Mercedes 190 E 2.6

Mercedes 190 E 2.6

— 26.11.2010

Der neue 190er, der alle wegfegt

AUTO BILD-Archiv-Artikel 26/1986: 2.6 – diese Ziffernkombination macht den braven Mercedes 190 zum Geschoss. Denn sie steht für die 166 PS des wohl besten Sechszylinders der Gegenwart.

Die Situation war typisch: In den Autos, die vor mir auf der Autobahn fuhren, reckten sich die Fahrer, um besser in den Rückspiegel schauen zu können. Ein 190er rauschte heran, der eigentlich viel zu schnell war. Schließlich sah er von außen ganz normal aus. Außer an ein paar quergerippten Luftschlitzen im Frontspoiler konnten die anderen nicht erkennen, dass ich in dem Sechszylinder saß, der 166 PS unter der Haube hat. Ein Versuchswagen, der sanfte Bruder des 190 E 2.3-16. Ehrlich, ich liebe solche Autos. Die perfekten Tiefstapler. Kein Krawall in der Technik und der Ausstattung. Dafür lässige Bullenkraft eines starken Sechszylinders in einem kompakten Auto.

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Der 190 E 2.6 macht den Fahrer nicht an, macht ihn nie aggressiv. Er fährt lässig – ohne kernige Geräuschkulisse, ohne Ringen mit den letzten Möglichkeiten, die in Lenkung und Fahrwerk stecken – und dennoch absolut überlegen. Ob ich im Verkehrsstrom der Innenstädte mitschwamm, auf Landstraßen Dampf machte oder ihn auf leerer Autobahn laufen ließ: Der Motor summte gleichmütig und piano, egal ob die Tachonadel bei Tempo 60 oder 220 pendelte. Die gedämpfte Phonstärke veränderte sich kaum. Erstaunlich, wie die Mercedes-Ingenieure den langen Reihen-Sechszylinder-Motor unter die kurze 190erHaube bugsiert haben. Er passt hinein wie angegossen.

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Nur der Kühler wurde ein Stückchen nach vorn gesetzt, dichter an die Plastik-Wagenschnauze unter dem Stern. Die Maschine mit 2,6 Liter Hubraum, Einspritzanlage und 166 PS ist zweifellos das Beste, was es unter den Sechszylindern der Autowelt gibt. Enorme Kraftentfaltung "unten", also schon bei ganz niedriger Drehzahl. Und gleichzeitig noch ordentlicher Biss "oben", wenn man aus Geschwindigkeiten von 180 und 200 noch einmal beschleunigen muss. Die Kraftexplosion enthüllt den einzigen gravierenden Fehler des 190 E 2.6. Beim scharfen, sportlichen Anfahren spielen die Handschaltung plus Kupplung nicht mit.

Entweder man startet mit einer tiefen, ruckartigen Verbeugung oder es wird eine "Springprozession", weil die Kupplung das bärenstarke Drehmoment nicht problemlos auf den Antriebsstrang bringt. Ein Automatik-Getriebe löst das Problem allerdings sofort. Das Fahrwerk wurde dem größerem Motor "angepasst", verkündet das Werk trocken. Die Vorderachse bekam einen Stabilisator. Im Fahrgefühl liegt der Sechszylinder näher beim 190 E 2.3-16, stramm, aber durchaus nicht unangenehm. Der große Motor hat den Kompakt-Mercedes nicht kopflastig gemacht. Er ist nur 45 Kilo schwerer geraten als seine normalen Brüder.

Die Gewichtsverteilung an Vorder- und Hinterachse unterstreicht mit 665 kg vorn und 535 kg hinten den sportlichen Charakter. Die sagenhafte Raumlenker-Achse allein macht noch keine exzellente Straßenlage, eine günstige Gewichtsverteilung ist ebenso wichtig. Der sanfte Riese verhält sich in scharf gefahrenen Kurven ebenso brillant wie die anderen 190er. Es braucht lange, bis er im überzogenen Fahrzustand "überschiebt". Und auch dann bleibt der kompakte Daimler-Benz-Erfolgswagen gut kontrollierbar.

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