Erste Mitfahrt im Mercedes-AMG GTS

Mercedes-AMG GTS: Erste Mitfahrt

— 15.10.2014

Erste Testfahrt im Mercedes-AMG GT

Mit dem AMG GT baut Mercedes einen herrlich ehrlichen Sportwagen, der es mit den Allerbesten aufnehmen kann. Das zeigt unsere weltexklusive Mitfahrt mit DTM-Champion Bernd Schneider.

Manchmal ist es ganz einfach. Um den neuen Mercedes-AMG GT zu verstehen, braucht niemand viel zu erklären wie bei den SUV-Van-Coupé-Dingern, die in letzter Zeit unsere Straßen bevölkern. Es reicht ein kurzer Druck auf den Startknopf. Böse bollernd, sprotzelnd, klanggewaltig springt der neu entwickelte Achtzylinder an und lässt keinen Zweifel daran, wofür dieses Auto gebaut ist: um Spaß zu haben, sonst nichts! Das macht den Mercedes extrem sympathisch und ist fast schon anachronistisch in einer Zeit, in der runtergehungerte Motörchen und niedriger CO2-Ausstoß als Maßstab für gelungene Ingenieurleistungen gelten.

Ein Klappenauspuff sorgt für sozialvertäglichen Sound

Video: Mercedes-AMG GT (2014)

Erste Fahrt im neuen AMG GT

Träumen ist also ausdrücklich erlaubt. Und notwendig. Denn noch dürfen wir den GT nicht fahren – aber einen weltexklusiven Ritt auf dem Beifahrersitz konnten wir AMG abtrotzen. Als Chauffeur für diese erste Testfahrt haben wir Bernd Schneider ausgesucht. Der ist nicht nur einer der erfolgreichsten und bekanntesten Motorsportler Deutschlands, sondern war auch maßgeblich an der Entwicklung des Sportlers beteiligt. Schon kurz nach dem bereits beschriebenen Urschrei beim Zünden fällt der Motor in einen zufriedenen Leerlauf, brabbelt brav vor sich hin. Das liegt am serienmäßigen Klappenauspuff, der das Geräuschniveau im Stadtverkehr auf ein sozialverträgliches Maß begrenzt. GT heißt "Gran Turismo", also große Reise. Und genau das beherrscht der AMG perfekt. Erstaunlich unprätentiös nimmt der Mercedes Fahrt auf. Eben kein lautes Brüllen wie bei einem Ferrari, kein hölzernes Abrollen wie bei einem Porsche.

Im Dynamik-Modus macht der Mercedes Gänsehaut

Fahrmaschine: Der GT federt geschmeidig, seine Leistung stellt der Biturbo-V8 fast beiläufig bereit.

Der GT ist aus anderem Holz geschnitzt, federt geschmeidig, die Sportschalensitze bieten genau den richtigen Kompromiss zwischen flauschigem Komfort und notwendigem Seitenhalt, der Biturbo-Motor schüttelt fast schon beiläufig immer ausreichend Leistung aus dem Ärmel, und das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe verschleift die Gänge ohne unfeines Ruckeln. Sehr souverän, dieser Sportler. Ganz nebenbei zeigt der GT, warum es gut ist, dass sie bei AMG mit diesem Coupé den Elfer nicht kopierten, sondern ihm ganz eigene Züge mitgegeben haben. Er hat einen ehrlichen Charakter. Ruht in sich, gibt dem Fahrer mit jedem Gasstoß, mit jeder Lenkraddrehung das Gefühl, mit dem Auto eins zu sein – wie wir am zufriedenen Grinsen im Gesicht von Bernd Schneider sehen können. Als wir Stadtverkehr und Autobahn hinter uns lassen, um auf winkeligen Landstraßen das Fahrverhalten auszuloten, zeigt der GT seine andere Seite – der kann auch richtig böse.

Der Dynamik-Modus schärft den doppelt aufgeladenen Achtzylinder, das Fahrwerk verwandelt das Coupé in einen waschechten Racer. Und erst der Sound! Knapp über 3000 Umdrehungen beginnt der Über-Mercedes zu kreischen und Gänsehaut zu erzeugen. Schneider bleibt auf dem Gas, aus den riesigen Endrohren legt sich ein beeindruckender Klang in das bergige Stuttgarter Umland.

Der GT kommt auch ohne elektronische Fahrhilfen aus

Das gefällt dem DTM-Champion: Präzise lenkt der GT ein, bleibt bis in den Grenzbereich neutral.

Eigentlich kaum zu steigern, aber als der Ex-DTM-Fahrer vor der ersten Kurve vom Gas geht, entweichen dem Auspuff rotzig blubbernde Töne. Zack, ganz automatisch stehen die feinen Härchen auf den Armen schon wieder senkrecht – dieses Auto haben Menschen mit Benzin im Blut geschaffen! Das zeigt auch das Handling. Präzise lenkt der GT ein, bleibt bis in den Grenzbereich neutral. Unschönes Untersteuern jedenfalls haben sie ihm dank der ausgewogenen Gewichtsverteilung von 47 : 53 Prozent gar nicht erst antrainiert. Noch nie war ein Mercedes so sportlich. "Ich habe noch keinen so ausbalancierten Straßensportwagen  gefahren", gibt Schneider zu Protokoll. Um zu zeigen, was er meint, deaktiviert er alle elektronischen Fahrhilfen. Bremst extrem spät in Kurven herein, geht früh aufs Gas. Die Traktion ist perfekt, selbst wenn du auf der letzten Rille unterwegs bist. Kein instabiles Heck, keine hilflos nach Grip suchenden Hinterräder.

Als der AMG am Ende unserer Testfahrt knisternd am Straßenrand auskühlt, stellen wir die Preisfrage – in dieser Klasse rechnen selbst die Reichen, wenn auch nicht mit dem Cent. 134.351 Euro wird der GT als "S" mit 510 PS kosten – angesiedelt zwischen 911 Carrera S und Turbo. Hier steht er, der schärfste Gegner des Elfers. Ganz einfach.

Technische Daten Mercedes-AMG GTS • Motor: V8, Biturbo, vorn längs • Hubraum: 3982 cm3 • Leistung: 375 kW (510 PS) bei 6250/min • max. Drehmoment: 650 Nm bei 1750/min • Vmax: 310 km/h • 0–100 km/h: 3,8 s • Antrieb: Hinterrad • Leergewicht: 1645 kg • L/B/H 4546/1939/1288 mm • Kofferraum: 350 l • Tankinhalt: 65 l • EU-Mix: 9,4 l SP/100 km • Abgas CO2: 219 g/km • Preis 134.351 Euro.
Autor:

Stefan Voswinkel

Fazit

Es gibt Dinge, die vergisst du in deinem Leben nie. Der Tag mit dem AMG GT gehört dazu. Selten habe ich so viel Spaß gehabt, ein derart faszinierendes Auto erlebt. Fehlt nur noch selbst fahren – ich kann es kaum erwarten …

Stichworte:

Sportwagen

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