Mercedes-AMG E 63 S als Polizeiauto

Mercedes-AMG E 63 S: Fahrbericht

Der kriegt sie alle!

Ein Streifenwagen – den es so nicht gibt. Wir haben aus der stärksten aller E-Klassen was Neues gebaut. Eine Verfolgungsjagd auf dem Contidrom.
Die innere Sicherheit –  eines der zentralen Themen unserer Zeit. Wie schützt man die Bevölkerung zuverlässig? Was tun gegen Einbrecherbanden? Wir hätten da einen Vorschlag: Wie wäre es mit böseren Polizeiautos beim Kampf gegen das Böse? Weg mit den klapprigen VW-Bussen, den gemütlichen Passat oder gar den Opel Corsa, wie sie die Berliner Polizei fährt. Selbst der beliebte Mercedes im Polizeieinsatz, eine E-Klasse mit schnarchigem 220-CDI-Motor, gewinnt im Ernstfall kaum einen Wettlauf gegen das Verbrechen. Es sei denn, das Böse ist selbst unsportlich unterwegs.

Kraft ist jederzeit im Überfluss vorhanden

Beschleuniger mit Bullenkraft: Der vier Liter große Biturbo-V8 mobilisiert 612 PS und 850 Nm.

Also aufrüsten! Wir haben mal etwas gegen das Verbrechen organisiert. Und sorgen für mehr Schub für die Schupos: Speziell Mercedes kann deutlich brutaler, hat nach unserer Meinung das optimale Einsatz-Gerät im Programm. Der neue Mercedes-AMG E 63 S 4Matic + hat 612 PS im Holster, holt sagenhafte 850 Nm Drehmoment aus einem mächtigen 4,0-Liter-V8. Zwei Turbos – je als Twinscroll-Modul ausgeführt – pusten eine gehörige Portion Extraluft in die acht Brennsäle. Wir haben aus diesem Bullen von einem Auto den brachialsten Einsatzwagen Deutschlands gestrickt. Besser gesagt: geklebt. Auf die 1980 Euro teure Lackierung in "Diamantweiß bright" des Serienwagens haben wir sogenannte Oracalfolie in Verkehrsblau 5017 gepappt – fertig ist der typische Hamburger Peterwagen (so heißen hier bei uns die Einsatzautos). Dazu Schriftzug, reflektierende Markierungen und Blaulicht. Statt Martinshorn ein betörend biestig brüllender Motor – nach einem Tag "Umbau" rasen wir zum ersten Einsatz.
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Das dicke E sprintet in der Liga der Supersportler

Schneller als die Polizei erlaubt: Der E 63 S stürmt in 3,3 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100.

Unser Revier: Das Contidrom bei Hannover, der typische AUTO BILD Parcours für ganz schnelle Typen. Zur Einordnung musste die E-Klasse natürlich – wie alle Sportwagen bei uns – gegen die Stoppuhr anrennen. Mit einem derart großkalibrigen Ballermann unter der Haube spielt ein 63er schließlich mitten in der Liga der Supercars. In 3,3 Sekunden sprintet die E-Klasse auf Tempo 100. Das hält sogar einen Lamborghini Gallardo in Schach! Das Spektakuläre an der Sache: Selbst der verschlafenste Beamte könnte derartige Supersprints mit einem Donut in der Hand hinlegen. Die E-Klasse verfügt nämlich über eine Race-Start-Funktion. Vollgas mit rechts, linken Fuß von der Bremse und die immerhin zwei Tonnen schwere Limousine stürzt sich beängstigend eskalierend in die Verfolgungsjagd. Die ganz wenigen bösen Jungs, die diesen ersten Angriff noch abwehren könnten, würden spätestens in der ersten Kurve ihr weißblaues Wunder erleben. Der mächtige E 63 AMG kann nämlich auch unerwartet handlich und zielgenau.
Dafür haben die Mercedes-Tuner von AMG tief in die Technik-Trickkiste gegriffen und reichlich Spezialausrüstung in die E-Klasse eingebaut. Ein Dreikammer-Luftfedersystem hält den Wagen auch bei extremen Richtungswechseln nahezu aufrecht, steife Anbindungen der Fahrwerkslenker sowie eine Lenkung mit Feingefühl im Promillebereich lassen den Polizeisportler ebenso zackig wie präzise folgen. Eine Keramik-Verbundbremsanlage bringt die Fuhre zuverlässig wieder zum Stehen.

Der Allradantrieb kann die Vorderachse entkoppeln

Kommt quer: Per Tastendruck schaltet der Allrad- auf Heckantrieb um – und erlaubt spektakuläre Drifts.

Die Durchzugskraft raubt den Atem, der Klang des V8 benebelt, und die extreme Seitenführung in Verbindung mit einem sehr beherrsch- und berechenbaren Fahrverhalten verbindet dich ganz dicht mit der Straße – du bist auf fast unspektakuläre Weise enorm schnell unterwegs. Ein besonderes Allradprinzip wuchtet das tierische Drehmomentpfund sehr schnell und feinfühlig zwischen den Achsen hin und her. Auf Tastendruck kann das Auto sogar die Vorderachse entkoppeln (eine elektromechanische Kupplung trennt dann den Kraftfluss) und allein die Hinterräder durchdrehen lassen – Vernebelung heißt wohl diese Taktik. Kurz: Fluchtwagen frisst der 63er zum Frühstück, Gangster grollt er in Grund und Boden, Einbrüche lässt er sich allenfalls in Sachen Leistungsentfaltung oberhalb von 6000 Umdrehungen gefallen. Dieser Wagen ist eine echte Waffe! Allerdings hätte das AMG-Einsatzkommando einen entscheidenden Haken. Beim Preis von rund 136.000 Euro sowie 260 Euro für jeden einzelnen Hinterreifen (!) hätte ein Polizeipräsident den Fuhrparketat ruckzuck aufgeraucht.
Technische Daten Mercedes-AMG E 63 S +: • Motor V8, Biturbo, vorn längs • Hubraum: 3982 cm³ • Leistung: 450 kW (612 PS) bei 5750/min • max. Drehmoment: 850 Nm bei 2500/min • Antrieb: Allradantrieb, Neunstufenautomatik • Leergewicht: 2036 kg • Vmax: 300 km/h • 0–100/200 km/h: 3,3/10,9 s • Bremsweg 200/100-0 km/h: 139,2/34,4 m • Testverbrauch: 13,5 l SP • Abgas CO2: 320 g/km • Preis: 135.482 Euro

Autor: Jan Horn

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