Mercedes-Benz E 220 d T-Modell S213 (2016): Fahrbericht

Mercedes-Benz E 220 d T-Modell S213 (2016): Fahrbericht

— 13.09.2016

Erste Fahrt im neuen Diesel-Kombi

Das Mercedes E-Klasse T-Modell bietet viel Platz und jede Menge Ausstattung. Wird der Kombi mit dem Zweiliter-Diesel zum perfekten Reiseauto? Fahrbericht!

Das geht ja gut los. Statt eines Autoschlüssels gibt es beim Testwagen ein Smartphone. Damit soll sich die E-Klasse per Near Field Communication (kurz NFC) öffnen, schließen und starten lassen. Der Autoschlüssel kann zu Hause bleiben.
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Nach kurzer Eigewöhnung funktioniert das System zwar problemlos, ein Vorteil ergibt sich für mich allerdings nicht. Dabei stamme ich aus der Generation Y und müsste theoretisch auf solche Technik-Spielereien stehen. Zwar sollen sich die Türen sogar mit leergesaugtem Smartphone-Akku öffnen lassen, allerdings funktioniert das System aktuell nur mit Samsung- und LG-Geräten in Verbindung mit einer Vodafone-SIM-Karte. Apple-Jünger schauen in die Röhre, da die Kalifornier das NFC nicht freigeben. Zusammengefasst: ein Extra aus der Kategorie nett aber nutzlos. Die 119 Euro kann man sich sparen.

Der Motor ist eine Neuentwicklung

Video: Mercedes-Benz E 220 d T-Modell (2016)

Erste Fahrt im neuen Kombi

Also den neudesignten und von der Limousine bekannten Startknopf gedrückt – und Abfahrt. Aber Moment, werkelt da wirklich ein Diesel unter der Haube? Der Motor ist so leise, dass er im Stand glatt als Benziner durchgeht. Der 194 PS starke Zweiliter-Vierzylinder ist eine komplette Neuentwicklung und verfügt über einen Alu-Motorblock und geschmiedete Stahlkolben. Der Vorteil: 30 Kilogramm weniger Gewicht im Vergleich zum Vorgänger. Im Alltag bedeutet das: Die 400 Nm maximales Drehmoment liegen bereits bei niedrigen 1600 U/min an, und der Motor beschleunigt das 1780 Kilogramm schwere T-Modell jederzeit zügig. Obenrum ab etwa 3800 U/min wird es dieseltypisch etwas lauter und zäher. Das ist aber auch beim Zweiliter-Diesel von BMW nicht anders.

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Der von Mercedes angegebene Topspeed von 235 km/h scheint etwas optimistisch, geht dem T-Modell doch ab 220 km/h spürbar die Luft aus. Dabei ist die Geräuschisolation jedoch so gut, dass Windgeräusche quasi nicht existent sind. Damit das E-Klasse T-Modell im Vergleich zum Vorgänger S212 noch mal leiser wird, haben die Ingenieure Fahrwerk, Achsen, Lenkung, Aerodynamik und mehr feingetunt. Zusätzlich gibt es noch das Akustik-Komfot-Paket für 1309 Euro, bei dem eine spezielle Lautstärke absorbierende Folie in die Front- und Seitenscheiben eingearbeitet wurde. Mit Erfolg, kaum ein anderes Auto ist im Innenraum derart leise. Im E-Klasse T-Modell fühlen sich 180 km/h eher wie 120 km/h an.

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Komfort wird großgeschrieben

Das liegt auch am Comfort-Modus, bei dem der Name Programm ist. Die serienmäßige Neungang-Automatik schaltet sanft, fast unbemerkt, und der Federungskomfort der optionalen Luftfederung Air Body Control für 1785 Euro ist überragend. Natürlich trüben die 19-Zöller des Testwagen den Abrollkomfort ein wenig. Schlaglöcher haben bei diesem Benz trotzdem keine Chance. Selbst im Sport-Modus bietet das Fahrwerk noch mehr als genügend Komfortreserven und wird niemals unangenehm hart. Der Sport+-Modus passt allerdings gar nicht zum kleinen Einstiegsdiesel. Das Getriebe schaltet zu hastig, und der Motor wird unangenehm laut, da er sich ständig in hohen Drehzahlregionen aufhält. Zudem ist der Vortrieb nicht spürbar zügiger als im Sport-Modus. Also den Dynamic-Select-Schalter zweimal nach hinten (umgekehrt wie beim E 43) auf Comfort klicken und ganz entspannt fahren lassen.

Die E-Klasse fährt teilautonom

Das Widescreen-Cockpit mit zwei 12,3 Zoll Displays kostet 1012 Euro Aufpreis und ist definitiv empfehlenswert.

Und das stimmt wortwörtlich, denn die E-Klasse fährt von alleine. Vorweg: Ich bin absolut kein Freund von Fahrassistenzsystemen. Aber das Fahrassistenz-Paket Plus für 2856 Euro arbeitet auf der Autobahn richtig gut. Kleiner Auszug aus dem Repertoire des T-Modells: Spur, Abstand und Geschwindigkeit halten – Ehrensache. Hände vom Lenkrad? Kein Problem. Nach ein paar Sekunden mahnt ein Piep-Ton dazu, das Lenkrad besser wieder festzuhalten, auch wenn das nicht nötig wäre. Das System funktioniert auch in Baustellen und sogar in der Baustellenausfahrt. Dabei lässt sich das System auch noch leicht bedienen. Distronic-Hebel links vom Lenkrad zweimal ziehen – und schon fährt die E-Klasse von alleine. Die Geschwindigkeit (bis 130 km/h funktioniert der Assistent) wird ebenfalls mit dem Hebel angepasst. Aber das ist nicht alles, der Kombi kann noch ein Kunststück: den autonomen Spurwechsel. Dazu einfach bei eingeschaltetem System den Blinker setzen und bei freier Fahrbahn wechselt das fast fünf Meter lange T-Modell nach zwei Sekunden die Fahrspur ganz von alleine. Kleiner Abzug in der B-Note: Der Blinker geht nicht von alleine wieder aus. Dennoch ist es ein irres Gefühl dabei zuzuschauen, wie sich das Lenkrad bei über 100 km/h wie von Geisterhand bewegt.

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Ein großer Tank kostet extra

Die Symbiose aus Motor, Fahrkomfort und Platz lässt das T-Modell zum echten Kilometerfresser werden. Damit sich das auch in Zahlen ausdrückt, unbedingt den großen 66-Liter-Tank für 60 Euro bestellen. So sind vierstellige Reichweiten kein Problem. Aus Gründen der Gewichtsreduzierung verbaut Mercedes ab Werk nämlich nur einen 50-Liter-Tank.

Viel Platz im E-Klasse T-Modell

Die Rücksitzbank lässt sich im Verhältnis 40:20:40 umlegen. Außerdem gibt es eine Cargo-Funktion, die 30 Liter mehr Volumen bringt.

Der Sitzkomfort ist vorne wie hinten gut. Die im Testwagen verbauten Aktivsitze (2321 Euro) sind auf der Landstraße sehr angenehm, können auf der Autobahn aber nerven. Der Grund: die Luftpolster der Sitze sind schon bei kleinsten Lenkbewegungen im ständigen Zwiespalt zwischen Luft aufpumpen und Luft ablassen. Trotz der um 32 Millimeter niedrigeren Dachlinie zum Vorgänger S212 sitzt es sich auch in Reihe zwei sehr komfortabel. Ab Ende 2016 gibt es das T-Modell auch wieder mit einer optionalen dritten Sitzreihe entgegen der Fahrtrichtung. So wird der Kombi sogar zum Van-Gegner. Wegen der sportlicheren Silhouette müssen aber Abstriche beim Kofferraum gemacht werden. Trotz gewachsener Außenmaße schrumpft das maximale Ladevolumen von 1950 Liter des Vorgängers auf maximal 1820 Liter. Den Unterschied merkt man im Alltag aber nicht wirklich. Mercedes verspricht, dass das T-Modell 19 Kisten Wasser oder sogar eine Europalette schluckt.

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Das neue E-Klasse T-Modell ist ein 1A-Reisewagen

Gut ausgestattet kommt der neue Mercedes-Benz E 220 d als T-Modell dem perfekten Reisewagen sehr nah. Er ist extrem leise, bietet viel Platz, ist sehr komfortabel und ausreichend zügig unterwegs. Das alles hat allerdings seinen Preis. Schon das Basismodell des E 220 d T-Modell steht mit 50.486 Euro in der Liste. Unser Testwagen kostet gar heftige 85.000 Euro. Ab 17. September 2016 steht das neue E-Klasse T-Modell beim Händler.

Mercedes-Benz E 220 d T-Modell S213 (2016): Fahrbericht



Technische Daten Mercedes-Benz E 220 d T-Modell • Motor: Reihe 4 • Hubraum: 1950 ccm • Leistung: 143 kW (194 PS) bei 3800 U/min • max. Drehmoment: 400 Nm bei 1600 bis 2800 U/min • Vmax: 235 km/h • Beschleunigung: 0-100 km/h in 7,7 Sekunden • L/B/H: 4933/1852/1475 mm • Verbrauch: 4,2 l/100 km • Preis: ab 50.486 Euro.

E-Klasse T-Modell ab 19.000 Euro als Gebrauchtwagen kaufen

Zum Facelift 2013 bekam die E-Klasse unter anderem neue Scheinwerfer.

Das E-Klasse T-Modell S212 kam Ende November 2009 in den Handel. Die Gebrauchtwagenpreise für gepflegte Kombis mit einer Laufleistung unter 100.000 Kilometern fangen bei 19.000 Euro an. Im zweiten Quartal 2013 gab es ein umfassendes Facelift für E-Klasse Limousine und Kombi. Nachdem die Frontscheinwerfer 18 Jahre geteilt waren, wurden sie nun wieder wie beim W124 in einer Einheit zusammengefasst. Die Preise für die gelifteten Kombis beginnen bei 26.000 Euro. Die Motorenpalette für den S212 reicht vom Knauser-CDI mit 136 PS bis zum V8 im E 63 AMG S mit 585 PS. Darauf sollte man aber beim Kauf achten: Beim 200 CDI gingen anfangs die Injektoren kaputt. Außerdem gab es in den ersten Baujahren Probleme mit den Steuerketten der Vierzylinder des Typs OM 651.
Autor:

Jan Götze

Fazit

Das neue E-Klasse T-Modell würde glatt als S-Klasse Kombi durchgehen. Nicht nur vom überragenden Fahrkomfort oder der umfangreichen Ausstattung, sondern auch vom Design.

Stichworte:

Kombi Oberklasse

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