Fahrbericht Mercedes-AMG SL 63

Mercedes-AMG SL 63 im Test: Fahrbericht

— 18.11.2015

Erste Fahrt im neuen AMG SL 63

Mercedes-AMG lässt die Muskeln spielen. SL 63 und SL 65 haben Kraft getankt und sind nun fit für die Cabrio-Saison. Wir haben den 63er ausprobiert.

Breit aufgepumpt parkt er da, strafft die Muskeln, zuckt kurz mit dem Bizeps und bollert los. Schon im Stand sagt der frische Mercedes-AMG SL 63: Ich stehe auf Krafttraining, nicht auf Fitness.

Bei der Modellpflege verändert sich die Optik nur behutsam

Große Kühllufteinlässe und der auffällige Frontsplitter machen den Roadster optisch flach und breit.

Die optischen Veränderungen des potenten Sportlers beschränken sich in erster Linie auf die Frontpartie: Neuer "Twin-Blade"-Kühlergrill mit den AMG-typischen "A-Wing"-Frontspoiler, Motorhaube mit Powerdomes. Die großen Kühllufteinlässe und der auffällige Frontsplitter lassen den Roadster sehr flach und breit aussehen, die Außenspiegel sind nun in die Tür integriert. Am Heck unterscheidet sich der SL vom Vorgänger durch die durchgehend roten Leuchten, die Schürze in neuer Diffusor-Optik und den viereckigen Auspuffrohren. Beim SL 65 sind jeweils beide Endrohre miteinander verbunden. Das Cockpit behält sein gewohntes Kombiinstrument mit Zifferblättern und Zeigern. Der Fahrer kann sich über das unten abgeflachte Dreispeichen-Lenkrad mit Nappa-Leder und Alu-Schaltwippen freuen. Ganz klar: Der SL rückt zum Sportler AMG-GT auf.
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Bei der Höchstgeschwindigkeit sind bis zu 300 km/h drin

Optional: Der SL 63 schafft 300 km/h Spitze – wenn das Drivers Package für 3213 Euro an Bord ist.

Doch Optik ist nicht alles. Was beim Bodybuildung zählt, ist die Power, der Tanz auf der Bühne, wo jede Bewegung sitzen muss – neudeutsch Performance genannt. Beim SL 63 heißt das: präziseres Fahren als beim Vorgänger. Und der war schon kein Schlaffi mit Bauchansatz. Unverändert bollert der V8 heiser durch alle Drehzahlregionen, stemmt seine 900 Newtonmeter Drehmoment zwischen 2250 und 3750 Touren auf die Kurbellwelle. Ein kurzer Tritt aufs Pedal – und der SL gibt den Passagieren einen kurzen Nackenschlag, schreit aus den vier Auspuffen und stürmt hemmungslos nach vorn. Das Speedshift-MCT-Siebengang-Sportgetriebe reagiert noch einen Tick schneller als beim Vorgänger, peitscht die Gänge so schnell durch die Box wie Arnie Hanteln stemmt. Aus dem Stand rennt der Roadster mit dem V8 in 4,1 Sekunden, regelt bei 250 km/h ab – zumindest wenn Kunden kein Drivers Package (3213 Euro) bestellt haben. Sonst sind satte 300 km/h drin.

Topspeed ist das eine, Kurven fahren und Handling das andere. Ganz gleich, ob die Fahrprogramme "Comfort", "Sport", "Sport Plus", "Individual" oder "Race" aktiviert sind: Enge Kurven und Landstraßen durchfährt der Roadster noch gieriger, haftet am Asphalt wie Talkum an den Händen eines Gewichthebers. Für eine bessere Traktion erhält der AMG serienmäßig das Hinterachs-Sperrdifferenzial. Das aktive Federungs- und Dämpfungssystem "Active Body Control" bügelt schnell und straff Unebenheiten aus, mit dem "Performance"-Fahrwerk auf Active Body Control-Basis (1785 Euro) geht es noch etwas sportlicher.

Der schwere Roadster zeigt sich in Fahrt durchaus leichtfüßig

Der Mercedes-AMG SL 63 bringt satte 1,8 Tonnen auf die Waage – beim Fahren merkt man davon nur wenig.

Mit der neuen elektronischen Parameterlenkung tanzt der Roadster nun leichtfüßig und exakt bei Richtungswechsel – trotz seines Leergewichts von 1845 Kilogramm. Und ganz gleich, ob geschlossen oder offen, die Karosserie zeigt sich extrem verwindungssteif. Für den perfekten V8-Hörgenuss gibt es aber nur eine Wahl: Dach auf. Kurz den Schalter in der Mittelkonsole drücken und das Verdeck tanzt sich in den Kofferraum, surrt kurz und legt sich im Heck ab. Das klappt jetzt auch bis zu 40 km/h. Die Kofferraum-Abtrennung passt sich automatisch an, je nachdem, ob das Dach geschlossen ist oder im Kofferraum Platz finden muss. Ideal für den Rennanzug am Wochenende. Sollte es bei der zügigen Fahrt auf der Rennstrecke oder Landstraße doch mal eng werden, helfen im "Fahrassistenz-Paket" ein neuer Abstands-Pilot, Brems- und Spurhalte-Assistenten. Schnellere Standfestigkeit bietet die Keramik-Bremsanlage (8270 Euro). Freunde der Kohlefaser-Optik wählen das Carbon-Paket (6426 Euro) und die Motorabdeckung Carbon (1796 Euro). Wer nicht auf den serienmäßigen Chrom steht, bestellt das Night-Paket (1071 Euro) mit geschwärztem Zierrat.

Der "Basispreis" des AMG SL 63 von 161.691 Euro ist dann zwar nicht mehr zu halten, aber immer noch günstiger als der SL 65. Für den 630-PS-Zwölfzylinder verlangt Mercedes stolze 239.933 Euro. Konkurrenten? Neben dem Porsche 911 Turbo S Cabrio (215.962 Euro) und dem Lamborghini Huracan LP 610-4 Spyder (221.875 Euro) kommt 2017 ein weiterer Konkurrent auf den Markt, der dem AMG-SL das Leben schwer machen wird. Und der kommt noch aus dem eigenen Haus: der AMG-GT Roadster – ein Kraftprotz mit einer sehr athletischen Figur. Die Zeiten für aufgepumpte Bodybuilder werden hart.

Technische Daten Mercedes-AMG SL 63Motor: 5,5-l-V8-Biturbo-Benziner • Leistung: 585 PS • max. Drehmoment: 900 Nm • Verbrauch: 9,8 l/100 km (NEFZ) • CO2: 229 g/km • 0–100 km/h: 4,1 s • Vmax: 250 km/h (optional: 300 km/h) • Preis 161.691 Euro.

Mercedes-AMG SL 63 (LA 2015): Sitzprobe


Autor: Fabian Hoberg

Stichworte:

Roadster Sportwagen

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