Mazda RX-8

Mazda RX-8

— 04.11.2002

Mazdas Mutprobe

Limousinen, die schnell sind wie ein Sportwagen, kennen wir. Aber einen Sportwagen, der Platz bietet wie eine Limousine? Hier ist er. Er heit RX-8 und kommt von Mazda.

Flache Schnauze und Stummelheck

Wir leben in einer verrckten Zeit. Jedenfalls aufs Auto bezogen. Groe, kleine, breite, schmale, hohe, flache oder auch ganz kurz zusammengeschobene Mobile machen sich ber unsere Straen her.

Ist doch prima, sagen Sie, da wird es nicht langweilig. Stimmt, auch wenn manchmal total eigenwillige Kreaturen das Ergebnis sind. Ein Van-Coup braucht niemand wirklich, und ob ein Gelndewagen mit Tempo 250 ber die Bahn brettern muss ich wei es nicht. Klar ist aber auch: Diese bunten Blech-Blten bringen Farbe in unser Auto-Leben. Und jetzt kommt eine ganz frische hinzu.

RX-8 steht drauf, und auf den ersten Blick ist daran eigentlich nichts wirklich Ungewhnliches zu entdecken. Gut 4,40 Meter lang, vorn mit flacher Schnauze und hinten Stummelheck. Knnte auch von Alfa Romeo (Alfa 156) kommen. Oder von BMW, denn die sind bekannt fr sportliche Coups.

Viertriges Coup ohne B-Sule

Was diesen Mazda aber auszeichnet, ja einzigartig macht, sind zwei Dinge, die er uns zunchst verheimlicht: das Trkonzept und der Wankelmotor. Schauen wir uns zunchst die knuffige Kabine an. Da sind zwei groe Tren rechts und links wie gehabt. Doch jetzt kommt's: Um auf die hinteren Pltze zu gelangen, mssen wir uns nicht mhsam zwischen vorderer Lehne und Mittelpfosten durchschlngeln, wir gleiten einfach hinein. Ohne Verrenkungen, weil uns der RX-8 durch zustzliche Stummeltren wie mit offenen Armen empfngt.

Der Clou dabei: Die Zusatzluken sind hinten angeschlagen, der mittlere Dachpfosten (B-Sule) fehlt. So einfach ist das. Oder doch nicht? Wohl kaum, denn sonst wre dieses Prinzip des leichten Einstiegs lngst gang und gbe. Mazda ist damit der erste Hersteller, der diesen ungewhnlichen Viertrer nach Europa bringt.

Das Problem dabei ist die Sicherheit. Denn beim Seitencrash schtzt uns normalerweise die stabile B-Sule. Die Japaner haben das Problem genial gelst. Die hinteren Tren tragen ein stabiles senkrechtes Stahlrohr, das beim Schlieen oben und unten verankert wird. Insgesamt soll der RX-8 alle wichtigen Crash-Normen (Euro NCAP vier Sterne) erfllen und beim Seitenaufprall (mit 55 km/h wird die Tr nur 150 Millimeter eingedrckt) sogar einen Bestwert markieren.

Der RX-8 saugt Kurven gierig auf

Wir glauben es ihnen, denn bei ersten Probefahrten auf dem Mazda-Testgelnde in Japan berzeugte die Karosserie durch hohe Steifigkeit und Stabilitt. Dafr haben sich die Techniker aber auch einiges einfallen lassen. So sitzt neben der Kardanwelle aus Karbonfaser ein starkes Rahmenprofil, das als zentrales Rckgrat die Motor-Getriebe-Einheit mit dem hinteren Differenzial verbindet.

Ergebnis ist eine sehr przise Straenlage, der RX-8 saugt Kurven gierig auf und zieht wie an der Schnur gezogen seine Bahn. Selbst tckische Bodenwellen in engen Kehren bringen keine Unruhe ins Fahrzeug. Das Fahrwerk selbst ist auf dem neuesten Stand. Vorn Doppelquerlenker, hinten eine aufwendige Mehrlenkerachse. Dazu eine direkte Servolenkung, die ein sehr gutes Gefhl fr die Strae vermittelt.

So weit, so gut. Bis hierhin hat Mazda seine Hausaufgaben hervorragend erledigt. Aber jetzt wird es ernst. Denn unter seiner Haube trgt der RX-8 nicht irgendeinen Motor, sondern einen Wankel. Den kennen wir natrlich aus dem letzten RX-7 schlielich pflegt Mazda den Rotationskolbenmotor seit 1961. Doch zuletzt schaffte der RX-7 bei uns nicht mehr die Abgashrde und wird seitdem nur noch in Japan verkauft.

Der Wankel jubelt bis 9000 Touren

Jetzt ist er also wieder da. Ohne Turboaufladung und 240 PS stark. Euro 4 soll er schaffen und 20 Prozent weniger konsumieren als im letzten RX-7. Wie viel das genau sein wird, wollten uns die Techniker noch nicht verraten (ca. 11,6 l/100 km). Aber ans Lenkrad haben sie uns gelassen und das war ein Erlebnis. Haben Sie schon mal einen Wankel gefhlt? Das ist etwas ganz Besonderes. Eine Mischung aus Zwlfzylinder und Turbine. Startet ansatzlos, dreht mhelos hoch, hat keine Vibrationen und klang in der Vergangenheit leider auch meist wie ein Staubsauger.

Jetzt also die Wiedergeburt im RX-8. Und sie haben das kleine Motrchen noch mal geschrumpft. 30 Prozent kompakter und leichter als im RX-7 das ist ein Kunststck. Und dazu stark und drehfreudig wie nie. Bis satt 9000 Touren jubelt der Wankel, ohne dass er sich besonders anstrengen muss. Dabei klingt er endlich so heiser und erwachsen, wie wir es immer gewnscht haben.

Ja, das ist die Musik, die zum knackigen Fahrverhalten passt. Denn das ist der RX-8 ohne Zweifel: ein Sportwagen. Damit aber keine Zweifel aufkommen: Ein Porsche ist er nicht. Und auch kein puristischer RX-7. Dafr bietet er nicht nur zu viel Platz und Komfort. Vor allem ist er eines: ein gutmtiges Auto. Das auch im Grenzbereich leicht zu bndigen ist. So kommt es zwar vor, dass der neutral ausbalancierte RX-8 (Gewichtsverteilung 50:50 vorne/hinten) bei Lastwechseln in schnellen Kurven schon mal das Heck nach auen hngen will. Macht aber nichts, weil das ESP (von Bosch; heit hier DSC) sofort eingreift und jedes Schwnzeln im Keim erstickt.

Fazit und Technische Daten

Fazit Was bleibt haften nach den ersten Schnupper-Runden? Es gibt leichtere, strkere und auch schnellere Sportwagen. Aber keinen wie diesen. Womit Mazda nach dem MX-5 ein zweites auf ganz andere Art faszinierendes Auto im Programm hat. Das Einzige, was beide verbindet, ist der gnstige Preis. Denn mit 30.000 Euro fr 192 PS (35.000 Euro soll der starke 240-PS-Wankel kosten) markiert der RX-8 eine ganz neue Klasse. Und dazu gehrt wirklich Mut.

Technische Daten Zweischeiben-Wankel, vorne lngs eingebaut 2 x 654 cm3 177 kW/240 PS bei 8200/min 211 Nm bei 5500/min Lnge/Breite/Hhe 4435/1770/1340 mm Radstand 2700 mm Heckantrieb Sechsgang Einzelradaufhngung Kofferraumvolumen 300 Liter Tank 60 Liter Reifen 225/45 R18 Leergewicht 1340 kg 0100 km/h in 6,2 s Spitze 250 km/h. Serie: sechs Airbags, Audioanlage, Klimaanlage, elektrische Fensterheber Preis 35.000 Euro.

So funktioniert der Wankelmotor

Im Unterschied zum normalen Hubkolbenmotor hat der Wankel weder Kolben noch Pleuel oder Kurbelwelle, bei ihm dreht sich ein Dreieck (Kreiskolben) auf einer Exzenterwelle. Diese Drehbewegung lsst sich viel einfacher auf Getriebe und Rder bertragen. Der Bauaufwand fr den Wankel ist also gering (u. a. sind auch keine Ventile ntig), dennoch gibt es gravierende Probleme.

So war bislang die Abdichtung des Kreiskolbens sehr schwierig, und eine groe berschneidung im Ein- und Auslasstakt sorgte fr schlechte Abgaswerte und hohen Verbrauch. Mazda hat jetzt Ein- und Auslasskanal vom Auengehuse in die Seitenwand verlegt. So gibt es keine berschneidungen mehr, der Benzinverbrauch soll um 20, der lverbrauch sogar um 50 Prozent geringer sein als beim letzten Turbo-RX-7.

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