Mehr Wettbewerb im Autohandel

Mehr Wettbewerb im Autohandel

— 01.10.2003

Alles wird gut

Günstigere Autos, Teile, Reparaturen – von der neuen Gruppenfreistellungs-Verordnung soll vor allem der Autokunde profitieren.

Mit dem Wortungetüm "Gruppenfreistellungs-Verordung" (GVO) werden Autokunden vermutlich nie etwas anfangen können. Doch sie werden im Geldbeutel spüren, dass mit dem heutigen 1. Oktober 2003 eine neue GVO in Europa in Kraft tritt. Denn die Autopreise in Deutschland sollen günstiger, Original-Ersatzteile billiger und das Werkstatt-Netz größer werden.

"Der Gewinner ist der Autokäufer", resümiert Professor Ferdinand Dudenhöffer in der neuesten Studie seines Prognose-Instituts B&D-Forecasts in Leverkusen. Größere Autohaus-Gruppen, besserer Service und niedrigere Vertriebskosten erwartet der Wissenschaftler, der viele Jahre in der Automobilwirtschaft gearbeitet hat.

Was heißt das konkret? Neuwagenkunden müssen mit ihrem Auto nicht mehr in die Vertragswerkstatt, um ihre gesetzlichen Gewährleistungsansprüche zu wahren (Vorsicht! Das gilt nicht für freiwillige Garantieansprüche!). Dank der neuen GVO darf das Auto in jeder Werkstatt gewartet und repariert werden. Bedingung: Die Werkstatt arbeitet nach den Vorgaben des Herstellers.

Zwar kann der Hersteller bei der Größe der Logos oder beim Inhalt des Ersatzteillagers mitreden. Doch wenn ein freier Betrieb alle Vorgaben erfüllt, darf er genauso eine Wartung durchführen wie eine Vertragswerkstatt. Weil sich mit einer Werkstatt gutes Geld verdienen lässt, erwartet Professor Dudenhöffer mehr Wettbewerb: "Wir werden mittelfristig mehr Marken-Werkstätten als Neuwagen-Verkaufshäuser haben." Und mehr Wettbewerb bedeutet günstigere Preise für die Kunden.

Bislang ist die Zahl der Bewerber um solche Serviceverträge gering. Denn die Zertifizierung kostet schnell mehrere zehntausend Euro. Pro Automarke. "Deshalb bewerben sich meist nur Ex-Vertragshändler, denen vom Hersteller gekündigt worden ist", sagt Klaus Zick von der Handelsgesellschaft Centro (1a-autoservice). Die Werkstatt aller Marken wird es also nicht geben. Auch Dudenhöffer geht davon aus, dass der Markenhändler etwa zwei bis drei Werkstattverträge haben wird, um seinen Kundenstamm umfangreich bedienen zu können.

Weiteres Sparpotenzial durch die GVO: Zulieferer dürfen Ersatzteile aus der Produktion für einen Autohersteller auch direkt als Originalersatzteile verkaufen. Da bei diesen Teilen hohe Gewinnspannen einkalkuliert sind, wird das Mehr-Angebot gleichfalls zu günstigeren Preisen für die Kunden führen.

Die größten Veränderungen wird es freilich für die Autohäuser selbst geben: In Deutschland gibt es rund 21.000 Neuwagenhändler – das sind fast so viele wie in den Vereinigten Staaten. Doch während jeder US-Händler im Schnitt 733 Autos pro Jahr verkauft, sind es in Deutschland nur 153. Grund: In den USA darf ein Händler seit vielen Jahren mehrere Marken betreuen. Damit macht er mehr Umsatz und kann seine Fixkosten besser verteilen.

Das war bisher in Europa verboten – die neue GVO löst diese Sperre und macht den Mehr-Marken-Vertrieb möglich. Da die Hersteller außerdem neue Margensysteme eingeführt haben, werden die Vertriebskosten geringer. Auch wenn die Zahl der Händler bis 2010 auf 10.000 sinkt, so die Prognose von Professor Dudenhöffer, werden unterm Strich Neuwagen damit günstiger.

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