Mercedes-AMG GT R (2016): Fahrbericht

Mercedes-AMG GT R (2016): Fahrbericht

Mercedes-AMG GT R (2016) im Test: Fahrbericht

— 13.12.2016

Pisten-Spektakel mit der grünen Mamba

585 PS, 700 Nm Drehmoment: AUTO BILD drehte im Mercedes-AMG GT R eine schnelle Runde. So giftig ist die grüne Mamba auf der Piste!

Nein, als lahme Ente ist der Mercedes-AMG GT bisher nicht verschrien. Was das Auto auf der Rennstrecke kann, hat sich spätestens mit dem Vierfach-Sieg der GT3-Variante beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring im Mai 2016 gezeigt. Jetzt kommt mit dem GT R die straßentaugliche Variante des Nordschleifen-Siegers. AUTO BILD hat die giftgrüne Mamba aus der grünen Hölle auf der Rennstrecke in Portimao getestet!
Auf einen Blick: Das ist der AMG GT R

Wer aus der grünen Hölle kommt, den dürfte nichts mehr schrecken. Wie als Markenzeichen dafür hat AMG dem GT R eine Sonderlackierung verpasst. "Green Hell Magno" heißt das matte Grün, das ausschließlich dem GT R vorbehalten bleiben wird. Aber das ist nicht nur Fassade. Entwickelt wurde der Super-GT für die Straße maßgeblich auf der Nordschleife des Nürburgrings. Und: Diese giftgrüne Mamba hat einiges an Technik vom 24-Stunden-Sieger GT3 geerbt. Schon in der Primeira, der ersten Kurve nach der Start-Ziel-Geraden, zeigt uns die giftgrüne Mamba ihre Beweglichkeit. Mit dem Heck leicht schwänzelnd steht der GT R auf der Vorderachse und lässt sich auf der Bremse herrlich feinfühlig ums erste Eck steuern. An unserem Testwagen ist die Keramik-Bremsanlage mit ihren pizzatellergroßen Scheiben (40,2 cm vorne, 36 cm hinten) montiert. Die verleiht dem GT R eine Verzögerung wie Lucky Lukes Pferd Jolly Jumper bei einer Vollbremsung kurz vor der Schlucht.

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Der AMG GT R klebt fest am Asphalt

Der Mercedes-AMG GT R gehört zu den Stars des Festival of Speed im britischen Goodwood.

Die Frontschürze des GT R ist eine Weiterentwicklung des A-Wings, der nun Jet-Wing heißt. Der lädt nicht nur optisch breiter aus, sondern fächert den Bremsscheiben in den Radhäusern und dem V8 unter der Haube auch deutlich mehr Luft zu. Oder auch nicht, denn elektronisch gesteuerte Lamellen im unteren Teil der Frontschürze regeln die Luftzufuhr automatisch. Nur wenn der Kühlbedarf hoch ist, öffnen sie – bei Topspeed oder in Kurven leiten sie in geschlossenem Zustand die Luft unter dem Fahrzeug durch. Neu entwickelt wurde auch die Unterboden-Aerodynamik, wo ein Karbon-Element bei höheren Geschwindigkeiten ab 120 km/h (Race-Modus: 80 km/h) um etwa vier Zentimeter nach unten ausfährt und so für einen Ansaugeffekt an die Straße sorgt. Damit klebt die Mamba so am Asphalt, dass man ihr glatt zutrauen würde, auch die Wände hochzufahren.
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700 Newtonmeter schieben den GT R an wie einen ICE

Fast zu schnell für die Kamera: In 3,6 Sekunden beschleunigt der GT R von 0 auf 100 km/h.

Durch die breitere Spur und die zusätzlichen Lufteinlässe seitlich wird der Anpressdruck auf der Vorderachse deutlich erhöht. Das wird förmlich spürbar, als wir über die Kuppe auf die Torre-Vip-Kurve zuschießen. Der GT-R klebt selbst am Scheitelpunkt noch am Boden und nimmt so viel Geschwindigkeit mit, dass die Torre Vip auch ohne Spitzkehre eine Herausforderung wird. Dann stürmt die grüne Mamba mit einem Höllengeschrei der nächsten Kuppe entgegen. 700 Newtonmeter Drehmoment schieben die 1630 Kilogramm schwere Fuhre wie einen ICE den Berg hinauf. Es steht auf einem fast unglaublichen Plateau zwischen 1900 und 5500 Umdrehungen zur Verfügung. Das Dach und die Kotflügel sind übrigens aus Carbon gefertigt. Zusammen mit zahlreichen kleineren Sparmaßnahmen bleibt der GT-R trotz mehr Technik 90 Kilo leichter als der GT S.

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Der Sound im Race-Modus ist infernalisch

Der vier Liter große V8 hat im GT R zwei neue Turbolader mit veränderter Geometrie.

Der vier Liter große V8 hat im GT R zwei neue Turbolader mit veränderter Geometrie bekommen. Der Ladedruck wurde von 1,2 auf 1,35 Bar erhöht, die Auslasskanäle optimiert. Ergebnis: Dieser Mercedes-AMG hängt mit seinen 585 PS in fast jeder Situation hungrig am Gas. Jeder Millimeter Hub am Pedal wird über das ebenfalls überarbeitete Siebengang-Speedshiftgetriebe willig in Vortrieb umgesetzt. Orchestriert wird das Spektakel übrigens von einer eigens für den GT R entwickelten Sport-Abgasanlage. Zwei stufenlos verstellbare Klappen bestimmen den Sound des Höllenkinds. Im Comfort- und im Sport-Modus brabbelt der V8 sonor vor sich hin. Im Sport+ oder im Race-Modus steigert sich der Biturbo jedoch zu einem Inferno aus vier Endrohren. Zwei davon sitzen zentral in der Heckschürze, die beiden anderen, wegen der Hitzeentwicklung mit Karbon ummantelt, links und rechts im Heckdiffusor.

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Dank Allradlenkung schlängelt sich der GT R um Kurven

AUTO BILD-Redakteur Markus Mechnich heizte im GT R auf der Rennstrecke in Portimao.

Wir stürmen mit dem GT R aus der Sagres, der vorletzten Kurve der Rennstrecke in Portimao, auf die letzte, die Galp, zu. Wieder geht es blind in diese Kurve, in der sich der GT R mit zunächst konstantem und dann progressivem Gas auf die Zielgerade katapultieren lässt. Im Race-Modus wird der GT R übrigens nicht nur laut, auch die Abstimmung des ESP wird auf Rennmodus umgeschaltet. Wer dann noch das ESP per langem Tastendruck ganz ausschaltet, der kann über einen gelben Drehregler in der Mittelkonsole die Traktion der Hinterachse selbst feinjustieren. Aber Vorsicht: Damit kann die Mamba auf der Rennstrecke zum unberechenbaren grünen Giftpfeil werden! Neben der fast perfekten Gewichtsverteilung (47,3 zu 52,7 Prozent) kommt auf der Strecke auch der Vorteil der Allradlenkung zum Tragen. Schon in den engen Kehren schlängelt sich die Mamba flink um die Ecke. Bis zu einer Geschwindigkeit von 100 km/h lenken die hinteren Räder mit einem Winkel von bis zu 1,5 Grad gegen den Einschlag vorne. Virtuell wird so der Radstand verkürzt und der benötigte Kurvenradius reduziert. Hier in der schnellen Galp lenken die hinteren Räder in die gleiche Richtung wie die vorderen. So wird der Radstand virtuell verlängert, mehr Seitenführung aufgebaut und mehr Grip an der Hinterachse aufgebaut.

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In 3,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h

Mit Vollgas rennt das Kind der grünen Hölle die Start-Ziel-Gerade hinab. Die 318 km/h Höchstgeschwindigkeit sind hier nicht zu erreichen. Die 3,6 Sekunden, die der GT R für das Erreichen von Landstraßentempo 100 brauchen soll, werden allerdings absolut glaubhaft. Auf knapp 260 km/h bringt es der AMG hier bis zum Bremspunkt. Dann greift wieder Karbon auf Keramik, und der Spaß einer neuen Runde mit der grünen Mamba in Portimao beginnt aufs Neue.

Mercedes-AMG GT R (2016): Fahrbericht

 
Autor:

Markus Mechnich

Fazit

Dieser Sportwagen ist wirklich ein Kind der anspruchsvollsten Rennstrecke der Welt, der Nordschleife. Der GT-R bringt alles mit, was es ein Supersportler braucht. Der brachiale Auftritt passt zum infernalischen Orchester des V8 und dazu kommt ein Handling vom Feinsten. Die grüne Mamba aus der grünen Hölle fühlt sich wirklich auf jeder Rennstrecke zu Hause. Ab März 2017 wird sie auch die Showrooms der Händler bereichern. Die Kunden wird der Mercedes-AMG GT-R aber erst mal um mindestens 165.410 Euro ärmer machen.

Stichworte:

Sportwagen V8

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