Mercedes AMG GT vs. Porsche 911

Mercedes-AMG GT/Porsche 911: Vergleich

— 16.09.2014

Der GT wird den Elfer ärgern

Das heißeste Duell 2015: AMG GT gegen 911 – mit einem reinrassigen Sportwagen in der 100.000-Euro-Liga greift Mercedes Porsche an.

Zwischen den Stammsitzen von Porsche und AMG, Zuffenhausen und Affalterbach, liegen nur 20 Kilometer. Manchmal sind das Welten. Während sie bei Porsche seit über 50 Jahren mit dem Elfer das Urmeter aller deutschen Sportwagen bauen, tunen die AMG-Ingenieure seit 1967 Mercedes-Limousinen und -Geländewagen. Erst vor vier Jahren brachte die Daimler-Tochter mit dem SLS den ersten selbst konstruierten Sportwagen. Doch der war zu groß und vor allem zu teuer, um Porsche ernsthaft attackieren zu können. Das dürfte sich im kommenden Frühjahr radikal ändern.

Mit dem AMG GT dürfte der Angriff auf Porsche gelingen

Ein Anblick, der keinen Zweifel lässt: Dieser Mercedes will dem Porsche 911 gehörig Marktanteile abjagen.

Dann nämlich kommt der Nachfolger des SLS auf den Markt: der Mercedes-AMG GT. Ein waschechter Racer, der viel kompromissloser auftreten darf als der über Jahrzehnte geschliffene Elfer. Schon die aggressive Front mit dem großen Stern und den riesigen Kühlnüstern zeigt: Dieser Benz meint es ernst. Verdammt ernst. Wie erfrischend der GT auftritt, zeigt sich im direkten Vergleich mit dem Elfer. Wo sich der Porsche bei jedem Modellwechsel mit dem Ballast der Geschichte immer nur gerade so wenig verändern darf, um wieder modern zu sein, konnte Mercedes-Chefstylist Gorden Wagener beim GT quasi auf dem weißen Blatt Papier beginnen – okay, ein paar Zitate an den legendären Flügeltürer 300 SL waren dann doch gewünscht. Heraus kam ein rassiges Sportgerät, das erfrischend progressiv wirkt, ohne in die peinliche Ecke "Fahrer ist ein Fußballprofi" abzurutschen. Während sich der GT also optisch komplett vom Elfer unterscheidet, haben sie in Affalterbach technisch bei Porsche stibitzt. Nicht vom Elfer, der wie eh und je auf das fahrdynamisch eher unvorteilhafte Heckmotor-Konzept setzt. Sondern bei 924 und 928, die bereits Ende der 1970er-Jahre das Transaxle-Konzept nutzten, also die Kombination aus Frontmotor und im Heck verbautem Getriebe.
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Den Porsche 911 sollte man zu keiner Zeit unterschätzen

Das zeite Gesicht des Porsche: Sobald der Elfer auf der Rennstrecke ist, dreht er so richtig auf.

Das ist gut für die Gewichtsverteilung, die beim GT bei nahezu idealen 47:53 liegt. So dürfte schon heute klar sein: Der GT ist kein blasierter Showstar für die Boulevards dieser Welt, sondern ein ernst zu nehmender Sportwagen. AMG-Boss Tobias Moers verspricht, dass der GT höchste Ansprüche bei "Fahrdynamik, Agilität und Sportlichkeit" erfüllt. Muss er auch – denn in einem sollte man sich beim Elfer nicht täuschen: dass er über die Jahre ein Weichling geworden sei. Zwar federt der Porsche im Alltag durchaus verbindlich, eher wie eine Sportlimousine. Auf der Rennstrecke aber verändert er seinen Charakter komplett. Da beißt er wie eh und je, ist immer für einen Rundenrekord gut. So verbissen will der GT gar nicht sein. Er setzt vor allem auf ein klassisches Sportwagenprinzip: Leistung. Wo dem Carrera S ein Sechszylinder-Boxer ohne Aufladung mit 400 PS reichen muss, darf der neu entwickelte V8-Biturbo in seiner kleinsten Ausbaustufe bereits 462 PS auf die Kurbelwelle wuchten. Die schärfere S-Version wildert mit 510 PS bereits im Revier des 911 Turbo.
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Trotz Leistungsdefizits kann der Porsche aber bereits bei den Papierwerten gut mithalten. So beschleunigt der GT zwar in vier Sekunden von null auf 100, der Porsche braucht aber trotz 62 PS weniger nur eine Zehntelsekunde länger. Das kontert der GT gelassen mit einem Sound, der süchtig macht: Röcheln, sprotzeln, blubbern – der Benz beherrscht die ganze Klaviatur, fast schon obszön, wie wir uns bei einer ersten Hörprobe überzeugen konnten.

Beim Innenraumdesign hat Mercedes die Nase vorn

Der AMG GT ist geräumig und komfortabel wie der Porsche, er wirkt allerdings sehr viel moderner.

Erstaunlich bei beiden Konkurrenten, wie komfortabel sie im Innenraum geworden sind. Platz selbst für große Fahrer ist ausreichend vorhanden. Nur eben völlig unterschiedlich interpretiert. Auch bei den Cockpits wird klar, dass diese beiden Sportwagen aus unterschiedlichen Welten kommen. Der Elfer ist nüchtern gestaltet, bestens verarbeitet und mit edlen Materialien ausgestattet. Aber es gibt auch Kritik. Zum Beispiel an der Schalterflut auf dem Mitteltunnel und am Multimediasystem, das trotz horrender Preise auf dem Stand von vorgestern ist. Nicht einmal eine Stauumfahrung mit Echtzeitverkehrsdaten, wie sie jedes Nachrüst-Navi für wenige Hundert Euro bietet, haben die Zuffenhausener im Programm. Hier ist der AMG viel moderner. Mit großem Bildschirm, eingebettet in eine Cockpit-Landschaft, gegen die der konservative Elfer-Look wirkt, als sei er einem Nostalgie-Film entsprungen. Auch im Benz dominieren feinste Materialien, liebevoll verarbeitet – und dank aufgeräumter Mittelkonsole auch bestens zu bedienen.

Bleibt die spannende Frage nach dem Preis. Schließlich begibt sich Mercedes mit dem GT erstmals direkt in das Revier des Elfers; die Reichen dieser Welt schauen hier – wenn schon nicht auf den Cent – zumindest auf den Euro. Offizielle Zahlen gibt es noch nicht. Also spekulieren wir mal: Der Elfer kostet als S-Version mit Doppelkupplungsgetriebe knapp 110.000 Euro. Wir schätzen, dass der Grundpreis des GT dichter daran liegt als Affalterbach an Zuffenhausen.
Fahrezugdaten Mercedes AMG GT Porsche 911 Carrera S PDK
Motor V8, Biturbo, vorn längs Sechszylinder-Boxer, hinten längs
Hubraum 3982 cm³ 3800 cm³
Leistung 340 kW (462 PS) bei 6000/min 294 kW (400 PS) bei 7400/min
Drehmoment 600 Nm bei1600/min 440 Nm bei 5600/min
Vmax 304 km/h 302 km/h
0–100 km/h 4,0 s 4,1 s
Antrieb Hinterrad Hinterrad
Getriebe Siebengang-Doppelkupplung Siebengang-Doppelkupplung
Leergewicht 1615 kg 1510 kg
Verbrauch EU-Mix 9,3 l SP 8,7 l SP
CO2 216 g/km 202 g/km
Preis ca.110.000 Euro 108.684 Euro

Autor:

Stefan Voswinkel

Fazit

Wow, was für ein Sportwagen! Aus dem Stand hat AMG einen ernsthaften Konkurrenten zum Elfer gebaut, der dem Porsche dichter ans Blech fahren dürfte, als es die Zuffenhausener gewohnt sind. Der Benz startet Anfang 2015. Wir können uns auf einen heißen Sommer freuen.
 

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