Mehr Verkehrstote im Februar

Mehr Verkehrstote im Februar

Mehr Verkehrstote im Februar

— 24.04.2002

Tödlicher Leichtsinn

Die Zahl der Verkehrstoten ist im Februar 2002 um zwölf Prozent gestiegen. Entgegen dem Trend der vergangenen Monate.

Crashs durch Technikhörigkeit?

Die Zahl der Toten und Verletzten auf deutschen Straßen ist im Februar deutlich gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch mitteilte, kamen 488 Menschen im Straßenverkehr ums Leben (zwölf Prozent mehr als im Februar 2001), 33.300 wurden verletzt (plus elf Prozent). Die Zahl der Verkehrsunfälle stieg auf 174.200 (plus 1,7 Prozent). Der Trend des vergangenen Jahres ist damit gebrochen: Die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland fiel 2001 auf den tiefsten Stand seit Einführung der offiziellen Verkehrsstatistik im Jahr 1953 (6962 Tote, sieben Prozent weniger als 2000).

Die Ursachen für die Abnahme sehen die Experten unter anderem in der modernen Fahrzeugtechnik, aber auch in der Verbesserung des Rettungswesens. Dabei gehören wilde Raser immer noch zu den Hauptunfallverursachern. Alkohol ist offiziell immer seltener im Spiel (minus 6,1 Prozent). Die Risikogruppe schlechthin ist und bleibt die Gruppe der jungen Erwachsenen. Fast ein Viertel aller im vergangenen Jahr bei Unfällen Getöteten war zwischen 18 und 25 Jahre alt.

Als Ursache für den Anstieg der Verkehrstoten im Februar nennt der Sprecher des Automobilclubs in Deutschland (AvD), Jochen Hövekenmeier, jedoch einen ganz anderen Grund: Gerade die Technikhörigkeit verleite die Fahrer zur Selbstüberschätzung. "Immer mehr glauben, wenn ich eine ausgereifte Technik im Auto habe, kann ich fahren wie Schumi."

Easy-Rider-Mentalität bei Bikern

Purer Leichtsinn herrscht allzu oft auch bei Motorradfahrern. Die Zahl der getöteten Biker hat im letzten Jahr wieder zugenommen: 964 Motorradfahrer starben im Straßenverkehr, 19 mehr als 2000. Gefährlich leben Biker besonders im Frühling. Mit den ersten Sonnenstrahlen geht es raus, glücklich wieder auf ihrer Maschine zu sitzen, aber ein wenig aus der Übung - und die eigene Geschwindigkeit unterschätzend.

Hinzu kommt: Auch die Autofahrer müssen sich erst wieder auf die leicht zu übersehenden Motorräder einstellen. "Biker dürfen in den ersten Wochen der Saison nicht gleich in die Grenzbereiche fahren", mahnt deshalb Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig. Er fordert alle Motorradfahrer eindringlich auf, regelmäßig an Sicherheitstrainings teilzunehmen. "Nur so lernt man, mit der Maschine wirklich sicher umzugehen." Für einen zusätzlichen Unfallschutz für Biker könnten Schaumstoff-Ummantelungen an den Pfosten von Leitplanken sorgen, wie eine von der Bundesanstalt für Straßenwesen in Auftrag gegebene Dekra-Studie (Deutscher Kraftfahrzeug-Überwachungsverein) beweist.

Das Problem: Die Lebensdauer der gepolsterten Pfosten ist nur kurz. Sie müssten jedes Jahr ausgewechselt werden. Bei Crashtests hat sich ein Modell als "zufriedenstellend" erwiesen: eine Schutzplanke nach Schweizer Vorbild, mit einem Unterzug aus Stahlblech. "An kritischen, kurvenreichen Strecken sollte das Standard werden", fordert Uwe Ellmers von der Bundesanstalt für Straßenwesen. Doch ob das Ganze jemals realisiert wird, bleibt mehr als fraglich. Die Kosten sind um das Drei- bis Vierfache höher als bei herkömmlichen Leitplanken.

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