Mazda 626 (1987-1992)

Mazda 626 (1987-1992)

— 25.02.2002

Mazdas Meister

Die Fahrer sind zufrieden, die Werksttten nicht. Denn der 626 macht sie arbeitslos. Wo steckt das Geheimnis? Bei den inneren Werten. So was gibt es tatschlich noch.

Technik und Qualitt

Wenn es die Liebe auf den zweiten Blick bei Blechgehusen gibt, dann ist der Mazda 626 ein Heiratskandidat. Vor allem die Baureihe von 87 bis 92 mit dem internen Krzel GD weckt zuerst keine Leidenschaft oder gar berschwengliche Begeisterung. Doch wer sie lnger fhrt, der fhlt sich zwangslufig hingezogen.

Denn wie in einer guten Zweierbeziehung zhlen Zufriedenheit und Ausgeglichenheit mit den Jahren mehr als modische Manieren, die sich spter oftmals in Marotten verwandeln. Und so parken die "GD" (vernderliches Kennzeichen: fnfzackige Radkappen, die gerne geklaut werden, weil Ersatz satte 100 Mark pro Stck kostet) bei Wind und Wetter unbeachtet am Straenrand, werden mit Normalsprit (GT: Super) nur gefttert, wenn die ungenaue Tankanzeige sich auf dem linken Anschlag ausruht. Und wenn die Stammwerkstatt nicht jhrlich an die Inspektion erinnern wrde, wten 626-Besitzer nicht mehr, in welchem Industriegebiet sie sich befindet.

Da mu der 626 nur mal rauf, wenn der Auspuff lauter trtet. Das passiert so alle vier (Endtopf) bis sechs Jahre (Hauptschalldmpfer). Wer dann zu einem Auspuff-Schnelldienst fhrt, aufgepat! Unser Testwagen erfuhr das beim Speedy-Service. Kaum war die neue Anlage einige Wochen drunter, nervten Poltergerusche bei Kurvenfahrt: Der Dmpfer stie dabei an eine Karosseriekante. Etwas Biegearbeit half - aber nie sehr lange. Also reumtig zum Mazda- Meister. Der erkannte sofort: Hier wurde der Limousine versehentlich ein Auspuff vom Coup untergeschraubt - der ist drei Zentimeter krzer. Mit Fullspeed wieder hin zu Speedy: Anstandslos wurde das Teil auch noch nach ber einem Jahr ausgewechselt. Dennoch verblffend, da die Erfinder des Gleichteile-Prinzips sich solche Zentimeter-Zicken leisten.

Motor und Karosserie

Bei vielen Dingen haben die Japaner besser nachgedacht. So macht die beheizbare Heckscheibe fr schnelle Sicht nach hinten erst einen schmalen Fensterstreifen beschlagfrei, dann das ganze Glas. Oder: Die Rcksitzflche kann beim Schrgheck in einen glatten Kombi-Wagenboden verwandelt werden. Genial der Sicherungskasten. Er sitzt im Fahrerfuraum und wird dort von der Extra-Innenleuchte erhellt. Sollte deren Sicherung mal durchgebrannt sein: Sie lt sich blind ertasten, da sie alle anderen berragt.

Es sind aber nicht nur die kleinen Dinge, die zur Mythenbildung dieser Mazda-Baureihe beitragen. Die Bremsen zum Beispiel halten ewig. Unser Testwagen fuhr noch mit der ersten Garnitur innenbelfteter Scheiben vorn und Trommeln hinten. Die allerteuersten Verschleiteile, also Motor und Getriebe, laufen wie ein Uhrwerk - gelegentliche Schmierstoff-Schau vorausgesetzt. Die Hydrostel des 2,2-Liter fangen etwa nach 100.000 Kilometern an, harmlos zu tickern. Der grte Autofeind, Vterchen Rost, macht um die Karosse der 626 einen groen Bogen. Und das sogar ohne Verzinkung, nur aufgrund guter Vorsorgemanahmen. Da knnen in den Kofferraumwinkeln Kaulquappen schwimmen oder im Biotop-Bereich der Vorderkotflgel (zwischen Spritzlappen und Tr) die Lindenblten keimen - ein 626 gibt dem Gilb keine Chance.

Was trbt denn nun doch das Zusammenleben? Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber und Servolenkung sind zumeist ab GLX vorhanden. Ja, eine Klimaanlage wre schn, Airbag und ABS-Bremse. ABS gab es fr die vierradgelenkten 4WS (berflssig!), die Allradler 4WD und die GT der GD-Reihe. Alles andere bleibt auf dem Wunschzettel. Aber deswegen gleich dem Alten die Liebe aufkndigen? Das wre wahrlich ungerecht.

Historie, Schwchen, Kosten

Modellgeschichte 1/79 Neueinfhrung der 626 mit Heckantrieb 9/83 Zweite Generation der Mittelklasse, nun mit Frontantrieb 9/87 Vorstellung der dritten Generation. Zweiliter-Motoren (Vergaser oder Einspritzer) mit 90 und 107 PS. Zwei Modelle: Limousine (4- und 5trig) und Coup 11/87 Topmotor 2.0 16V mit 140 PS und G-Kat, Diesel mit 60 PS 4/88 neuer 2,2-Liter-Motor mit 115 PS und G-Kat 4/89 Vorstellung des Kombi, Coup auf Wunsch mit Allradlenkung 4/90 Modelle berarbeitet. 2,2-Liter-Modelle mit Allrad lieferbar 3/92 neue Modellreihe fr die Limousine, Kombi in alter Form

Schwachstellen Endschalldmpfer (300 Mark mit Montage) Werksttten wollen ihn gern alle zwei Jahre erneuern. Nicht vom Auenrost tuschen lassen, der Dmpfer hlt bis zu vier Jahre Nsse im Kofferraum Beim Schrgheckmodell luft gerne Wasser in die beiden Kotflgel-Kuhlen im Kofferraum. Dank guter Vorsorge

rostet aber nichts Gummidichtungen Die Dichtungen der beiden hinteren Tren reien oben an den Ecken durch, weil sie am Blech reiben. Abhilfe: Diese Stellen immer gut mit Gummipflege einfetten Spannrollenlager Knnen hrbar mahlen, wenn der Keilriemen zu fest nachgespannt wurde Radkappen kosten 100 Mark, werden gern gestohlen

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Mazda 626 GLX 2.0, 66 kW/90 PS, Bj. 1990. Die Reparaturkosten liegen fast auf dem gnstigen Preisniveau deutscher Kleinwagen. Nur Kotflgel sind eine teure Angelegenheit.

Fazit und Expertentipp

Fazit "Der alte 626 war lange Zeit ein Geheimtip. Unverwstliches Blech, langlebige Technik und solide Motoren - das hat sich bis nach Osteuropa rumgesprochen. Wer noch einen erwischt, darf sich freuen und braucht zum Unterhalt nur kleines Geld. Abgesehen vom Auspuff, ist Rost selten, allenfalls die Bremsleitungen sind eine berprfung wert. Bei lteren Mazda auch die Achsmanschetten checken, sie werden pors. Die Motoren halten ewig, kriegen nur alle 100.000 Kilometer einen neuen Zahnriemen. lverlust? Unbekannt. Eher rosten die lwannen. Empfehlenswert sind die 90-PS-Version und der 2,2-Liter mit 115 PS, bei dem nur die Hydrostel nach zehn Jahren anfangen, ungefhrlich zu tickern." Kfz-Meister Eduard Baumgartner, Mazda Pohl, Hamburg

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