Mégane gegen Mazda3 und Nubira

Renault Mégane 2.0 16V, Mazda3 Top 2.0 und Daewoo Nubira 1.8 CDX Renault Mégane 2.0 16V, Mazda3 Top 2.0 und Daewoo Nubira 1.8 CDX

Mégane gegen Mazda3 und Nubira

— 18.12.2003

Moderner Stufenschnitt

Kompakte mit Stufenheck sind in Deutschland aus der Mode gekommen. Daewoo, Mazda und Renault wollen eine Renaissance einleiten.

Kein Bock auf kompakte Stufenhecks

Fragen wir jemanden, der sich auskennt: "Stufenschnitt? Immer noch aktuell", sagt Bettina. Und die muss es als Friseurin ja wissen. Der Stufenschnitt sei ein Klassiker, die Basis für jedes Styling. "Weiche Übergänge, hinten etwas länger gelassen, aber ansonsten sehr variabel." Als hätte sie gerade das Heck des Mazda3, Renault Mégane oder des Daewoo Nubira beschrieben.

Denn die drei markanten Typen stehen frisch frisiert in den Showrooms unserer Autohändler und sehen gar nicht mehr nach dem typischen schaurigen Stufenheck à la VW Jetta von anno dazumal aus. Und plötzlich schauen wir uns die modernen Stufenschnitte gerne von hinten an, statt sie bloß mit unserem Hintern anzugucken.

Das haben wir Deutschen in den vergangenen Jahren gerne getan. 94,6 Prozent aller Mazda 323, des Vorgängers des 3ers (1999 bis 2003), fahren als Fließheck in Deutschland. Bei Renault ist die Zahl der verkauften Stufen-Mégane so gering, dass die Franzosen nach der winzigen Zahl in ihrer letzten Verkaufsstatistik (2002) fahnden müssen: weniger als ein Prozent.

Mégane glänzt mit gutem Fahrwerk

Schauen wir nach vorn: Die Renault-Mégane-Limousine baut auf der gleichen Plattform wie der Kombi Grandtour und bietet die gleichen Annehmlichkeiten. Im Vergleich zum kompakten Drei- und Fünftürer ist der Radstand um sechs Zentimeter länger, was sich besonders im Fond spürbar bemerkbar macht. Während Mitreisende im Mazda über den engen Einstieg und fehlende Beinfreiheit jammern, kommen im Mégane keine Klagen aus dem Fond. Alles très bon.

Setzen wir uns nach vorn: Wer im Mégane auf dem Fahrersitz Platz nimmt, muss sein Auto lieben oder zumindest besserwisserische Bordcomputer ignorieren können. Während Mitreisende im Mazda freundlich mit "Hello" begrüßt werden, unterhält sich der Renault mit seinem Piloten gerne in längeren Sätzen. Die meisten davon im Imperativ: "Zum Starten Kupplung und Start drücken!", befiehlt das Auto. Dafür muss nicht einmal die kreditkartengroße Plastiktafel in den Schlitz neben dem Lenkrad geschoben werden.

Auf Knopfdruck springt der 2,0-Liter-Benziner (135 PS) an, ein laufruhiger Motor, der fast unbemerkt in 9,7 Sekunden von null auf hundert beschleunigt. Anders als der Bordcomputer spielt er sich dabei so weit in den Hintergrund, dass man ihn spätestens auf der Autobahnauffahrt gar nicht mehr hört. Von seiner sanften Seite zeigt sich auch das Fahrwerk. Keiner der beiden Konkurrenten federt so gelassen über miserable Straßenbeläge hinweg wie der Mégane. Nubira und Mazda melden jeden Kanaldeckel, protestieren bei jeder Spurrille, wobei der Daewoo mit seinen harten Federn und weichen Dämpfern besonders heftig aufmüpft.

Schlechtes Bremsverhalten des Nubira

Dabei sollte doch gerade der Daewoo italienische Gelassenheit inhaliert haben. Nach dem Rezzo ist der Nubira schon das zweite Modell, das die Koreaner in Italien bei Pininfarina zeichnen ließen. Große Klarglasscheinwerfer und ein dreigeteilter Chromgrill prägen das Gesicht des neuen Nubira, im Innenraum kombinieren die Koreaner Holz- und Metallimitat mit Leder (CDX-Version).

Wer unters Blech horcht, hört den 1,8-Liter-Vierzylinder (122 PS), der gemächlich seine Arbeit tut (10,1 Sekunden von null auf 100 km/h). Dafür stöhnt der Benziner auch nicht bei größerer Belastung, sondern brummt nur ein bisschen. Anders als sein Fahrer im Grenzbereich. In Krisenzeiten helfen im Mazda und Renault elektronische Stabilitätsprogramme (Serie) aus. Im Nubira ist ESP noch Zukunftsmusik, nur eine Traktionskontrolle fährt serienmäßig mit.

Auch das Antiblockiersystem (ABS) funktioniert offenbar nur in der Betriebsanleitung. Jeder Opel Corsa, Ford Fiesta oder VW Polo steht nach rund 40 Metern. Der Nubira braucht mindestens 41,2 Meter. Ein Tritt auf die Bremse fühlt sich dabei an wie heftiges Stampfen in Hefeteig. Das ist noch nicht mal mehr Mittelmaß in der Mittelklasse.

Mazda3 lenkt sich am besten

Wie Bremsen bremsen können, zeigt der Mégane. Der steht nach 38,4 Metern. Ein sanftes Füßeln mit dem Bremspedal reicht. Echt scharf! Mazdas Bremsen lassen sich dagegen besser dosieren, arbeiten dafür aber beinahe gleich gut. Wenn doch die Lenkung des Mégane genauso kompromisslos funktionieren würde wie die Bremse ... Die Steuerung des Franzosen verdient Schelte: quelle catastrophe! Die elektromechanisch unterstützte Servolenkung reagiert nur unpräzise auf Einschläge, so gefühlsecht, als ob der Fahrer den Mégane per Joystick über einen Computermonitor scheuchen würde.

Mazda und Daewoo geben dem Fahrer das beruhigende Gefühl, dass Lenkung und Reifen tatsächlich zusammenspielen. Bei stärkerem Einlenken spart leider auch der Mazda mit Infos über den Lauf der Reifen, die Lenkung des 3ers wirkt aber nie völlig losgelöst von den Rädern wie die des Renault Mégane.

Und was tut sich unter der Haube? Am meisten Freude macht der 2,0-Liter-Mazda-Motor (150 PS). Er ist der stärkste und leistungswilligste im Trio und verbraucht mit 9,2 Litern etwa so viel wie Nubira (9,4) und Renault (9,1). Seinen Sportsgeist unterstreicht der Japaner durch den etwas rauen Atem des Vierzylinders und die schmal geschnittenen Sitze, die dem Fahrer in Kurven Unterstützung geben.

Kosten und Ausstattungen

Schmal geschnitten ist auch der Preis des Daewoo Nubira. 16.550 Euro für die Luxusausstattung CDX, deren Aufpreisliste nicht länger ist als ein Dreizeiler. Nur Automatikgetriebe (1400 Euro), Metalliclackierung (350 Euro) und ein elektrisches Schiebedach (700 Euro) kosten extra. So günstig gibt es den modernen Stufenschnitt aus Korea. Billiger schneidet nur der Friseur ab.

Technische Daten und Testwerte

Vor zehn Jahren wäre der Nubira-Bremsweg okay gewesen, 41,2 Meter sind heute einfach nur schlecht.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteurin Magret Hucko Unsere modernen Stufenschnitte können Sie sich ohne Bedenken verpassen lassen. Den besten schneiden die Franzosen, créateur d’automobiles eben. Dass die Franzosen bezaubernde Autos bauen können, wissen wir. Meistens haperte es dann im Detail. Das Laisser-faire hat nun offenbar ein Ende: Der Mégane gefällt durch spürbar verbesserte Qualität – sichtbar bei den engen Spaltmaßen. Der Mazda3 steht seinem Sieg selber im Weg. Mit 22.290 Euro ist der Japaner einfach zu teuer. Und der scheinbar günstige Nubira entpuppt sich als falscher Fuffziger. Die Vollkaskoversicherung langt richtig zu.

Renault, Mazda oder Daewoo – Ihr Urteil

Testwerte sind harte Fakten. Ob ein Auto aber letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Renault Mégane, Mazda3 und Daewoo Nubira. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

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