Maybach Xenatec Coupé: Fahrbericht

Maybach Xenatec Coupé Maybach Xenatec Coupé

Maybach Xenatec Coupé: Fahrbericht

— 06.12.2010

Drei Tonnen Luxus fürs Morgenland

Karosseriebauer Xenatec verwandelt den protzigen Maybach in ein opulentes Luxuscoupé. 200 Stück pro Jahr wollen die Schwaben bauen. So fährt sich das 675.000-Euro-Coupé!

Maybach siecht dahin, ist als Marke so out wie die schwülstig verpackte alte S-Klasse-Technik. Mit geschätzt 200 Autos pro Jahr gleiten die mindestens 5,70 Meter langen Viertürer still und unbeachtet in den absoluten Exotenstatus. Die Geschäfte gehen schlecht, aber sie würden noch viel schlechter gehen, hätten nicht der frühere Maybach-Chef Leon Hustinx und sein Kompagnon Peter Mähling auf einen Schlag 60 Autos bestellt – um daraus Coupés zu bauen. Der sichere Weg zum wirtschaftlichen Selbstmord? Oder eine Lizenz zum Gelddrucken?

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Die Silhouette des Xenatec Coupés: Dach und hintere Türen des Maybach wurden komplett umgebaut.

Wenn die Rechnung aufgeht, steht die Karosserie-Manufaktur Weinsberg – die zu Xenatec gehört – vor einer vielversprechenden Zukunft. Denn die Gewinnmarge zwischen dem Discount-Preis ab Maybach-Werk und dem Netto-Coupé-Tarif von über 675.000 Euro kann sich vermutlich sehen lassen – trotz der Umbauten an Dach, Seitenteilen und Türen. Innen fallen die neuen Sitze mit integrierter Gurtführung auf. Die Stoßfänger hat Fredrik Burchhardt stilvoll umgestaltet, der Mann hat ja auch Erfahrung: Schon das von Fulda gesponserte Maybach-Exelero-Einzelstück stammte von ihm.

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Wenn die Saudis durchdrehen, erleben die serienmäßigen 20-Zöller an der Hinterachse
ihr blaues Wunder.

Trotz des relativ dezenten LED-Tagfahrlichts und des eleganten Dachbogens wirkt der 2,7-Tonner wie ein auf Hochglanz polierter Fels in der Brandung. So fährt er sich auch: Wendekreis 13,4 Meter, Länge 5,73 Meter, gefühlte Breite: besser Vollkasko nehmen. So archaisch wie der Stil ist die Elektronik-Architektur von 1998. Der Digitaltacho und die postgelbe Comand-Oberfläche erinnern an eine Zeit, als Modern Talking ihr x-tes Comeback versuchten und Mr. Clinton seine Affäre mit Miss Lewinsky begann. Dort, wo es drauf ankommt, hat Xenatec ganze Arbeit geleistet. Die aufgeschnittene und wieder zusammengeschweißte Karosserie ist mindestens so verwindungsfest wie die Tower Bridge, die Qualität der Blecharbeiten erinnert an Fort Knox, die neuen Scheiben passen millimetergenau und verzerren nicht.

Im Cockpit dominieren dunkles Handschuhleder, hochflorige Teppiche und schwarzer Klavierlack. Wo Maybach Top-Vorarbeit geleistet hat, knüpfen die Weinsberger Kleinserienbauer nahtlos an. Bei manchen Details – Embleme, Einstiegsleisten, Schriftzüge – hätten sie sich allerdings noch mehr Mühe geben können. Liebhaberautos gehören zu den besonders rasch verderblichen Luxusgütern: Was heute in ist, kann schon morgen total out sein. Deshalb muss Xenatec die Fertigung möglichst schnell hochfahren und die bestellten 60 Autos fristgerecht nach Saudi-Arabien liefern. Zu diesem Zweck soll der Takt von fünf auf zehn Fahrzeuge pro Monat verdoppelt werden. Im Idealfall lassen sich auf diese Weise bis Mitte 2012 knapp 200 Coupés losschlagen, die übrigens nicht mehr Maybach heißen dürfen. Damit das Werk in Weinsberg keinen Durchhänger fürchten muss, kümmert sich das Management bereits um ein geeignetes Nachfolgeprojekt.

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Im Cockpit dominieren dunkles Handschuhleder, hochflorige Teppiche und schwarzer Klavierlack.

Bis es so weit ist, will man dem Morgenland möglichst viele XXXL-Coupés bescheren – am besten mit teuren Extras wie 21-Zoll-Rädern, Glasdach, Zweifarben-Lackierung, spezieller Leder- und Holzausstattung oder gar leistungsgesteigertem Motor. Für einen publikumswirksamen Burn-out reichen die serienmäßigen 630 PS, zumal sich das ESP komplett abschalten lässt. Mit dem Messer zwischen den Zähnen haben wir im dunklen Mantel-und-Degen-Viersitzer schon mal einen neuen Parkhaus-Temporekord aufgestellt: von der Einfahrtschranke bis aufs Oberdeck in 56 Sekunden, und das ganz ohne Kollateralschäden an Mensch, Maschine und Monumentalbauwerk.

Autor: Georg Kacher

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