Mazda und Alfa bauen einen gemeinsamen Roadster

— 04.06.2012

Hochzeit unter freiem Himmel

Alfa Romeo und Mazda kooperieren beim Bau eines neuen Roadsters auf Basis des künftigen MX-5. AUTO BILD-Redakteur Joachim Staat singt schon jetzt ein Jubellied der Freude.



Ach, man möchte jubeln, die Cabriodächer aufreißen und lospreschen zum Spontankorso. Alfa Romeo hat verkündet, seinen nächsten Spider mit Hinterradantrieb zu bauen! In Hiroshima, auf der Technik des neuen Mazda MX-5. Die beiden Kult-Roadster, kommen künftig aus einer Hand – da wächst doch zusammen, was zusammen gehört. Eine Hochzeit unter freiem Himmel. Nehmt mich als Trauzeugen, im verrückten Sommer 1990 hatte ich sie beide, den Schönling der Siebziger und den Schneewittchen-Wachküsser der Neunziger. Mein ganzer Stolz war ein 76er Alfa Fastback mit 2,0-Liter-Maschine, braun mit beigem Verdeck. Sein Klang ließ Herzen und Häuserwände wanken, die Carello-Scheinwerferhauben (für mich ein Muss, um die Pininfarina-Kotflügel formvollendet abzurunden), habe ich nachts mit einem Kuss in den Schlaf geschickt.

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Der Alfa Spider (gebaut bis 1983) verzückt noch heute mit seinen schlanken Proportionen.

So viel Liebe machte trotzdem nicht blind für die Altersfalten des Alfa: Die Hinterachse führte nicht nur auf Nässe ihr Eigenleben, jedes Schalten mit dem langen Krückstock verlangte eine Gedenksekunde. Und irgendwie hatte ich erwartet, dass 131 italienische Pferde sich feuriger aufführen als dieser bemühte Galopp, der über 4500 Touren ins Lustlose versandete. Naja, mein Fastback war 14, ich wollte ihn nicht scheuchen, er musste auch zum TÜV. Beim Schweißen fing er Feuer und verbrannte. Ich habe geheult. Als Trost kreuzte einen Monat später ein MX-5 meinen Weg. Rot, leichter, kürzer, moderner, konkurrenzlose 35.500 Mark günstig. Und, was mich im Sturm eroberte: Der Mazda war weit mehr Sportwagen als der Alfa: auf dem Papier 16 PS schwächer, aber trotzdem schneller. Ich musste nur "Kurve" denken, und der Roadster nahm sie. Sein 1,6er zeigte ganz oben, jenseits der 5000, ein Drehzahl-Penthouse, eine Partyzone, in der's richtig abging. Dieses Auto konnte so gut wie alles besser: Bremsen, Lenken und erst das Schalten. Ein Klacks! Der Mazda brachte mir die Essenz des Autofahrens bei: das lustvolle Flippern der Neuronen zwischen Hand, Herz, Hirn und Hintern.

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Der erste Mazda MX-5 traf den Nerv der Käufer: Günstig, leicht und klar gezeichnet.

Und so eroberte der MX-5 überall auf der Welt die Menschen, die wieder entdeckten, wie herrlich einfach und bezahlbar Offenfahren sein kann. Er wurde der meistgebaute Roadster der Autogeschichte. Über mittlerweile drei Modellgenerationen bewiesen die Mazdanesen geradezu asketische Selbstdisziplin und versagten ihrem Roadster jedes überflüssige Pfündchen. Die vierte Generation, für 2014 angekündigt, soll sogar wieder abspecken, nachdem der Zweisitzer in die Breite ging und zuletzt doch an der 1200-Kilo-Marke gekratzt hat. Pfui, sie werden sich selbst gepeitscht haben in Hiroshima.

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Von 1200 Kilo haben sie bei Alfa zuletzt geträumt! Über 1,6 Tonnen wog der letzte Spider, ein Cabriokreuzer, der zwar den klangvollen Spider trug, aber nur noch ein Abklatsch des alten war. Leichtigkeit? Sportgeist? Faszination? Alles vorbei. Tempi passati, wie der Italiener sagt, wenn er seufzend an Verflossene denkt. Der Spider-Träger sank 2010, ohne dass jemand eine Träne vergossen hätte. Nur die Strahlkraft, die Zugwirkung seines Namens für Alfa Romeo blieb unvergessen. Und jetzt das. Ein neuer Spider: Gut! Mit Hinterradantrieb: besser! Mit MX-5-Technik: jabbadabbadu! Köpft die Prosecco-Flaschen! Was Besseres kann Alfa und uns doch gar nicht passieren, zuverlässigere Technik (der Mazda gilt als unverwüstlich solide) kriegen sie selbst niemals hin.

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Der letzte Alfa Spider wurde 2010 sang- und klanglos eingestellt.

Nebenbei wird der neue Spider auf ein Maß schrumpfen, das ihn volksnah einpreist und das in den USA die ganz wichtige Reifeprüfung ablegt: Dort will Alfa die letzten Nostalgiker mobilisieren, die noch vom Ur-Duetto delirieren, mit Mazda-Hilfe die Furcht vor italienischem Schlendrian vertreiben und einschlagen wie der Japaner im Sommer 1990. Ich persönlich freue mich auf etwas anderes: einen MX-5 im Alfa-Anzug, in italienischem Design. Und da Mazda niemals das ganze Technik-Brot selbstlos brüderlich teilen wird, bietet der kommende MX-5 wieder irgendwas Eigenes. Etwas Besonderes. Und sei es, dass er nur kürzer, leichter, schneller, sportlicher und günstiger wird. Purer Roadster eben.

Autor: Joachim Staat

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