Mazda 323 (1994-1998)

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Mazda 323 (1994-1998)

— 25.02.2002

Mazdas Musterschüler

Streber haben gute Noten, aber kaum Freunde und sind langweilig. Beim Mazda 323F ist das anders.

Karosserie und Motor

Klassenbeste haben ein Problem: Gute Noten in der Technik, doch das Image des optischen Langweilers haftet an ihnen wie die Fliege am Honig. Der Mazda 323 (Typ BA) ist so ein Klassenprimus: Im Straßenbild der unauffällige Diener, aber beim TÜV die große Nummer. Mehr als drei Viertel der nach drei Jahren erstmals zur Hauptuntersuchung antretenden 323 meistern diese Prüfung ohne Mängel - im Durchschnitt sind es weniger als 70 Prozent. Zu den großen Mazda-Stärken gehören die Radaufhängungen. Verschleiß daran ist unbekannt, die Spurstangen sind weit überdimensioniert, und erst nach astronomischen Laufleistungen können die Stabilisatorgummis porös werden.

Auch die Fußbremse ist überdurchschnittlich solide, die wenigen Mängelprozente haben ihre Ursache in verschmutzten und deshalb schief ziehenden hinteren Trommelbremsen – Reinigen stellt die Wirkung problemlos wieder her. Nicht so einfach lassen sich defekte Zylinderkopfdichtungen flicken: Speziell die 1,9-Liter haben einen Hang zu Wasserleckagen, die dann die Dichtung ruinieren oder gleich den ganzen Zylinderkopf. Der regelmäßige Check des Kühlwassers ist beim 323 Pflicht. Genauso die Ölstandskontrolle – rund einen Viertelliter Öl gönnen sich die Motoren pro tausend Kilometer. Dafür verlieren sie so gut wie nie welches, äußerlich sind die Triebwerke immer trocken. So staubtrocken, dass in Einzelfällen sogar mal die Ölwanne durchrosten kann.

Fahrwerk und Technik

Dabei spielt Rost sonst kaum eine Rolle: Sämtliche Bleche sind ausgezeichnet vor Korrosion geschützt. Den Schnittkantenrost an unserem 94er Fotomodell sollte keiner überbewerten – zahlreiche Nachlackierungen und tanzende Spaltmaße ließen ein schadenreiches Vorleben vermuten. Das hatte sich auf die noch straffen Sitze weniger ausgewirkt, obwohl die Polsterung sonst schnell vor dem Gewicht von Wohlstandseuropäern kapituliert.

Dem Stress des Stadtverkehrs ist allerdings oft die Kupplung nicht gewachsen. Ihre Mitnehmerscheibe verschleißt zügig. Erwähnen wir noch die bisweilen streikende Zentralverriegelung oder die beim Modelljahr 95 häufig undichte Kraftstoffpumpe, ist die Mängelaufzählung schon weitgehend komplett. Was nicht bedeutet, dass der Musterknabe keine Schönheitsfehler hat. So fehlen beispielsweise attraktive Motoren: Moderne Diesel vom Schlage eines TDI gibt es erst im 98 präsentierten Nachfolger, und die Benziner sind von der knurrigen Sorte und beginnen zu saufen, sobald der Druck aufs Gaspedal die Streichelzone überschreitet.

Auch das Fahrwerk zeigt sich erdverbunden, verheimlicht die Bodenbeschaffenheit nur widerwillig. Unter Beladung schlägt es durch und untergräbt so die Fahrstabilität. Beliebt ist der 323 trotzdem, besonders die F-Version. Dass sie mit dem eingezogenen Dach kaum Platz bietet, stört die Fans nicht – denn dieser Musterschüler wirkt optisch sportlicher und ist alles andere als ein Langweiler.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 8/85 Umstellung des 323 auf Frontantrieb 9/89 Neuauflage (BG/BW), alle Benziner mit geregeltem Kat 9/94 Modellwechsel (Typ BA). Neue Bezeichnungen: dreitürige Schrägheckversion (C), viertüriges Stufenheckmodell (S) und fünftüriges Fließheckmodell (F) 11/94 neuer 1,9-l-Motor, 84 kW/114 PS 1/97 Modelländerung bei Dreitürer, aus C wird der P 8/97 neuer 2,0-l-Diesel, 52 kW/71 PS 8/98 Modellwechsel für S und F, P wird weitergebaut

Schwachstellen • Batterie mit Mucken: Im Schnitt halten die Stromspender etwas über drei Jahre, verenden also kurz nach Ablauf der Garantiezeit. In vereinzelten Fällen liegt die Ursache für den Kollaps auch an schwächelnden Generatoren • Türdichtungen bestehen aus sehr weichem, aber wenig verschleißfestem Gummi. Resultat: Undicht werdende Stellen lassen die Windgeräusche mit der Zeit stark ansteigen • Kühlsystem kann Wasser verlieren, das Ergebnis sind durchgebrannte Zylinderkopfdichtungen oder gar gerissene Köpfe • Sitze sind eher für japanische Leichtgewichte konstruiert, unter normannischen Kleiderschränken verschleißt die Polsterung ziemlich schnell

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Mazda 323C, 65 kW/88 PS, Baujahr 95. Lichtmaschine und Wasserpumpe sind zum Glück sehr langlebig, denn Ersatz kommt teuer. Auch Blechteile werden fast in Gold aufgewogen.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Der Kompakt-Japaner 323 gehört zu den Musterknaben beim TÜV. Selbst elf Jahre alte Modelle überzeugen mit stabiler Radaufhängung, intakter Lenkanlage und standfesten Bremsscheiben. Lediglich defekte Schlussleuchten und unzureichende Handbremswirkung notieren unsere Prüfer häufiger. Bei den jüngeren Modellen fällt eher mal eine falsche Einstellung des Abblendlichts auf. Ärgerlich, aber für die Sicherheit unbedeutend: ausfransende Türdichtungen." Werner Lyrmann, Gutachter TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg

Modellempfehlung Mazda 323F 1.5 (65 kW/88 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 150 Mark im Jahr/D3 Testverbrauch: Werksangabe 7,5 Liter, gemessen 8,1 Liter (Super) Versicherung: Vollkasko (19/1000 Mark SB): 1982 Mark. Teilkasko (24/300 Mark SB): 306 Mark. Haftpflicht (15): 1675 Mark (Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 15.000 Kilometer, etwa 350 bis 550 Mark Wertverlust: Dreijährige haben rund 40 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis) verloren, danach jährlich um 1500 Mark Verlust

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