Mercedes A 180 CDI gegen VW Golf 1.9 TDI

Mercedes-Benz A 180 CDI gegen VW Golf 1.9 TDI Mercedes-Benz A 180 CDI gegen VW Golf 1.9 TDI

Mercedes A 180 CDI gegen VW Golf 1.9 TDI

— 30.07.2004

Dicht dran am Klassenprimus?

Größer, schöner, reifer: Die neue Mercedes-Benz A-Klasse wuchs auf VW Polo-Format, will aber den Golf schlagen. Gelingt das?

A-Klasse soll im Golf-Revier wildern

Der Angriff rollt. Ab sofort kann die neue A-Klasse (internes Kürzel W 169) bestellt werden. Das Kräftemessen in der Kompaktklasse bekommt so eine frische Komponente. Am 18. September kriegen dann die ersten Kunden ihren Baby-Benz. Und die sollen verstärkt aus dem Golf-Lager rekrutiert werden. Da stellen sich zwangsläufig Fragen: Was dürfen die Kunden erwarten? Lohnt ein Umstieg? Stößt die zweite Auflage der A-Klasse den Golf vom Sockel?

Um all das zu klären, stehen sich A 180 CDI und Golf 1.9 TDI gegenüber, beides Diesel und Fünftürer. Doch technisch gehen Mercedes-Benz und Volkswagen unterschiedliche Wege: One-Box-Design gegen klassisches Steilheck, Sandwich-Bauweise gegen traditionellen Frontantrieb, Van-Anmutung gegen Kompakt-Stilistik, Common Rail gegen Pumpe-Düse, Prestige gegen Perfektion.

So viel vorweg: Der Vergleich objektiver wie subjektiver Kriterien führt zu einer eindeutigen Kaufempfehlung. Anders als im Debütjahr 1997 mit anschließendem Elch-Drama, startet Mercedes-Benz nicht bei null, sondern stürmt aus vollem Lauf gegen die Golfburg.

Komfort und Platzangebot

Aus Fehlern wird man klug. Auch bei Mercedes-Benz. Innen wie außen erscheint die A-Klasse jetzt wertiger. Sie liegt satter auf der Straße. Das A-180-Interieur in Classic-Ausstattung wirkt ähnlich solide und konservativ wie im Golf. Die drei Rundinstrumente sind noch leichter ablesbar. Bei der Bedienbarkeit hat der VW Vorteile. Gravierender sind die Unterschiede beim Sitzkomfort. Während der Golf seine Insasssen tief und zwischen massive Dachpfosten einmauert, sitzt der Fahrer im Mercedes-Benz hoch und noch immer etwas angespannt hinterm Lenkrad. Seine Gürtellinie ist merklich tiefer, das Ambiente luftig.

Dennoch bleibt er in der Länge (3,84 Meter) weit hinter dem VW (4,20). Zusammen mit seiner besseren Rundumsicht ist er beim Rangieren klar im Vorteil. Das Platzangebot auf Vorder- und Rücksitzen ist größer geworden, aber nicht so gut wie im Golf. Dafür glänzt er mit guter Variabilität und mehr Stauraum.

Praktisch: Bei umgeklappten Rücksitzlehnen entsteht eine 1,45 Meter tiefe ebene Fläche, da der Ladeboden um neun Zentimeter angehoben werden kann. Nur allzu schwer darf das Gepäck nicht sein: 370 Kilo Zuladung sind in dieser Wagenklasse eindeutig zu wenig.

Fahrwerk und Motorleistungen

Auch beim Fahrkomfort erreicht der kleine Mercedes-Benz kein Golf-Niveau. Die Stuttgarter werben mit einer neuartigen, sphärischen Parabel-Hinterachse sowie einem selektiven Dämpfersystem. Beides soll Komfort und Fahrdynamik verbessern, doch in der Praxis muss sich der W 169 dem VW und dessen Raumlenkerhinterachse geschlagen geben. Der Benz federt straff und komfortabel, neigt aber zu Nickschwingungen und Aufbaubewegungen. Der Golf ist die Ruhe selbst, fährt in einer anderen Klasse.

Den Elchtest besteht die A-Klasse dank Serien-ESP souverän. Das Eingangstempo ist niedriger als beim Golf, der mit seiner sehr präzisen und gefühlvollen Lenkung mehr Vertrauen ins Fahrwerk verleiht. Mercedes-Benz verbaut wie VW ein elektromechanisches System (Lenkkraftunterstützung mittels E-Motor statt Hydraulik). Leider bietet das sehr leichtgängige Steuerrad zu wenig Rückmeldung und erfordert viel Lenkarbeit, die zudem durch eine leicht verkrampfte Sitzposition erschwert wird.

Umgekehrtes Bild bei den Motoren. Hier zeigt der Stern bessere Manieren. Nur im Stand verursacht das gut gekapselte CDI-Aggregat dieseltypisches Zittern. Kraftvoll, ohne Anfahrschwäche legt es mit kehligem Geräusch los. Alle sechs Gänge flutschen tadellos. Beim Schalten kollidiert aber der Ellbogen mit der Mittelarmlehne. Der Golf hat fünf Fahrstufen, schaltet sich ebenso geschmeidig, doch der TDI knurrt lauter und vibriert mehr. Bei Beschleunigung, Elastizität und Verbrauch sind beide nahezu ebenbürtig.

Kosten und Ausstattungen

Geht's ums Geld, spricht alles für den VW. Der A 180 kostet nicht nur satte 1757 Euro mehr, Mercedes-Benz langt auch bei den Extras kräftig hin. Sogar für eine Lenkrad-Längsverstellung müssen 159 Euro bezahlt werden! So bleibt der Golf beim Duell "teuer" gegen "noch teurer" vorn. Nur sein Vorsprung ist merklich kleiner geworden.

Technische Daten und Testwerte

Standfest und gut: Beide Bremsanlagen arbeiten tadellos. Mit 16-Zoll-Reifen erzielen sie Verzögerungswerte um die 39 Meter. Fadingerscheinungen kennen diese Bremsen nicht.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jörg Maltzan Fährt die neue A-Klasse dem Golf davon? Das Foto trügt, denn zu offensichtlich sind die Nachteile des hoch bauenden Sandwich-Systems im direkten Vergleich mit dem klassischen Kompakt-Konzept. Der VW ist einen Tick souveräner und tendiert beim Komfort zur Mittelklasse. Da kann das jüngste Benz-Baby nicht mithalten. Sein Fahrwerk wirkt schlechter entkoppelt und nervöser. Fahrleistungen, Qualität und Komfortausstattung sind nahezu identisch, müssen beim Mercedes-Benz aber viel teurer bezahlt werden. Für 21.402 Euro gibt es einen kompakten Diesel mit Stern, riesigem Kofferraum und guter Variabilität. Wer das alles nicht braucht, sollte Golf kaufen.

A-Klasse oder Golf – Ihre Meinung ist gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für VW Golf Trendline 1.9 TDI und Mercedes-Benz A-Klasse 180 CDI Classic. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

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