Mercedes-AMG S 65 Coupé: Fahrbericht

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Mercedes-AMG S 65 Coupé: Fahrbericht

— 14.01.2015

Zwölfzylinder mit Kraft im Überfluss

Kein anderer Pkw von Mercedes ist so stark und so teuer wie das neue S 65 Coupé von AMG. Wir sind den Überflieger gefahren.

Video: Mercedes-AMG S 65 Coupé

Der Zwölfzylinder-Benz

Darf's ein bisschen mehr sein? Die Frage stellen die Verkäufer bei AMG am liebsten. Und weil es noch immer genügend Kunden gibt, die darauf mit einem begeisterten Ja antworten, halten sie in Affalterbach in Treue fest am Zwölfzylinder. Der Sechsliter ist für viele reiche Raser dieser Welt das Maß der Dinge – und als 65er mit 630 PS und einem nur mit Rücksicht aufs Getriebe auf 1000 Nm beschränkten Drehmoment das Kronjuwel der schnellen Schwaben. Durch seinen Einbau erhebt jener Zwölfzylinder jedes Auto endgültig in den Adelsstand – auch wenn sich dadurch der Preis mal eben verdoppelt. So wie beim neuen S 65 Coupé, das als jüngster Neuzugang in dieser feinen Familie mit 244.010 Euro in der Liste steht und so zum teuersten Pkw im Programm der Schwaben wird.
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Zurückhaltung? Keine Stärke des S 65 Coupé

Wo der große Zweitürer sonst mit einer athletischen Eleganz auftritt und seinen Pelz nach innen trägt, fährt dieser Sportler in einem schillernden Smoking vor und bürstet den Nerz nach außen. Denn die Russen, Chinesen und Araber, bei denen das S 65 Coupé am weitesten oben auf der Bestellliste steht, die haben es nicht so mit der Zurückhaltung. Die zeigen lieber, wie dicke sie es haben. Wenn der Preis dabei noch mal ein bisschen steigt, ist das für beide Seiten deshalb kein Schaden.

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Aber nicht alles, was teuer ist, ist auch gleichzeitig schön. So muss man zwar tief in die Tasche greifen, damit in den LED-Scheinwerfern je 47 Swarovski-Kristalle funkeln (3332 Euro). Auch die "Manufakturlackierung" in Allanitgrau Magno (4153 Euro) oder die Hochglanz-Waben im Kühlergrill gibt's auch nicht umsonst. Doch zumindest in der westlichen Werteordnung wirkt die schillernde Front des Luxussportlers jetzt ein bisschen wie der wollüstige Mund einer Traumfrau, in dem beim leidenschaftlichen Kuss eine riesige Zahnspange glitzert. Aber in Moskau, Miami oder Macao sieht das wahrscheinlich ganz anders aus.

Der Sound ist verhaltener, als man es erwarten würde

Während man den Auftritt durchaus unterschiedlich bewerten kann, dürften sich beim Antrieb in ihrem Urteil alle einig sein: Wahnsinn. Der S 65 hat Kraft im Überfluss und atomisiert jedes einzelne der 2185 Kilo. Mit einer gespenstischen Mühelosigkeit beschleunigt er in 4,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Und wenn der Angstschweiß nicht so hässliche Flecken auf den hellen Polstern der kuschligen Sportsitze hinterlassen würde – man könnte sich das Limit von 250 auf 300 km/h anheben lassen und mit dem Luxusliner die meisten Sportwagen von der linken Spur fegen. Was der Wagen dabei verbraucht? Die Frage entlockt dem gemeinen AMG-Kunden ohnehin nur ein höfliches Lächeln. Auf dem Prüfstand antwortet der Fahrer mit: 11,9 Liter.

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Aber selbst mit der Leistung eines Lamborghini und dem Sprintwert eines Ferrari bleibt eine S-Klasse immer eine S-Klasse und auch der AMG wahrt jederzeit die Contenance. Deshalb klingt der Zwölfzylinder durch den Klappenauspuff ein bisschen verhaltener, als man es erwarten würde. So als habe der selige Joe Cocker vor seinem Urschrei in "With a little help from my friends" mit Kamillentee gegurgelt. Die siebenstufige Automatik schaltet auch im Sportprogramm nur in einem sanft gedämpften Stakkato. Und das adaptive Sportfahrwerk ist zwar knochentrocken, wahrt aber zumindest so viel Restkomfort, dass einem nicht der Champagner aus dem Kelch perlt und über das Designo-Nappa schäumt.

Gewicht spielt hier genauso wenig eine Rolle wie der Preis

Zumal der S 65 AMG seine 2,2 Tonnen auch mit Active Body Control und vorausschauender Kurvenneigefunktion ohnehin nicht ganz verhehlen kann. Wenn er sich tapfer durch enge Kurven kämpft und man sich schnell wieder nach weiteren Radien sehnt, dann klingen etwa die 20 Kilo Gewichtsersparnis durch den Lithium-Ionen-Akku fürs Bordnetz, auf den sie bei AMG so stolz sind, verdächtig nach der Diät-Kirsche auf der Schwarzwälder Torte. Dabei spielt das Gewicht hier genauso wenig eine Rolle wie das Geld. Denn wenn schon Sünde, dann aber bitte mit Sahne. Bei diesem Auto darf es schließlich gerne ein bisschen mehr sein.

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Autor: Thomas Geiger

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