Mercedes-Benz 190 (1982-1993)

Gebrauchtwagen Mercedes 190 Gebrauchtwagen Mercedes 190

Mercedes 190 (1982-1993)

— 16.05.2002

Welchen können Sie nehmen?

Gebrauchte Mercedes 190 gibt es wie Sand am Meer. Doch zwischen Sahnestück und Schaumschläger sind die Unterschiede nicht immer leicht zu erkennen.

Karosserie und Marktlage

Zu klein, zu teuer, kein richtiger Mercedes – 1983 begrüßte der Markt den Baby-Benz 190 wenig herzlich. Die Zeiten ändern sich, heute gibt es dank A-Klasse noch kleinere Autos mit Stern, und eine C-Klasse kostet etwa das Doppelte eines 190 vor 19 Jahren. Heute ist der 190 wohl die billigste Möglichkeit, einen Mercedes zu fahren. Autos mit TÜV-Plakette gibt es ab 1000 Euro, gepflegte Stücke aus dem letzten Baujahr bekommt man für 5500 Euro.

Vergleichbar groß wie diese Preisspanne sind auch die Unterschiede betreffend Qualität und Pflege. Kaum ein 190 ist heute noch in den Händen des Erstbesitzers, Fahrzeuge mit komplettem Wartungsnachweis gelten als die blaue Mauritius am Gebrauchtwagenmarkt. Meistens trifft man auf verbastelte Autos mit hoher Laufleistung und bewegter Vergangenheit. Der TÜV stellt bei seinen Hauptuntersuchungen meist ein gutes Zeugnis aus. Größte Macke: die Lenkung, hier gibt es häufig schlechte Noten. Bei älteren Autos ist Rost oft ein heikles Thema. Dennoch gibt der TÜV keine negative Kritik ab, denn der 190 ist noch besser als der Durchschnitt aller geprüften Fahrzeuge dieser Baujahre.

Motor und Verarbeitung

Korrosionsschäden sieht man vor allem an Unfallautos oder Fahrzeugen, die dem Tuning-Trend der Achtziger folgten. Damals galt es in weiten Kreisen als schick, sein Auto zu verbreitern und mit Front- und Heckschürze zu versehen. Moden kommen und gehen – die Löcher nach der Spoilermontage bleiben. Und rosten. Kofferraumklappe, Seitenschweller und Front sollten deshalb stets frei von Bohrungen sein. Auch auf nachträgliche Spachtelorgien in diesem Bereich muss geachtet werden.

Die meisten 190 stammen aus dem ehemaligen Borgward-Werk Bremen-Sebaldsbrück, wo schon die Isabella gefertigt wurde und hochwertiger Fahrzeugbau Tradition hat. Ein guter Start für ein langes Autoleben. Die Motoren gelten als standfest, beim Getriebe fällt die Wahl schwer. Die manuelle Schaltung ist ziemlich hakelig, die Automatik zeigt eindrucksvoll, dass die Entwicklung des Baby-Benz bereits im Herbst 1976 startete. Also hoher Spritverbrauch, unzeitgemäße Fahrleistungen, dafür aber weitgehend problemlos.

Nicht ganz ohne Mängel ist das Schiebedach. Oft scheppert es auf schlechten Straßen, Wasserflecken am Dach-Himmel sind keine Seltenheit. Eine Schwachstelle ist auch das Differenzial. Nach 150.000 Kilometern zeigt es Verschleißerscheinungen. Billig und trotzdem nicht empfehlenswert sind Taxen. Auch wenn der 190 noch als Mercedes vom alten Schlag gilt, ist selbst seine Lebenserwartung begrenzt. Doch mit relativ wenig Geld und regelmäßiger Pflege hat der 190er noch viel vor sich.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 11/82 Neueinführung des Mercedes 190, intern als Baureihe W 201 bezeichnet 9/88 Erste größere Modellpflege: Bug- und Heckschürzen, zusätzliche Schwellerverkleidung und glattflächiger Flankenschutz, Fahrersitz höhen- und neigungsverstellbar 1/92 Sondermodelle Avantgarde, Verde, Rosso und Azzurro mit Metalliclackierung und aufgewerteter Innenausstattung 10/92 Sondermodell DTM 92 5/93 Ablösung durch die C-Klasse

Schwachstellen • Besonders auf Türen, Hauben, Schweller und Unterboden achten • Der Auspuff gilt als langlebig, bei Gebrauchtwagen sollte er aber überprüft werden, so wie auch Bremsen und Kupplung • Das Differenzial beginnt nach etwa 150.000 Kilometern zu "singen", ein sicheres Zeichen für ein fehlerhaftes Spiel zwischen Teller- und Kegelrad • Das Schiebedach ist nicht immer wasserdicht. Besser vor dem Kauf den Dach-Himmel auf Wasserspuren untersuchen • Die Sitze sind vor allem bei älteren Fahrzeugen häufig durchgesessen

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Mercedes 190 E 1.8, Baujahr 1992. Ersatzteile und Reparaturen waren bei Mercedes noch nie billig. Die Preise sind aber gerechtfertigt, denn der 190 gilt als ausgesprochen solide und langlebig.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Der Mercedes 190 fällt bei unseren Hauptuntersuchungen meist positiv auf. Das Lenkungsspiel kritisieren wir regelmäßig bei den neun- und elfjährigen 190ern, sehr positiv bewerten wir die Rostvorsorge, beide Achsen und die Wirkung der Bremse. Nur selten beanstanden wir die Auspuffanlage. Die Kraftstoffanlage ist nicht besonders umweltfreundlich, denn hier liegen die Werte für den neunjährigen 190 über den Durchschnittswerten." Klaus Lesczensky, Gutachter TÜV Rheinland/ Berlin-Brandenburg

Modellempfehlung Mercedes 190 E 1.8 (80 kW/109 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 195 Euro im Jahr/Geschl. schadstoffarm Testverbrauch: gemessen 10,2 Liter (Super) Versicherung: Vollkasko (14/1000 Euro SB): 577 Euro. Teilkasko (22/300 Euro SB): 139 Euro. Haftpflicht (17): 945 Euro (Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 10.000 Kilometer, etwa 200 bis 300 Euro Wertverlust: Neunjährig kostet der 190 E 1.8 rund 3600 Euro (Händlerverkaufspreis), danach verliert er jährlich um 500 Euro

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