Mercedes 190 (1982-1993)

Mercedes 190 (1982-1993) Mercedes 190 (1982-1993)

Mercedes 190 (1982-1993)

— 25.02.2002

Zum Greifen nah

Solide, aber sündhaft teuer - der Baby-Benz schien für viele unerschwinglich. Vorbei. Jetzt gibt es ihn für kleines Geld.

Karosserie und Antrieb

Die Nummer zwei im Hause Benz heißt Mercedes 190. Selbst sechs Jahre nach Produktionsende sind noch rund 700.000 Baby-Benz bei uns zugelassen. Kunststück, denn seit 1985 gilt das Baby als erwachsener Dauerbrenner von fast unverwüstlicher Qualität – und war entsprechend teuer. War; denn mittlerweile ist der Typ W 201 auch für Normalverdiener erschwinglich geworden.

Die Verarbeitung des 190 war vom Start weg vorbildlich, die Karosse mit dem markant steilen Heck übersichtlich und funktional. Korrosion ist kein Thema, anfällig sind nur vereinzelt die Wagenheberaufnahmen und die C-Säule (Entlüftung). Vorsicht bei aufgemotzten Typen, die unter Radlaufchrom Rostnester verstecken! Gepflegte Exemplare sind an den satt schließenden Türen zu erkennen, nur die Fangbänder streiken bisweilen.

Motorenvielfalt oder Wahnsinn? Die Schwacke-Liste weist 18 verschiedene Benziner und zehn Dieselvarianten mit und ohne Kat aus. Zum Modellstart gab es den Vierzylinder mit zwei Liter Hubraum als Vergaser (90 PS) und Einspritzer (122 PS). Allein vom 190 E gibt es vier verschiedene Varianten – Standard, Rückrüst-Ausführung (RÜF) mit Kat-Vorbereitung sowie zwei Kat-Versionen mit 118 PS. Fast genauso beliebt ist der langlebige und durchzugskräftige 190 Diesel mit 72, später 75 PS.

Die Luxus-Variante mit sechs Zylindern legten die Stuttgarter im Herbst 86 nach – der 2,6-Liter mit 166 PS (mit Kat: 160) hat zwar nicht die Power des 88 eingeführten 2,5-Liter-16-Ventilers mit rund 200 PS, überzeugt dafür aber mit seidenweichem Lauf. Die Motoren sind solide, nur die Nockenwellen (vor allem beim 2.3) waren schlecht gehärtet. Wurde sie ausgetauscht, schlug die Werkstatt ein "S" in den Zylinderkopf. Nicht serienmäßig, aber sehr empfehlenswert: Fünfgang und Automatik.

Innenraum und Fahrwerk

Im 190 sitzt alles am richtigen Platz, Eingewöhnungszeit: keine. Lediglich der Schiebeschalter fürs Gebläse ist beim Fahren schwierig zu bedienen. Häufigster Mangel bei alten Benz-Babys: durchgewalkte Vordersitze. Erst mit der Modellpflege 88 wurden die Polster straffer. Minuspunkt für alte Modelle: Sie müssen mit dem kleineren Wischfeld des Einarmwischers auskommen. Der raffinierte Hubwischer kam erst 85.

Auf trockenem Belag gleitet der 190 ruhig und komfortabel dahin, wie ein Kreuzfahrtdampfer bei Sonnenschein. Doch wehe, wenn Sturm aufkommt: Auf Seitenwind reagiert das Baby ausgesprochen sensibel. Wird es dann noch naß, kann die Heckpartie schon mal ohne große Vorankündigung ausbrechen.

Das Angebot an Gebrauchten ist groß – und an Verbrauchten. Deshalb Vorsicht! Tiefer gelegte Fünfthandmodelle sind ihr Geld nicht wert, Youngster aus den 90ern oft gnadenlos überteuert. Bleiben nur Kat-Modelle vor 89 für 10.000 Mark – die indes sind schneller verkauft als in der Zeitung gedruckt.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 11/82 Produktionsstart des W 201 als 190/190 E 9/83 Einführung des 190 Diesel 11/84 Modellpflege: Hubwischer, Kat für 190 E, Keil-Flachriemen 5/85 190 D 2.5 mit 90 PS • 9/85 190 E 2.3, 2.6, Kat für alle Benziner 9/88 Modellpflege: Flankenschutz (Beplankung), straffere Sitze, Gurte verstellbar. 2.5-16 ersetzt 2.3-16 • 4/90 Basismodell: 190 1.8 mit 109 PS 10/92 ABS und Zentralverriegelung serienmäßig 5/93 Baureihe eingestellt.

Schwachstellen Eingelaufene Nockenwellen • Ölverlust an Motor und Getriebe • ungleichmäßige Handbremswirkung • ausgeleierte Steuerkette • defekte Wasserpumpen • Kardanwelle/Mittelwelle ausgeschlagen (bis 85) • Sitze durchgesessen • Türfangbänder kaputt • Kantenrost (bis 86).

Reparaturkosten Auch ein Baby-Benz ist nicht zum Golfpreis zu haben. Doch dank riesiger Stückzahl gibt es Billig-Ersatz vom Verwerter. Und: Mercedes bietet seit 1997 Originalteile um Einiges günstiger an.

Fazit und Urteil

Fazit Der (vor der A-Klasse) kleinste Mercedes besticht durch seine Langzeitqualität. Selbst zehn Jahre junge Modelle fahren sich oft besser als halb so alte Kompakte. Robuste Motoren (regelmäßige Wartung der Steuerkette vorausgesetzt) und Korrosionsbeständigkeit sind die Basis des Erfolgs. Das hielt die Preise lange hoch. Aber jetzt sind die 190 endgültig erschwinglich geworden. Und die Nachfrage beweist: Das Baby ist sein Geld wert.

AUTO BILD-Urteil: Sehr empfehlenswert

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