Mercedes-Benz E-Klasse

Mercedes-Benz E 220 CDI Mercedes-Benz E 220 CDI

Mercedes-Benz E-Klasse

— 10.08.2004

Diesel oder Erdgas?

Wem Diesel langsam zu teuer wird, der sollte es mit Erdgas versuchen. Vergleich E 220 CDI und E 200 NGT – wer spart besser?

Äußerlich kaum Unterschiede

Das Umweltministerium hat schon zwei im Bestand, jetzt kann sich auch der Wähler für eine Erdgas-E-Klasse entscheiden. NGT, die Kurzform für Natural Gas Technology, steht dann am Heck, und die Tankklappe ist auffällig groß. Das war es dann an Unterschieden zu anderen E-Klassen, zumindest äußerlich. Der NGT basiert auf dem Mercedes-Benz E 200 K für 35.728 Euro. Den Erdgasantrieb für 3422 Euro gibt es aber nur zusammen mit der Fünfgang-Automatik für 2053 Euro. Macht zusammen 41.203 Euro – jeweils in der Ausstattungsvariante Classic.

Der E 220 CDI Classic mit 150 PS kostet 36.714 Euro. Wegen der Chancengleichheit kommt auch hier die Fünfgang-Automatik dazu, was dann 38.767 Euro macht. Kann der NGT die Differenz von 2436 Euro tatsächlich wieder einfahren? Die Leistung von 163 PS blieb gegenüber dem Benziner ebenso unverändert wie das Drehmoment von 240 Nm.

Der NGT fährt bivalent, das heißt, er kann wechselweise mit Super oder eben mit Erdgas gefahren werden. Umgeschaltet wird zwischen diesen beiden Betriebsarten recht kompliziert mit den Menütasten links im Lenkrad. Die Infos dazu werden im zentralen Display des Tachos angezeigt. Auch wenn man dann "Erdgas" eingestellt hat, fährt sich der NGT vollkommen normal. Unterschiede zum Benzin-Betrieb sind wirklich kaum fühlbar – und auch kaum messbar. Man kann während der Fahrt übrigens völlig problemlos hin- und her wechseln, der Übergang geschieht sehr sanft.

Ähnliche Fahrleistungen für Gas und Diesel

Eine kleine Einschränkung betrifft den Start: Im Erdgas-Modus dreht der Starter ein paar Mal durch, ehe der Motor anspringt. Das ist kein Defekt, sondern technisch bedingt. Der Motor startet grundsätzlich mit Benzin. Zu Beginn des Startvorgangs führt er eine Art System-Check durch – der dauert beim Erdgas etwas länger. Wer sich das ersparen will, kann einfach im Benzin-Modus starten und danach umschalten.

Mit der Gasanlage wiegt der NGT 150 Kilo mehr als der E 200 K und ist damit noch etwas schwerer als der 1,7-Tonnen-Diesel. Trotzdem – mit seinen 163 PS kann man souverän und entspannt unterwegs sein. Im direkten Vergleich zum bekannt laufruhigen und durchzugsstarken 220 CDI wirkt der NGT manchmal eine Spur angestrengter und nervöser – genau wie der normale 200 K.

Beide Motoren gefallen aber mit ihrer harmonischen, angenehm gleichmäßigen Kraftentfaltung. Die Fahrleistungen für Gas und Diesel fallen sehr ähnlich aus, wesentlicher Unterschied bleibt die merklich höhere Spitze von 227 km/h beim NGT gegenüber den 214 km/ beim Diesel. Erwartungsgemäß blieb der Diesel mit einem Verbrauch von 7,7 Litern sehr sparsam. Der NGT verbrauchte auf unserer Normrunde sieben Kilo Gas pro 100 Kilometer.

Die Kosten im Vergleich

Das Tanken ist dabei noch ein ganz eigenes Kapitel. Die vier Tanks, in denen das Erdgas bei einem Druck von 200 bar gespeichert wird, liegen im Kofferraum: zwei in der Reserverad-Mulde, zwei hinter der Rückbank. Das Gepäckabteil schrumpft deshalb von 540 Liter auf immer noch ordentliche 400 Liter. Die Zuladung blieb gegenüber dem Benziner aber unverändert – und liegt mit 505 Kilo auch höher als beim Test-Diesel mit 430 Kilo.

Das Tanken selbst ist (noch) kein reines Vergnügen, die Erfahrungen unserer Tester waren durchweg eher gemischt. Die Bedienungslogik der Gas-Tanksäulen erschließt sich nicht immer auf Anhieb, manchmal braucht man eine spezielle Tankkarte, gelegentlich ist auch das Tankstellenpersonal überfordert.

Der zusätzliche Einfüllstutzen selbst liegt direkt neben dem für das Benzin – womit auch die größere Tankklappe erklärt wäre. Hat man dann den schweren Zapfhahn montiert, füllen sich die Tanks mit lautem Zischen. Das muss so sein – und vielleicht gewöhnen wir uns an das alles ja schneller, als wir denken.

Fazit und technische Daten

Sparsam fährt man mit dem Gasauto auf jeden Fall. Gerechnet haben wir mit einem Preis von 72 Cent je Kilo Erdgas und 92 Cent je Liter Diesel. Eingeflossen sind Steuer, Haftpflicht, Teilkasko und Ölwechsel. Das Ergebnis: Ausgehend von einer vierjährigen Haltedauer, erreicht das Gasauto ab einer Jahresleistung von 15.000 Kilometern Gleichstand mit dem Diesel – die Kosten pro Kilometer liegen dann für beide bei 82 Cent.

Auch bei viel höheren Laufleistungen wird der NGT aber nie wesentlich günstiger als der Diesel. Bei 35.000 Kilometern pro Jahr kostet er zum Beispiel 38 Cent pro Kilometer, der Diesel 39 Cent. Was aber nur die halbe Wahrheit ist. Schließlich fährt der NGT deutlich sauberer.

Fazit Technisch ist der Mercedes E 200 NGT erstklassig gemacht, die Fahrleistungen sind praktisch identisch mit dem Einstiegs-Benziner, er verbraucht wirklich nicht viel und schont die Umwelt. Unter reinen Kostenaspekten hat er jedoch gegenüber dem sparsamen CDI-Diesel keine entscheidenden Vorteile. Wer weniger als 15.000 Kilometer pro Jahr fährt, zahlt sogar drauf.

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