Melkus RS 2000

Melkus RS 2000 Melkus RS 2000

Melkus RS 2000

— 27.11.2006

Der Osten dreht auf

Im Westen galt er als Zonen-Ferrari, im Osten als Traumwagen schlechthin – der Melkus. Mit dem RS 2000 wollen die Sachsen ihr Comeback feiern.

Das Autohaus in der Bautzner Landstraße 141 ist ein gewöhnlicher BMW-Betrieb. Auf den ersten Blick. Man muss schon genau hinschauen, um die historische Bedeutung des Ortes zu erkennen. Die Zeugen der Vergangenheit verstecken sich in einer düsteren Ecke abseits der glänzenden Neuwagen: Schwarzweißfotos mit zigarrenförmigen Rennwagen, Konstruktionspläne, Medaillen. Willkommen bei Melkus – jener autoverrückten Familie, die zu DDR-Zeiten Rennsportgeschichte schrieb und den sozialistischen Auto-Einheitsbrei mit einem Flügeltürer aus eigener Fertigung aufmischte. Peter Melkus eilt herbei. Er trägt Cordhose, Lederjacke und das Hemd offen. Marketingdeutsch ist nicht die Sache des 52-Jährigen, er kommt sofort auf den Punkt: "Wir wollen wieder ein Auto bauen", sagt er. "Einen hübschen kleinen Straßensportwagen, nicht zu teuer und im Amateur-Rennsport einsetzbar."

Kurz-Comeback des RS 1000: noch 15 Exemplare, dann ist Schluss.

Der Mann hat Mut, schließlich liegt die Fahrzeugproduktion lange zurück. 1979 wurde der letzte von insgesamt 101 Melkus RS 1000 ausgeliefert. Drei Zylinder, 1000 Kubik, Mittelmotor – verpackt in einer aufregenden Hülle, wie man sie damals nur von Porsche, Ferrari oder Maserati kannte. Die Mangelwirtschaft zwang zu Kompromissen. Die Frontscheibe kam vom Wartburg, der Motor ebenfalls. Mehr als 100 PS ließen sich aus dem Zweitakter nicht herauskitzeln. Um akzeptable Fahrleistungen zu bekommen, war neben geringem Luftwiderstand vor allem Leichtbau angesagt. Die speziellen 13-Zoll-Räder wurden im Magnesiumgussverfahren hergestellt. Am Ende war der RS 1000 dank vieler modifizierter Serienteile bis zu 200 km/h schnell.

Vom Melkus RS 2000 sollen jährlich bis zu 30 Exemplare gebaut werden.

Vor allem aber vermittelte er mit seinem niedrigen Schwerpunkt und der fein austarierten Balance das Gefühl eines echten Sportwagens. "Fahrpaß definiert sich keineswegs über die PS-Zahl", sagt Peter Melkus. "Es geht nichts über ein leichtes Auto – das gilt gestern wie heute." Deshalb will er wieder ein eigenes Modell bauen. Ab 2008 soll der RS 2000 in einer Kleinserie von 20 bis 30 Exemplaren jährlich entstehen und alte Melkus-Tugenden neu beleben. Konzeptionell haben die Dresdner weniger Porsche als vielmehr Lotus im Visier.

Fest steht, dass beim Antrieb Serientechnik zum Einsatz kommt, wie es aussieht von BMW oder VW. Der Motor ließe sich längs wie quer einbauen, so Melkus. Man darf gespannt sein, ob die Rechnung aufgeht. Die Nische für den Wagen ist jedenfalls da. Ein kompakter Sportler aus gutem Hause mit überschaubarer Elektronik und ohne Hüftspeck fehlt im Lande der übergewichtigen PS- und Drehmomentmonster noch. Für die Fertigung wurde bereits ein altes Fabrikgebäude angemietet. "Wenn alles gut geht", sagt Peter Melkus mit glänzenden Augen, "kommt 2009 das Cabrio." Wer wollte daran zweifeln.

Technische Daten Länge 4,00 Meter, Breite 1,80 Meter, Höhe 1,12 Meter, Radstand 2,45 Meter • Gewicht unter 1000 Kilogramm • Filigraner Gitterrohrrahmen, Carbon-Crashbox, Alu-Bodenwanne • Außenhaut aus GFK bzw. Kohlefaser (GT-Version) • Fahrwerk mit doppelten Dreiecklenkern vorn und hinten, innen liegende Feder-/Dämpfereinheit (verstellbar) • Bereifung vorn 195/60 bis 205/60 (16"), hinten 225/40 bis 235/40 (17") • Lenkung ohne Servohilfe • ABS (aber kein ESP) • Leichter Vierzylinder-Benziner mit 130 bis 200 PS • Mittelmotor, Heckantrieb • Leistungsgesteigerte GT-Version für den Rennsport • Preis etwa 60.000 bis 70.000 Euro (Straßenversion)

Autor: Matthias Moetsch

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