Mazda 323 (ab 1998)

Gebrauchtwagen Mazda 323 (BJ) Gebrauchtwagen Mazda 323 (BJ)

Mazda 323 (ab 1998)

— 10.04.2003

Zuverlässig von A nach B

Der Mazda 323 ist ein Auto wie ein Jägerzaun: geschmacksneutral, beständig und ein Fall für echte Pragmatiker.

Marktlage und Qualität

So ziemlich jeder Autokäufer kann seine Wahl im Freundeskreis begründen. Der Porsche-Pilot kaufte den 911 ja nur, weil er so wertstabil ist, Mercedes-Besitzer schwören auf die herausragende Qualität ihres Autos, und mit einem VW kann man ja wohl nichts falsch machen... "Ich will aber nur von A nach B", lautet dagegen die Rechtfertigung vieler Mazda-323-Käufer. Absolut glaubwürdig, denn mit den Jahren wurde der 323 immer spießiger. Wer den aktuellen 323 wählt, trägt auch gern hellblaue Feinstrickjacken und freut sich über das Ölbild mit dem röhrenden Hirsch an der Wand. Als Kopfbedeckung dient ein Hut oder, etwas moderner, die Baseballkappe auf dem grauhaarigen Kopf des Fahrers vom 323 F (der mit den Klappscheinwerfern.)

Gebrauchtwagenkäufer kann es nur freuen, denn genau diese Herrschaften nehmen Wartung und Pflege sehr ernst. Der Markt kennt gepflegte Fahrzeuge von privat und ausgeleierte Firmenwagen, dazwischen gibt es fast nichts. Natürlich interessiert nur der topgepflegte Erstbesitz mit komplett gestempeltem Wartungsheft, denn die Preise für 323 mit weniger solidem Lebenslauf sind auch nicht viel niedriger. 6550 Euro kostet laut Schwacke der billigste 323 vom Typ BJ, mit 71 Diesel-PS, fünf Jahren Alltagserfahrung und dem wenig begehrten Stufenheck. Das entspricht einem Wertverlust von etwa 54 Prozent.

Gute Qualität zum halben Neupreis – was will man mehr? Wie bei jeder Kalkulation beachten Gebrauchtwagenkäufer auch hier zu erwartende Reparaturen und Ersatzteilpreise. Billig ist nichts, dafür stimmt die Qualität. Eine Kupplung hält bei zivilisierter Fahrweise schon mal 150.000 Kilometer, Lichtmaschine und andere Nebenaggregate gelten als Dauerläufer. Eine große Enttäuschung sind hingegen die Bremsscheiben. Sie werden beim TÜV auffallend oft kritisiert. Doch damit ist schon wieder Schluss mit der Prüfer-Kritik, denn alle anderen Zahlen sind stets im grünen Bereich.

Karosserie und Motor

Bei unserem Gebrauchtwagentest achteten wir besonders auf Kantenrost, da uns in den letzten Monaten schon mehrere Japaner in diesem Punkt enttäuschten. Unser Testwagen, den ein Hamburger Händler zur Verfügung stellte, war absolut rostfrei. Allerdings handelte es sich hier um ein besonders gepflegtes Fahrzeug, dessen erste Heimat vermutlich eine gut geheizte Garage war. Als tadellos darf die Verarbeitung bezeichnet werden. Der Innenraum erinnert an die Deutsche Bahn: Alles ist solide verarbeitet und fern aller Mode gestylt, der 323 hat die Ausstrahlung einer Wartehalle. Vielleicht ist das der Grund, weshalb sich junge Mazda-Fans in einschlägigen Internet-Foren gegenseitig Tipps zur Verbesserung der Innenraum-Architektur mittels Tacho-Folien und Carbon-Blenden geben ...

Sorgen in Sachen Technik gibt es bei der Internet-Gemeinschaft nur, wenn die regelmäßige Wartung verpennt oder gespart wurde. Klar, wenn ein Marder den Kühlschlauch anknabbert und deshalb Kühlflüssigkeit fehlt, stellt sich eher früher als später eine durchgebrannte Zylinderkopfdichtung ein. Dem Auto selbst darf aber keiner einen Vorwurf machen. In unserem Kummerkasten gibt es kaum Beschwerden über den 323. Vor dem Kauf steht die Qual der Motorwahl, die so groß nicht ist. Die Diesel der alten Generation (2.0 D mit 71 PS und 2.0 TD mit 90 PS) sind Typen von gestern: rau, laut und nicht besonders temperamentvoll. Wesentlich besser ist der 2.0 DITD mit 100 PS, zu überhören ist aber dieser Motor auch nicht. Mit Dämmung im Motorraum gingen die Japaner sehr sparsam um, deshalb neigen auch die Benziner nicht zum Flüstern.

Wer nicht mit mehr als zwei Passagieren reist, kann auch mit dem Basis-Motor gut leben. Dieser leistet 73 PS aus 1,4 Liter Hubraum. 88 PS sind wohl das Idealmaß, alle stärkeren Aggregate kommen am Markt eher selten vor und passen nicht zum Charakter des braven Familientransporters. Mindestens ebenso selten: Mazda 323 mit Automatikgetriebe. Haben Sie einen an der Angel, können wir nur zuraten. Denn die Mazda-Schaltautomaten gelten als ausgesprochen zuverlässig und pflegeleicht. Wie der ganze Typ 323 – problemlos von A nach B. Und das ist es doch, was zählt, oder?

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 8/98 Modelleinführung des Typs BJ als Nachfolger der Serie BA. Benzinmotoren von 54 kW/73 PS bis 84 kW/114 PS, Diesel mit 52 kW/71 PS und 66 kW/90 PS; Karosserie: Fließheck und Stufenheck, ein Kombi ist nicht mehr im Angebot 10/00 Einführung des DITD-Dieselmotors mit Direkteinspritzung; seine Eckdaten: 74 kW/100 PS, zwei Liter Hubraum Benziner mit 53 kW/73 PS, 72 kW/98 PS und 96 kW/131 PS 3/03 Die Tage des 323 sind gezählt, in Genf wird die Studie MX Sportif vorgestellt, auf der der neue Kompakt-Mazda3 basiert.

Schwachstellen • die Rostvorsorge ist bei den beobachteten Fahrzeugen von sehr unterschiedlicher Qualität – Nachbesserung kann hier bestimmt nicht schaden • der TÜV kritisiert den Rostschutz nicht, da er nur komplette Durchrostungen als Mangel bewertet • die Bremsscheiben rosten stark, allerdings nur bei Fahrzeugen, die selten gefahren werden • ein bekannter Standschaden sind auch verklebte Kupplungsscheiben • nach etwa 70.000 Kilometern verdienen die Stoßdämpfer etwas Aufmerksamkeit, ein Test zeigt deren Wirkung genau auf • Rost auf Schraubenköpfen sieht man am 323 besonders oft. Sieht tragisch aus und zeugt von nicht besonders hochwertigem Material. Sorgen sind deshalb allerdings nicht angebracht

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Mazda 323, 65 kW/88 PS, Baujahr 98. Wer seinen 323 regelmäßig pflegt, wird nicht mehr als Verschleißteile wechseln müssen. Alles andere kann ziemlich kostspielig werden.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Bei unseren Hauptuntersuchungen ist der Mazda 323 traditionell schon seit Jahren ein Musterschüler. Der aktuelle Typ BJ ab dem Baujahr 98 erlaubt sich nur einen groben Schnitzer, nämlich bei den Bremsscheiben. Hier liegen die Zahlen weit über dem Schnitt. Unsere Bestnote 0,0 vergeben die TÜV-Prüfer dagegen für die Rostvorsorge, das Lenkungsspiel, die beiden Antriebswellen sowie für die Bremsleitungen und Bremsschläuche." Klaus Lesczensky, Gutachter TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg

Modellempfehlung Mazda 323 (65 kW/88 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 99 Euro im Jahr/Euro 1 Testverbrauch: Werksangabe 7,3 Liter, gemessen 8,0 Liter (Normal) Versicherung: Vollkasko (18/500 Euro SB): 896 Euro. Teilkasko (19/300 Euro SB): 201 Euro. Haftpflicht (16): 847 Euro (Basis: ONTOS-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 15.000 Kilometer, etwa 150 bis 230 Euro Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 57 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 800 Euro Verlust

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