfahren, Jetski, GolfHomepage: www.mattiasekstrom.se

Karriere Auf der Kartbahn begann 1993 Mattias Ekströms Motorsport-Karriere. Bereits ein Jahr später absolvierte er ein erstes Tourenwagen-Rennen im schwedischen Renault-5-Cup; 1995 wurde er in diesem Rennen Zweiter, 1996 landete er sogar ganz oben auf dem Treppchen. Im Audi A4 quattro fuhr Ekström 1999 den schwedischen TW-Meistertitel ein, im Volvo schaffte er es im Folgejahr auf den dritten Platz.

2001 startete Ekström erstmals in der DTM. Mit seinem Abt-Audi TT-R landete er auf dem 8. Rang, 2002 fuhr er bereits einmal ganz nach vorne und wurde Gesamt-Dritter. 2003 schrammte der Schwede – immer noch im Abt-Audi – knapp am Podest vorbei (4. Platz). Den Durchbruch schaffte der 26jährige im vergangenen Jahr, als er im Abt-Audi DTM-Champ und im Mitsubishi Lancer Sieger der schwedischen Gruppe-N-Rallye wurde.

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