Mercedes-Benz CLK

Mercedes-Benz CLK

— 18.04.2002

Wer bin ich?

Mercedes mit anderen Augen sehen: Hier kommt der neue CLK, die sechste Interpretation des Vier-Augen-Themas. Doch so langsam blickt da keiner mehr durch. Was kommt da auf uns zu?

Sechs Geschwister, ein Gesicht

Nicht, dass ich mich fr meine Familie schmen wrde. Im Gegenteil, ich liebe meine fnf Geschwister. Nur konnte ich es schon als Kind nicht ertragen, berall mit "Du bist doch der Bruder von ...?" begrt zu werden. Schlielich halte ich mich fr ein einmaliges, unverwechselbares Wesen.

Ein Anspruch, den Mercedes offensichtlich nicht erhebt. Wenn am 4. Mai 2002 der neue CLK zu den Hndlern rollt, sehen wir nicht nur noch ein C-Coup (es gibt inzwischen ja auch ein Sportcoup), sondern die nunmehr sechste Auflage des Vier-Augen-Gesichts. Verwechslungen nicht ausgeschlossen. So erinnert der CLK an eine Mischung aus C- und E-Klasse, wirkt wie eine Luxusversion des Sportcoups. Oder hnelt er doch mehr dem SL? Schwer zu sagen, welche Gene sich hier dominant auswirken.

Trotzdem steht fest: Die Front ist die absolute Schokoladenseite des neuen CLK. Die ineinander laufenden Doppelscheinwerfer blicken vornehm-verwegen, der Lamellen-Khlergrill mit dem groen Stern in der Mitte strahlt kultiviert-kraftvoll, der durchgehende Lufteinlass darunter (beim CLK 55 AMG dreigeteilt) scheint sogar ein wenig zu lcheln.

Eine Regung, die mir beim Anblick des Hecks gemeinhin die Visitenkarte eines Coups vergeht. Meine Meinung: Die nach hinten abfallende Linie degradiert den Kofferraum zu einem flauen Finale, das die Spannung der Karosserie zerflieen lsst wie einen Camembert im Motorraum. Natrlich wei ich, dass DaimlerChrysler mit 10,46 Prozent bei Hyundai beteiligt ist aber muss der CLK-Rcken deshalb an frhe Korea-Coups erinnern?

Reichlich Platz, sehr solide Verarbeitung

Deutlich angenehmer gestaltet sich da die erste Sitzprobe. Groe, weit ffnende Tren mit soliden Bgelgriffen geben den Weg frei in ebenso gerumige wie geschmackvolle Gemcher. In alle Richtungen um ein paar Zentimeter gewachsen (Lnge plus sieben, Breite plus zwei, Hhe plus vier Zentimeter), finde ich als 1,97-Meter-Mann vorn die ganz groe Freiheit, kann mich zur Not sogar in den zweisitzigen Fond falten.

Sinnvoller lsst sich der Rckraum allerdings frs Gepck nutzen. Wer die geteilt klappbaren Fondsitze umlegt, kann den ohnehin ppigen Kofferraum mehr als verdoppeln. Die sanft geschwungene, auf Funktionalitt bedachte Cockpit-Landschaft trgt dezenten Chromschmuck und entweder braune Eschenholzblenden (Elegance) oder strukturierte Alu-Einlagen (Avantgarde). Die gut konturierten, nur in der Sitzflche etwas zu dnn gepolsterten Sessel verwhnen auch sensible Popometer, Leder an Lenkrad und Schaltknauf schmeichelt den Fingern.

Dazu kommt eine auf den ersten Blick und die ersten Testkilometer sehr solide Verarbeitung kein Klappern, kein Knistern, alles sauber eingepasst. Auf Wunsch gibt es sogar die Technik der groen Brder, macht die Chipkarte den Schlssel (1183 Euro) und das Radarauge den Stress beim Abstandhalten (2343 Euro) berflssig. Warum aber beides nur mit Automatik geordert werden kann, erschliet sich mir ehrlich gesagt nicht.

Neuer Direkteinspritzer ab September

Einen weiteren Technik-Trumpf zieht Mercedes ab September 2002 mit dem 170 PS starken Benzin-Direkteinspritzer CLK 200 CGI. Die Schwaben versprechen gegenber dem CLK 200 Kompressor (ebenfalls ab September) mit 163 PS einen Verbrauchsvorteil von 0,7 Liter auf 100 km. Wir werden es berprfen, fragen uns aber schon jetzt, warum der CGI zustzlich eine um sechs Prozent lngere Achsbersetzung braucht und vorerst nur handgeschaltet kommt. Spart denn die Direkteinspritzung allein so wenig?

Wie auch immer, gespart wurde beim 200 CGI auf diese Weise jede Menge Temperament Reiz am Geiz ungefhr gleich null. Der angenehm laufruhige und beim Ausdrehen turbinenartig hell singende 1,8-Liter zieht jedenfalls in keinem Drehzahlbereich wirklich krftig durch, wirkt deutlich zahnloser als der 200 K (163 PS) und erfordert permanentes Rhren in der erschreckend knorpeligen Sechsgangschaltung.

Die von Mercedes versprochenen 9,2 Sekunden bis Tempo 100 kann ich jedenfalls kaum glauben. Wer den CGI aber fleiig dreht, kann mit bis zu 231 km/h ber die Autobahn fliegen und fast schon sportlich die Kurve kratzen. Werden dann noch die rahmenlosen Seitenscheiben vollstndig versenkt, ffnet sich dank fehlender B-Sule ein gewaltiges Frischluft-Fenster, das uns den Frhling schmecken lsst. Ja, so macht Coup fahren Spa, lsst sich das Warten aufs neue CLK-Cabrio (kommt 2003) ertragen.

Ab Oktober fhrt der CLK als kraftvoll-knauseriger 270 CDI vor. Eine gelungene Kombination, die den CLK in ein wunderbares Cruiser-Coup verwandelt. Die 170 PS sorgen stets fr ausreichend Kraft, die stattlichen 400 Nm Drehmoment machen berholvorgnge zur leichten bung, die Automatik (2007 Euro) garantiert stressfreies Fahren. Nur 9,4 (handgeschaltet 9,2) Sekunden sollen bis Tempo 100 vergehen, die Spitze wird mit 228 (230) km/h angegeben. Das sollte reichen, um auch lange Strecken flott zu bewltigen. Auch auf den versprochenen Verbrauch von 8,7 (8,6) l/100 km darf man sich freuen.

Fahrwerk und Technische Daten

Angenehm auch die direkte Lenkung und das souverne Fahrwerk mit 16-Zoll-Breitreifen (vorn 205/55, hinten 225/50) sie machen aus dem CLK zwar keinen Sportwagen, erlauben aber durchaus eine flottere Gangart. Unser Testwagen spendierte dabei noch eine Extraportion Dynamik, lag dank Sportfahrwerk (209 Euro) um 15 Millimeter tiefer und lie unter den dezent ausgestellten Kotflgeln 17-Zoll-Rder (vorn 225/45, hinten 245/40) fr 719 Euro sehen. Ein Gewinn beim Kurvenrubern, gegenber dem Serienfahrwerk aber eine deutliche Einbue beim Komfort. Querfugen und grobe Fahrbahnfehler schluckt der auf Sport getrimmte CLK nur widerwillig. Keine Abstriche mssen dagegen bei der Sicherheit gemacht werden.

Alle CLK verfgen ber den elektronischen Straenwchter ESP, verzgern dank ABS und Bremsassistent souvern, bieten ihren Gsten im Crashfall den Rundumschutz von sechs Airbags (vorn zweistufig, abhngig von der Schwere des Unfalls und des Beifahrers). Doch diese aufwendige Lebensversicherung gibt es natrlich nicht umsonst. Fr den CLK 200 CGI rufen die Schwaben immerhin 36.424 Euro auf zumindest in diesem Punkt ist Mercedes nach wie vor unverwechselbar.

Technische Daten Vierzylindermotor vier Ventile/ Zylinder zwei oben liegende Nockenwellen Kompressor Hubraum 1796 cm3 Leistung 125 kW (170 PS) bei 5500/min max. Drehmoment 250 Nm bei 3500/min Benzindirekteinspritzung Heckantrieb Sechsgang Einzelradaufhngung Kofferraum 435 Liter Reifen vorn 205/55 R 16, hinten 225/50 R 16 Lnge/Breite/Hhe 4638/1740/1413 mm Leergewicht 1550 kg Zuladung 470 kg 0100 km in 9,2 s Spitze 231 km/h Verbrauch (EU-Mix) 7,9 l/100 km Super plus (alles Werksangaben) Preis 36.424 Euro

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