Fahrbericht McLaren 650S

McLaren 650S: Fahrbericht

— 02.04.2014

So fährt der McLaren 650S

Update für den McLaren: Mit vielen neuen Teilen und mehr Leistung wird aus dem 12C der 650S. Wir haben das Geschoss getestet.

Stillstand ist Rückschritt. Niemand weiß das besser als ein Formel1-Team, das jedes Wochenende aufs Neue um ein paar Tausendstel kämpft. Wenn die gleiche Mannschaft, die man freitags um Neun fast mit körperlicher Gewalt in den Feierabend zwingen muss, dann auch noch einen Straßensportwagen baut, wird daran so lange gefeilt und getunt, bis er wieder ein bisschen schneller und stärker wird. Deshalb ist es kein Wunder, dass McLaren jetzt ein Update für den 12C bringt – zumal der Tiefflieger aus England jetzt schon drei Jahren auf dem Markt ist und über 3000 Mal verkauft wurde.

Das S im Namen steht für Sport oder Schärfe

Video: McLaren 650S Fahrbericht

Erste Fahrt im Briten-Blitz

Allerdings haben die Briten so viel an ihrem ersten Straßensportler nach fast 20 Jahren geändert, dass sie es nicht beim alten Namen lassen wollten. Statt 12C steht deshalb jetzt 650S auf den Flanken, wenn der Sportler zu Preisen ab 231.500 Euro in diesen Tagen zu den Händlern rollt. Der Name des vor allem auf den Ferrari 458 Speciale zugeschnittenen Spitzentrumpfs im Autoquartett der Engländer ist Programm: Die 650 stehen für die neue Leistung, die McLaren aus dem vom 12C bekannten 3,8 Liter großen V8-Turbo im Heck des Wagens holt. Das sind noch einmal 25 PS mehr als bisher. Und das S kann man mit Sport oder besser noch mit Schärfe übersetzen. Denn es ist weniger der Leistungszuwachs, der das Update ausmacht, weil schon der 12C so verdammt stark war. Und auch den Drehmomentanstieg von 600 auf 678 Nm kann man nur mit einem ganz sensiblen Popometer fühlen. Es sind vor allem die stramme Straßenlage, das kompromisslose Fahrwerk, die buchstäblich richtungsweisende Lenkung und die bissigen Carbonbremsen, an denen der Unterschied deutlich wird. Nicht dass der 12C ein gemütlicher Power-Cruiser gewesen wäre. Wer so etwas möchte, der sollte einen Aston Martin oder einen Bentley bestellen.

In glatten drei Sekunden geht der McLaren auf Tempo 100

Idealinienkleber: Aerodynamik und Fahrwerk des 650S lassen sehr hohe Kurvengeschwindigkeiten zu.

Doch wo man den McLaren bislang auch mit ruhiger Hand und stetem Puls führen konnte, verlangt der 650S nach kurzen Zügeln und wachen Sinnen. Zu verführerisch gut liegt er auf der Straße, zu lange haftet er in der engsten Kurve auf der Ideallinie, und zu schnell kommt er im Ernstfall zum Stehen, als dass man nicht mit jedem Kilometer weiter die Grenzen austesten möchte. Das Auto jedenfalls kann einiges, wie die Messwerte belegen: Von 0 auf 100 geht die Fuhre in glatten drei Sekunden, 200 km/h werden nach 8,4 Sekunden erreicht, Vmax liegt bei 333 km/h – da wird es auch auf der Überholspur schon ziemlich einsam. Möglich wird der Ritt auf der Rasierklinge aber nicht allein durch das Tuning für Motor und Fahrwerk. Die Ingenieure haben auch noch einmal an der Aerodynamik gefeilt. Der neue Bug produziert deutlich mehr Abtrieb und der riesige Heckflügel entwickelt jetzt ein segensreiches Eigenleben. Er stellt sich nicht nur in unterschiedlichen Winkeln auf, um den Wagen zu stabilisieren, sondern unterstützt auch noch den Bremsvorgang, in dem er bei Bedarf den Luftwiderstand erhöht.

Der Lockruf der Leistung indes ist nicht zu überhören: Der V8 will getreten werden und dankt es dem Fahrer mit einem großen Konzert in allen erdenklichen Tonlagen. Er brüllt nicht einfach nur, er faucht und bläst, grollt und gurgelt und macht so ein Spektakel, dass man nicht einmal im Traum daran denkt, das Radio anzuschalten.

Als Spider wird der 650S zur stürmischen Windmaschine

Für furchtlose Frischluft-Fanatiker: McLaren bietet den 650S auch als Spider an – Karbon macht's möglich.

Und solange es das Wetter auch nur irgendwie erlaubt, bleiben das Dach oder zumindest die Fenster offen. Nicht umsonst zum Beispiel kann man beim Spider sogar die Heckscheibe separat versenken und fühlt sich dann so nah an der Musik wie Backstage bei einem Rockkonzert. Diese Supersportvarianten bestehender Modelle sind nichts Neues. Nicht zuletzt Hauptkonkurrent Ferrari hat da mit dem 458 "Speciale" gerade die passende Vorlage geliefert. Doch McLaren rühmt sich, das Spiel noch ein bisschen weiter zu treiben. Denn erstens haben die Briten jedes vierte Bauteil angefasst, geändert oder ausgetauscht. Zweitens haben sie deutlich mehr am Design getan und dem Wagen eine komplett neue Front im Stil des Supersportlers P1 gezeichnet. Und drittens nutzen sie die Vorzüge ihrer Carbonkarosserie: Weil die um bis zu 25 Prozent steifer ist als ein Alu-Chassis, bieten sie den 650S als einziges Auto in dieser Liga für 23.500 Euro Aufschlag auch als Spider an.

Autor: Thomas Geiger

Stichworte:

Supersportwagen

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