Mazda MX-5 trifft Triumph TR6

Mazda MX-5/Triumph TR6: Vergleich

— 28.11.2015

Triumph für Mazda?

Der neue Mazda MX-5 bietet alles, was ein Roadster bieten sollte: Sturm, Drang und gute Laune. Aber kann er damit auch einen Triumph TR6 ersetzen?

"Jinbai ittai", sagt der Japaner, besonders dann, wenn er für Mazda spricht und den MX-5 meint: das Verschmelzen, das Einssein von Mensch und Maschine. Dies und nichts anderes sei das Mantra des jüngsten Modells. Mit Jinbai ittai soll es wieder zur Tugend des Ur-MX-5 von 1989 zurückfinden. Kürzer als sein unmittelbarer Vorgänger musste es werden, vor allem aber leichter. Rund 100 Kilogramm holten die Konstrukteure heraus, mit allen Tricks der Leichtbaukunst. Und so bietet die Generation vier wieder genau das, was wir von einem kompakten, aufgeweckten, erschwinglichen Roadster erwarten: Freude am Fahren nach klassischer Art, ungetrübt von Luxus und PS-Wahn.

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Die vierte Generation des MX-5 besinnt sich auf alte Tugenden

Video: Mazda MX-5 (2015)

2200 Kurven im Roadster

Da trifft der Mazda ins Schwarze. Was zugleich die Krux an der Sache verschärft: Erleben wir hier wirklich die Erfüllung aller Roadsterträume? Ersetzt so ein Mazda womöglich die verehrten Klassiker? Erübrigt sich ab sofort die Fürsorge für gebrechliche Oldies, winkt Genuss ohne Reue? Fragen, die der Klärung bedürfen. Sie kommt in Gestalt eines Triumph TR6, britische Autorität in Sachen Roadstertum. Im vorliegenden Fall handelt es sich um einen späten Jahrgang (1975), aber der Stammbaum reicht bis ins Jahr 1953, Sportwagenadel also. Gleichwohl: Er wird sich schwertun, der TR. Denn verwöhnt vom Feinschliff, verzaubert von der Perfektion seiner Fahrdynamik, wähne ich mich im Cockpit des Mazda wunschlos glücklich. Annähernd zumindest. Ich werfe ihn mit kleinen Bewegungen aus dem Handgelenk in die Kurven, lässig, fast telepathisch, streife angstfrei Grenzbereiche, spiele mit der hochpräzisen Schaltung und drehe den kleinen 1,5-Liter-Vierzylinder bedenkenlos über 7000 Touren. Und ich freue mich über das geringe Gewicht, dessen Vorteile du immer und überall spürst, das selbst schmalen 131 PS auf die Sprünge hilft.
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Im Triumph gibt es noch das ungefilterte Offenfahrvergnügen

"Roadster fahren heißt Sturm ernten." – der Triumph TR6 funktioniert strikt nacht diesem alten Motto.

So wie sich dieser MX-5 bewegt, wie er sich lenkt, wie er bremst, wie er die günstige Gewichtsverteilung zu seinem Vorteil nutzt, das zeugt von viel Know-how. Und vom Ehrgeiz seiner Väter. Alles wurde hier optimiert, selbst das Schaltgefühl schliffen sie zum Idealfall, immer mit der Absicht, Authentizität zu erzielen und mit moderner Perfektion zu vermählen. Typisch japanisch? Vielleicht, aber zugleich eben auch zielführend. Dann röhrt der Triumph auf die Bildfläche. Und als Erstes führt er vor, dass auch bescheidene Mittel der Formgestaltung eindrucksvolle Ergebnisse zeugen können. Der MX-5 mag mit dicken Backen und aggressivem Maul neuerdings den Macho spielen, aber der TR6 ist es – unbestreitbar männlich. Aber auch unglaublich schmal: zum Mazda fehlen da 19 Zentimeter. Innen sitzt du folglich Schulter an Schulter mit dem Beifahrer. Gemütlich ist es hier, voraus ein Armaturenbrett, das diesen Namen noch verdient, viele Zeigerinstrumente und außerdem viel Platz für lange Beine. Überhaupt überrascht der Alt-Roadster mit praktischen Vorzügen – jeder Menge Stauraum zum Beispiel, während du im Mazda nicht einmal eine Jacke verstauen kannst. Und dann die Bedienung: eine Handvoll Schalter zum Drücken oder Ziehen, sonst nichts.

Oben herum kein fetter Fensterrahmen wie im Mazda, dem TR genügt eine zierliche, aufgeschraubte Frontscheibe, getreu dem uralten Motto: "Roadster fahren heißt Sturm ernten." Optimiert ist hier gar nichts. Zum Auskuppeln und Bremsen brauchst du Ronaldo-Schenkel und für die servolose Lenkung Bizeps. Die Viergangschaltung: knochig. Mittels des per Lenkradhebel elektrisch zuschaltbaren Overdrives kann die Zahl der Gänge auf sieben erhöht werden – immer nützlich bei alten, drehzahlscheuen Engländern.

Der charakterstärkere Roadster kommt aus England

Der Mazda MX-5 besticht mit seiner Perfektion, der Triumph TR6 ist aber der Roadster fürs Herz!

Alles scheint hier auf direktem Weg zu funktionieren, im Verbund mit Metall und Schmieröl. Und dann spielt der Triumph sein Ass aus: Der 2,5-Liter-Reihensechszylinder erwacht mit cremigem Grollen. Was für ein Sound, geradezu Spitfire-verdächtig (die fliegende Sorte). Dagegen hört sich so ein Mazda hohl und blechern an. In unserem Exemplar, einer leicht getunten US-Version, ersetzen Vergaser die in Europa übliche Einspritzung. Das drückt auf die Leistung: 120 statt 127 PS. Aber was du spürst, ist ohnehin zuvorderst dieses fette Drehmoment. Schwer zu glauben, dass der MX-5 – gefühlt eher schwachbrüstig – den TR6 PS-mäßig überflügelt. Das Resultat einer perfekt gemanagten, hoch effizienten Leistungsentfaltung ohne Höhen und Tiefen: Sie kostet Charakter. Den besitzt der antike Langhuber en gros. Er säuft, brüllt und nässt auch schon mal, aber er ist Herz und Seele des TR. Und er harmoniert mit dem Rest, dem ruppigen Chassis, dem Eigenleben bei Kurvenfahrt, das eine energische Hand erfordert. Ein MX-5 ist dir zu Diensten, aber der TR braucht dich. Er fordert dich heraus. Und am Ende des Tages ist er der Roadster, nach dem ich mich sehne – Jinbai ittai hin oder her.

Technische Daten Mazda MX-5 1.5Motor: vier Zylinder in Reihe, Vierventiler, Direkteinspritzung • Hubraum: 1496 cm³ • Leistung: 96 kW (131 PS) bei 7000/min • max. Drehmoment: 150 Nm bei 4800/min • Vmax:204 km/h • 0–100 km/h: 8,3 s • Antrieb: Hinterradantrieb, Sechsganggetriebe • Tankinhalt: 45 l • L/B/H: 3915/1735/1225 mm • Radstand: 2310 mm • Leergewicht: 1050 kg • EU-Mix: 6,0 l/100 km • Preis ab 22.990 Euro.

Technische Daten Triumph TR6 • Motor: sechs Zylinder in Reihe, 2 SU-Vergaser • Hubraum: 2498 cm³ • Leistung: 88 kW (120 PS) bei 5000/min • max. Drehmoment: 198 Nm bei 3500/min • Vmax:185 km/h • 0–100 km/h: ca. 10 s • Antrieb: Hinterradantrieb, Vierganggetriebe mit Overdrive • Tankinhalt: 49 l • L/B/H: 3950/1550/1270 mm • Radstand: 2235 mm • Leergewicht: 1100 kg • Verbrauch 9–12 l/100 km • Preis (1974) 16.755 Mark, Preis heute ca. 24.000 Euro.

Mazda MX-5 trifft Triumph TR6

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Der Artikel handelt von folgenden Modellen: Mazda MX 5 1.5 (Typ ND) und Triumph TR6 (Typ TRG) (Test).

Veröffentlicht:

20.11.2015

Preis:

1,00 €

Wolfgang König

Wolfgang König

Fazit

Natürlich ist der MX-5 viel besser und noch dazu alltagstauglich. Nur an Charakter fehlt es. Im Vergleich zum Klassiker viel weniger Seele, das ist der Fluch der Perfektion. Deshalb sehne ich mich nach Oldies wie dem TR6.

Stichworte:

Roadster

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