Mayr Toyota LandCruiser HZJ 78 Turbo

— 25.03.2002

Mehr Dampf in der Savanne

150 statt serienmäßiger 130 PS. Mayr-Tuning bringt Turbokraft in den Afrika-LandCruiser von Toyota.



Turbokraft für Heavy-Duty-Fans

Schade, schade. Vorbei, vorbei. Gerade mal eineinhalb Jahre lang bot Toyota Deutschland den Heavy-Duty-LandCruiser über seine Vertragshändler an; inzwischen ist Schluss. Toyota war zwar überrascht von der Resonanz und dem Interesse an dem eigentlich über 15 Jahre alten Auto. Trotzdem, ein echter Verkaufserfolg war der HZJ-LandCruiser bis zuletzt nicht, als der Europaimport Ende 2001 komplett eingestellt wurde.

Es gibt eben nicht so viele Leute, die den Errungenschaften modernen Automobilbaus so kritisch gegenüberstehen, dass sie bei einem 50.000-Mark-Auto wirklich auf Airbags, ESP, Fensterheber, Turbolader und Motorelektronik verzichten wollen. Die überzeugten Elektronik-Skeptiker griffen dagegen beherzt zu. Servolenkung, Heckwischer und eine ordentliche Heizung befriedigten das Komfortbedürfnis dieser Menschen ausreichend. Dennoch gibt es auch unter den Heavy-Duty-Fans eine Fraktion, die in einem Punkt mehr will - nämlich mehr Motorleistung.

Klar, man ist heutzutage den künstlichen Bumms moderner Turbodieselmotoren schon so gewohnt, dass viele Leute glauben, jeder Dieselmotor sei grundsätzlich besonders drehmomentstark. Das ist natürlich Unsinn, denn in Wahrheit sind die Selbstzünder nach wie vor lahme Hunde. Nur zwei Dinge können den an sich trägen Diesel trotzdem zur Kraft-Maschine werden lassen: entweder viel Hubraum oder ein bis zwei Turbolader.

Getunter Wirbelkammerdiesel

Aus Haltbarkeitsgründen entschied sich Toyota beim Dritte-Welt-LandCruiser für einen soliden Saugdiesel mit viel Hubraum. Ein dicker klassischer Reihensechszylinder mit satten 4,2 Liter Zylinderinhalt bringt ohne jede Hektik 130 PS zustande, die subjektiv bei nahezu jeder Drehzahl parat stehen. Endlich ein Diesel mit Kraft, aber ohne Turboloch.

Und doch gibt es Leute, denen das nicht reicht. Unendliche Lebens- dauer ist recht und schön, aber es zählt das Hier und Jetzt. Der bayrische Toyota-Spezialist Mayr- Tuning (Telefon 0 84 33-80 59) erschuf für die Leistungshungrigen unter den HZJ-Fahrern eine Turboversion des Wirbelkammerdiesels. Eigentlich eine seltsame Idee, denn auf diese Weise bestückt man den als Simpelauto gedachten HZJ quasi durch die Hintertür mit unnötiger Technik wie Turbolader, Ladeluftkühlung mit elektrischem Wasserumlauf und Regeltechnik. Aber die Nachfrage der HZJ-Besitzer ist nun mal da. Die Messwerte überzeugen schon auf den ersten Blick davon, dass Toyota-Händler Gotthard Mayr sein Tuninghandwerk versteht.

Das offizielle Datenblatt der abnehmenden TÜV-Prüfstelle weist zwar nur bescheidene 20 PS Mehr-Leistung aus (150 statt 130 PS), die Ergebnisse der Fahrleistungsmessungen entlarven diese Angabe aber als augenzwinkernde Tiefstapelei: von null auf Tempo 100 in 14,2 statt 19,0 Sekunden; das sind Welten. Auf 140 km/h treibt der fauchende Turbomotor den 2,06 Meter hohen HZJ 78 in nur 31 Sekunden statt serienmäßiger 48,6. Damit distanziert der Mayr-Toyota den nominell 158 PS starken Nissan Patrol GR 3.0 Di deutlich, der für Tempo 140 immerhin 37,8 Sekunden braucht.

Abwürgen ist fast unmöglich

Mehr noch als die kräftige Beschleunigung im mittleren Geschwindigkeitsbereich überrascht das gute Ansprechverhalten der Mayr-Maschine. Die erbärmliche Anfahrschwäche moderner Turbodieselautos bleibt beim getunten Toyota aus. Selbst bei deutlich unter 1000 Touren setzt sich der Turbo-HZJ nach dem Tritt aufs Gaspedal entschlossen in Bewegung. Und praktisch ohne jedes Turboloch. Abwürgen ist so gut wie unmöglich. 4,2 Liter Hubraum sind eben 4,2 Liter Hubraum.

Bei der Endgeschwindigkeit kann der Turbo allerdings nur wenig bringen. Die Zusatzkraft verpufft bei Höchsttempo in der zu kurzen Gesamtübersetzung. 4200 Touren ringt sich der große Diesel auf der Ebene ab, wo doch die Maximalleistung schon bei 3800 Touren anliegt; das ergibt echte 156 km/h gegenüber den 150 km/h des Serienfahrzeugs.

Erst größere Räder, die Bodenfreiheit bringen und gleichzeitig die Gesamtübersetzung verlängern, bringen den HZJ über echte 160 km/h. Der Toyota-Guru bietet diese größeren Räder an: 235/80 R 16 auf 6,5x16-Stahlfelgen im stilvollen Original-Look, aber bündig mit den Kotflügeln abschließend und ohne Verbreiterungszwang. Wer richtig dicke Socken will, kann 275/70 R 16 auf 8x16-Felgen bestellen, aber dann sind Kotflügelverbreiterungen unumgänglich. Für weitere Sonderwünsche hat Mayr stets ein offenes Ohr.

Stadt-Amateur mit schlechten Bremsen

Zum Tempomachen eignet sich der Turbo-HZJ auch mit großen Rädern nicht. Die ABS-losen Bremsen mit mäßiger Wirkung erfordern vorausschauendes Fahren und viel Abstand zum Vordermann.

Spurtreue bei Panikbremsungen auf der Autobahn ist nicht die starke Seite dieses Vehikels, das gebaut wurde, um mindestens 30 Jahre lang Menschen und Material zuverlässig über Schotterpisten zu transportieren. Auch abrupte Lenkmanöver sollte man tunlichst unterlassen, denn mit griffigen Reifen kann der hohe Toyota bei schnellen Ausweichmanövern blitzartig mit den kurveninneren Rädern abheben.

Es braucht einen hellwachen Könner an der indirekten Lenkung und viel Spielraum auf der Straße, um den taumelnden LandCruiser wieder auf alle vier Räder zurückzuholen. Schon deshalb empfiehlt sich eine gelassene Gangart. Die passt auch besser zum HZJ 78. Der Dritte-Welt-Toyota versteht sich als unermüdliches Langstrecken-Kamel und nicht als kurzatmige Sprint-Gazelle.

Preise und Kosten

Zurückhaltende Fahrweise belohnt der Mayr-Turbo denn auch mit maßvollem Dieselkonsum. Bis zu Tempo 110 liegt der Verbrauch sogar ein bis zwei Liter unter dem Serienmotor. Bei Vollgas rauschen dafür bis zu 21 Liter Dieselöl pro 100 Kilometer durch die Einspritzdüsen. Im Schnitt kamen wir auf 13,4 Liter/100 km. Kein Sparmobil also. Er rechnet sich erst in der Gesamtkalkulation durch die lange Lebensdauer und ist deshalb kein Auto für Leasing- und Wegwerffans.

Messwerte/Fahrleistungen: Serie Tuning
0-100 km/h 19,0 s 14,2 s
0-140 km/h 48,6 s 31,0 s
60-100 km/h (im 4. Gang) 12,6 s 9,6 s
80-120 km/h (im 5. Gang) 19,0 s 12,9 s
Höchstgeschwindigkeit 150 km/h 156 km/h
Bremsweg aus 100 km/h 50,7 m 50,5 m
Testverbrauch min/max (l/100 km) 10,6/18,3 l 8,7/21,0 l
Testverbrauch (l/100 km) 12,4 l Diesel 13,4 l Diesel

Fazit und Technische Daten

Fazit Turbolader und Ladeluftkühler im Buschtaxi - Puristen und Afrikafans mögen den Kopf schütteln. Aber die Messwerte überzeugen. Der gekonnt abgestimmte Treibsatz von Mayr-Tuning bringt viel Fahrfreude auf der Straße. Der Verbrauch steigt im Testdurchschnitt nur um einen Liter/100 km an.



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