Mazda6

Mazda6 Mazda6

Mazda6

— 13.06.2002

Dieser 6 macht Spaß

Mensch, Mazda, was habt ihr aus dem braven 626 gemacht? Die Antwort: eine stattliche Reiselimousine mit dem Sexappeal des MX-5. Im Test die Topversion mit 2,3-Liter und 166 PS.

Fest der Sinne

Im Alter lässt das mit den Trieben ja bekanntlich nach. Eine biologische Erkenntnis, die manchmal auch auf Autos zutrifft, auf den Mazda 626 zum Beispiel. Dieser Mittelklasse-Japaner brauchte ein langes Vorspiel, bewies danach Stehvermögen, kam in die Jahre und erschlaffte zunehmend. 1978 startete er verschämt noch mit Heckantrieb, erst die nächsten Generationen (vor allem die von 1988) legten richtig los. Doch dem Höhepunkt folgte der Niedergang. Der 626 fuhr ab 1992 und noch mehr ab 1997 in die Versenkung.

Jetzt taucht er wieder auf, heißt nur noch 6 (bzw. Mazda6). Eine Nummer, die nach mehr klingt. Absicht? Jedenfalls hat so selbstbewusst und voller Energie lange kein Japaner mehr aus der Wäsche geguckt. Geduckt und gespannt steht er auf 17-Zöllern. Die bildschönen Aluminiumräder gehören wie auch Klimaautomatik, Radio mit CD-Wechsler, Tempomat und Xenonlampen zur Topline-Ausstattung. Die schraubt zusammen mit dem 2,3-Liter als Spitzenmotorisierung den Preis auf stolze 25.610 Euro. So viel kostet auch ein BMW 318i – natürlich ohne die Luxus-Ausstattung des Mazda. Der trägt zwar manche Züge, die ich woanders schon gesehen habe – bei Alfa zum Beispiel –, bleibt aber insgesamt eigenständig und hat vor allem ein richtiges Gesicht. Eins, das sagt: Hier kommt der pure 6.

Das Fest der Sinne geht innen weiter. Erst mal haben die Japaner dabei die Hausaufgaben erledigt. Also hat der Mazda ungewöhnlich bequeme Sitze und dazu Platz in Hülle und Fülle. Bei der stattlichen Länge von 4,68 Metern keine Kunst. Aber Größe ist ja bekanntlich nicht alles. Und es ist für mich schon eine Überraschung, wie stilsicher das Auto eingerichtet ist. Hier haben Könner Hand angelegt, gibt es nichts Japanisch-Unbeholfenes mehr. Im Gegenteil, das Design spricht eine klare Sprache: Italienisch. Die beiden Rundinstrumente etwa mit den fein gezeichneten Ziffern sind eine Augenweide, wie auch die leise rastenden, nachts indirekt beleuchteten Regler für die Klimaanlage.

Knackiges Fahrwerk, kräftiger Motor

Dann hat Mazda sehr klug noch etwas geübt, was normalerweise schwer fällt: Verzicht. Im 6 fehlen also so überflüssige Dinge wie sprechende Bordcomputer, Minikameras oder Großrechner mit Untermenüs zum Programmieren des Fahrwerks. Das wäre sowieso überflüssig. Der Mazda liegt auch ohne solche Helfer knackig auf der Straße. Dabei setzt er von vornherein auf die straffe Tour, Unklarheiten über den Fahrbahnzustand gibt es nie.

Unangenehm ist das keineswegs, Federung und Dämpfung sind sauber abgestimmt, arbeiten bei weitem nicht mehr so unbeholfen wie in frühen 626. Mazda schwört Stein und Bein, dass das 6er-Fahrwerk eine Eigenentwicklung ist, weder verwandt noch verschwägert mit dem Konzernbruder Ford Mondeo. Mag sein, trotzdem erinnert der Japaner mit seiner knackigen, energischen Art an den ja auch betont dynamisch abgestimmten Mondeo. Der 6er schwänzelt in engen, schnellen Kurven gern lustvoll mit dem Heck – das ESP hält ihn an der langen Leine. Trotzdem ist auf das System im Ernstfall genauso Verlass wie auf die standfesten Bremsen.

Gut zu wissen, denn mit dem 2,3-Liter-Motor der Topversion gehört der Mazda zu den schnelleren Limousinen im Land. Von diesem 2,3-Liter sind die Japaner so begeistert, dass sie gern erzählen, der Vierzylinder würde einen Sechszylinder überflüssig machen. Fantasie aus Fernost? Nicht unbedingt, denn der Mazda-Motor (166 PS) steht verdammt gut im Futter, strotzt vor Kraft. Er tritt bissig an, dreht locker, macht bei hohen Touren Dampf. Dazu läuft er bemerkenswert ruhig, kein Vergleich mehr mit den früheren rauen 626-Motoren.

Was ihm fehlt, ist etwas anderes: der Sound eines Sechszylinders. Er klingt brav und bieder, nach Vierzylinder eben, nur beim Ausdrehen wenigstens etwas kernig. Bemerkenswert dann aber noch der satte Durchzug. Wer mag, kann den 6 vollkommen entspannt und schaltfaul bewegen. Was ein Verlust wäre, denn das Fünfganggetriebe lässt sich fast so lässig schalten wie das im MX-5. An diesen Kult-Roadster erinnert mich der 6 sowieso: mit seinem Stil, dem Temperament und vor allem dem Fahrspaß. Aber der MX-5 hat ja auch schon ein paar Jährchen hinter sich – scheint also doch nicht zu stimmen, das mit den Trieben im Alter.

Technische Daten und Kosten

Der Mazda6 2.3 kostet in der Topline-Version stolze 25.610 Euro. Dafür lässt die Liste der Serienausstattung kaum Wünsche offen. Zudem bieteten die Japaner eine Dreijahres-Garantie (Technik) an.

Wertung und Fazit

Wir orientieren uns am Maßstab. Heißt: Das jeweils meistverkaufte Modell in Deutschland markiert in jedem der fünf Wertungskapitel 100 Prozent. Für diesen Vergleich bedeutet das: Maß der Dinge in der Mittelklasse ist der VW Passat, hier in der Wertung als V5 Highline. In den jeweiligen Kapiteln zeigt sich, ob der neue Mazda6 2.3 Topline besser oder schlechter abschneidet als der Marktführer VW Passat. So können Sie Ihren persönlichen Favoriten küren.

AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke über den Mazda6 "Schon erstaunlich, was Mazda mit dem 6 auf die Räder gestellt hat. Erwartet hatte ich eine brave Mittelklasse-Limousine, geräumig, praktisch, zuverlässig. Wie gehabt und nichts Besonderes. Es kam ein MX-5 in Limousinen-Format, Mazda hat nicht zu viel versprochen. Der 6 ist richtig nett anzuschauen und noch besser zu fahren. Und besonders sympathisch finde ich den Verzicht auf derzeit so angesagte überflüssige Spielereien. Weniger ist oft mehr. Die Topversion hier hat natürlich einen besonders starken Auftritt, was die kleineren Motoren können, werden wir aber auch bald sehen. Der überaus gelungene 6 könnte die Wiedergeburt einer Marke einleiten, die dabei war, im grauen Einerlei zu verschwinden. Und jetzt bin ich auf den Wankel-Sportler RX-8 so richtig gespannt."

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