Mercedes-Benz A-Klasse (1997-2004) — 24.08.2004
Ist der A gebraucht noch Klasse?
Ob kurzer oder langer Radstand – die Problemstellen sind bei beiden Fahrzeugen gleich. Erkenntnis nach sieben Jahren Mini-Mercedes: Finger weg von frühen Exemplaren!
Auch die Hinterachse des Baby-Benz ist beim TÜV bestens bekannt, allerdings wurde sie im Rahmen der Modellpflege verbessert. Besteht ein Facelift meist nur aus einem neuen Kühlergrill, betrieb Mercedes hier wesentlich mehr Aufwand. Auf den ersten Blick ist die qualitativ aufgewertete Generation an den Klarglas-Scheinwerfern und dem geänderten Schloß an der Heckklappe sofort zu erkennen.
Motor und Ausstattung
Im Innenraum wurde damals die gewollt jugendlich wirkende Mittelkonsole mit Schieberegler durch eine dem Sprinter in Aussehen und Anmutung nicht unähnliche Konsole mit Drehreglern ersetzt. Für diese Fahrzeuge werden zwar selten unter 10.000 Euro verlangt, dafür sind sie aber auch problemloser als die erste Generation.Gefragt sind vor allem Versionen mit üppiger Ausstattung. Wer sich eine gebrauchte A-Klasse zulegen möchte, ist zumeist recht anspruchsvoll und verlangt eine großzügige Mitgift. Ohne Klimaanlage wartet der A lange auf einen Käufer. Elegance und Avantgarde sind viel stärker angesagt als das Classic-Kassenmodell. Bei Drehmoment- Freunden macht der 170 CDI das Rennen. Ottos Liebhaber starten lieber einen A 160 und zeigen dem eher lahmen 140, dem seltenen 190 sowie der Randerscheinung 210 die kalte Schulter.
Begehrt sind auch Metalliclack, das (klapprige) Lamellenschiebedach sowie Zentralverriegelung mit Fernbedienung. Weniger interessant scheinen das AMG-Paket oder Versionen mit ausbaubarem Beifahrersitz. Ein Grenzfall ist die elektronische Einparkhilfe. Man kann sie mit Hosenträgern vergleichen: praktisch, doch bei so einem kleinen Auto eigentlich peinlich.
Karosserie und Elektrik
Das halbautomatische Getriebe sorgte schon oft für Probleme. Plötzlich läßt sich die Parksperre nicht mehr einlegen oder entriegeln. Diese Wahl sollte also gut überlegt werden. Eine Schwachstelle über die gesamte Bauzeit ist der Lack. Insekten brennen sich in die weichen Schichten der Motorhaube ein. Lackblessuren durch Steinschlag an der A-Säule rosten in Rekordtempo.Das wirkt dann wenig hochwertig, und dieser Eindruck wird von der Verarbeitung unterstützt: Bei der ersten Generation klapperte gern hinter dem Armaturenträger der Kabelbaum. Wer nicht als Leichtgewicht den Fahrersitz belastet, wird auch hier bald Probleme haben. Die höhenverstellbaren Fahrersitze nerven nach einiger Zeit mit Quietschen.
Elektronik und Elektrik zeigen nicht die Zuverlässigkeit, die in dieser Preisklasse erwartet wird: Launenhafte Zentralsperren sind ebenso bekannt wie Probleme mit dem Steuergerät. Ist dieser Mercedes nun Güteklasse A? Die ersten Modelle keinesfalls; wenn möglich, sollte es ein Auto nach dem Facelift des Jahres 2001 sein. Natürlich mit Scheckheft, sonst sieht es mit Kulanz schlecht aus.
Historie, Schwächen, Kosten
Modellgeschichte 5/97 Kundenvorstellung der A-Klasse im Rahmen einer Deutschland-Tournee 9/97 Auslieferungsbeginn des A 140 (82 PS) und A 160 (102 PS) 11/97 Sofortiger Auslieferungsstop, weil der A im Elchtest kippte 2/98 Wiederaufnahme der Auslieferung, ESP aufpreisfrei in Serie 8/98 Einführung von A 160 CDI (60 PS) und A 170 CDI (90 PS) 3/99 Modellpflege: Sitze und Kunststoffe werden verbessert 3/01 Modellpflege: Die A-Klasse erhält u. a. Klarglas-Scheinwerfer 7/04 Der Nachfolger W 169 löst die A-Klasse (W 168) abSchwachstellen • die Bremsen neigen bis zum Baujahr 2000 zum Rubbeln • die Hinterachse ist der Hauptkritikpunkt des TÜV, 6,6 Prozent der AKlassen bekommen diesbezüglich nach fünf Jahren einen Mängeleintrag • die Vorderachse macht sich mit Klappergeräuschen des Stabilisators und der Koppelstangen unangenehm bemerkbar • die Heckklappe besteht aus zwei miteinander verklebten Kunststoffschalen. Wiederholt löst sich hier der Kleber in der Sonne • die Elektronik arbeitet selten fehlerfrei, meist sind Steuergerät und die Fernbedienung der Zentralsperre betroffen • das Lamellen-Schiebedach ist auffallend oft undicht
Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Mercedes A 140, 60 kW/82 PS, Baujahr 2000. Die A-Klasse ist nicht besonders reparaturfreundlich konstruiert, dafür sind die Ersatzteile für Mercedes-Verhältnisse relativ preisgünstig.
| Reparaturkosten Mercedes A 140, 60 kW/82 PS, Bj. 2000 | |
| Kotflügel vorn, lackiert | 390 Euro |
| Scheinwerfer komplett | 190 Euro |
| Bremsscheiben u. -klötze vorn | 210 Euro |
| Bremsklötze vorn (ein Satz) | 105 Euro |
| Getriebe (AT) | 1700 Euro |
| Motor ohne Anbauteile | 3400 Euro |
| Lichtmaschine (AT) | 440 Euro |
| Anlasser | 510 Euro |
| Wasserpumpe | 275 Euro |
| Endschalldämpfer | 170 Euro |
Fazit und Modellempfehlung
Fazit "Unsere Hauptuntersuchungen nach drei und fünf Jahren haben deutlich gezeigt: Die Defekte an der Hinterachse sind sehr prominente Schwachstellen der Mercedes A-Klasse. Weiter kritisieren wir bei den Fünfjährigen die Bremsschläuche, bei den Dreijährigen die Vorderachse und die Scheinwerfer-Einstellung. Bestnoten vergeben unsere Prüfer für die Rostvorsorge, das Lenkungsspiel, die Bremskraftregelung und die Bremsleitungen." Gunnar Dahm, Gutachter TÜV Rheinland GroupModellempfehlung Mercedes A 140 Classic (60 kW/82 PS)
Steuer/Schadstoffklasse: 72 Euro im Jahr/D3 Testverbrauch: Werksangabe 6,8 Liter, gemessen 7,9 Liter (Super) Versicherung: Vollkasko (13/504 Euro SB): 501 Euro Teilkasko (20/151 Euro SB): 116 Euro. Haftpflicht (12): 674 Euro. (Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: nach Anzeige, etwa 250 bis 350 Euro. Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 37 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 900 Euro Verlust




































