Mercedes-Benz M-Klasse (ab 1997)

Gebrauchtwagen Mercedes-Benz M-Klasse Gebrauchtwagen Mercedes-Benz M-Klasse

Mercedes-Benz M-Klasse (ab 1997)

— 22.12.2003

Stern mit Flecken

An einen Mercedes stellt man traditionell hohe Ansprüche, was Zuverlässigkeit und Haltbarkeit betrifft. Die M-Klasse wird diesen Ansprüchen in Leserhand längst nicht immer gerecht.

Qualität und Technik

Ein Auto mit Stern am Kühler galt bislang für den Gebrauchtkäufer als sichere Bank. Seltener als Autos anderer Marken macht ein Mercedes kostspieligen und nervenaufreibenden Ärger, auch bei sechsstelligen Kilometerständen. Die M-Klasse ist in dieser Hinsicht kein typischer Mercedes. Der mit reichlich US-Zulieferteilen in den USA produzierte Geländewagen liegt deutlich unter dem Qualitätsniveau, das man von den Limousinen aus Stuttgart gewohnt ist.

So das grundsätzliche Ergebnis unserer Leserbefragung. Besonders erschreckend ist die Quote von 25 Prozent der Leser, die ihre M-Klasse mit einem Defekt am Straßenrand abstellen mussten. Häufigste Ursache: Ausfall der Elektronik in Form des zentralen Motorsteuergeräts. Der Wurm in Bytes und Bits trifft alle Versionen unabhängig von der Motorisierung, egal ob Diesel oder Benziner.

Der Wurm kommt meist plötzlich und meist ohne Vorwarnung. Der ML bleibt einfach stehen, springt nicht mehr an. Nur der Fairness halber: Mit solchen Problemen kämpfen zwar auch andere Marken, doch die Zahl der Ausfälle ist beispielsweise bei japanischen Geländewagen weit geringer. Auf zum Teil mehrseitigen Begleitschreiben machen zahlreiche Leser ihrem Ärger über die Qualität der von US-Zulieferern stammenden Innenausstattung Luft.

Motor und Karosserie

Die Hitliste: streikende Fensterheber, knarrende Sitze, ausgefallene Instrumente, lose Türgummis, Scheibenwaschtanks mit Wasseraustritt sowie schwer lokalisierbare Klappergeräusche. Es gibt aber auch reichlich positive Seiten an der M-Klasse: Die Mechanik wie Motor, Getriebe, Fahrwerk und Allradantrieb macht nur in Ausnahmefällen teuren Ärger. Die Benzinmotoren sind – wie üblich – über jeden Zweifel erhaben.

Die CDI-Turbodiesel dagegen leisten sich – wie üblich – den einen oder anderen teuren Turboladerdefekt, in der Regel aber erst ab 150.000 Kilometer aufwärts. Vor allen bei Chip-getunten CDIs kann die teure Bosch-Einspritzpumpe früh sterben. Häufig genannter Kritikpunkt ist der Rostschutz (elf Prozent). Zahlreiche Leser erschraken über erste Rostansätze an den Bodenblechen ihrer noch recht jungen ML. Die teigige Lenkung wird ebenfalls an vorderer Stelle der Kritik genannt (neun Prozent).

Trotz allem sind die M-Klasse- Fahrer im Großen und Ganzen zufrieden mit ihrer Wahl. Die Verbundenheit mit der Sternmarke zeigt sich deutlich in der Statistik. So fuhren 44 Prozent bereits vor dem ML einen Mercedes. Und von den 77 Prozent der Zweitwagen trägt gut ein Viertel ebenfalls einen Stern am Kühler.

M-Klasse im Leserurteil

Trotz der nicht gerade geringen Zahl der Probleme mit dem Fahrzeug selbst bleibt die Kritik an den Vertragswerkstätten im Rahmen. Mit 29 Prozent ist der Anteil der Unzufriedenen durchschnittlich. Für eine große Inspektion zahlen die ML-Besitzer im Mittel stolze 670 Euro.

Auffällig ist die derzeitige Unentschlossenheit der M-Klasse-Fahrer, was die Wahl des nächsten Autos betrifft. Nur acht Prozent würden das aktuelle Modell noch einmal nehmen – ein Minusrekord. Auf den für Ende 2004 avisierten ML-Nachfolger warten 47 Prozent. Macht gerade mal 55 Prozent, die der M-Klasse treu bleiben wollen. Ein ausgesprochen schlechter Wert und wie vieles an diesem Auto untypisch für die Marke Mercedes. Aber was dann kaufen? 20 Prozent sind noch völlig unentschlossen und wissen es nicht. Ein ungewöhnliches Phänomen.

Der Rest wandert ab zu anderen Marken. Acht Prozent wollen zu Volkswagen wechseln und einen Touareg bestellen. Neun Prozent laufen zu BMW über und nehmen einen X3 oder X5. Auch Volvo- und Porsche- Händler werden demnächst vermehrt M-Klassen in Zahlung nehmen und dafür neue XC90 und Cayenne verkaufen. Einmal Mercedes, immer Mercedes – mit den Besitzern der M-Klasse hat diese alte Weisheit ausgedient.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 1997 Modelleinführung der Mercedes M-Klasse in den USA 1998 ML auch in Deutschland (LxBxH 4,64x1,84x1,82m); ML 320 mit 3.2-V6 Automatikgetriebe (218 PS); ML 230 Schaltgetriebe (Vierzylinder, 150 PS) 1999 zusätzlich ML 430 mit 4,3-Liter-V8, 272 PS, größere Bremsen 2000 ML 270 CDI, Fünfzylinder-Turbodiesel, 163 PS, Schaltung/Automatik; zusätzlich ML 55 AMG; 5.5-V8, 347 PS; Automatik; ML 230 entfällt 2001 Modellpflege: Stoßfänger, Spiegel, Felgen, Mittelkonsole, Klimaautomatik, Bremsen, größerer Tank; ML 400 CDI, 4.0-V8-TD, 250 PS, Automatik; ML 500 (5.0-V8, 292 PS, Automatik) statt ML 430 2002 ML 350 (3.7-V6-Benziner, 235 PS, Automatik) statt ML 320

Schwachstellen • Die in USA gefertigte Innenausstattung ist für einen Großteil des Ärgers (31 Prozent der Leser-ML) verantwortlich: streikende Fensterheber, ausgefallene Instrumente, knarrende Sitze, lose Türgummis, undichter Waschwassertank • die optionalen Lamellen-Schiebedächer sind häufig undicht • Ölundichtigkeiten betreffen fast immer das Automatikgetriebe (zehn Prozent der Leser-ML). Das Automatikgetriebe ist von den großen Aggregaten der M-Klasse das am wenigsten langlebige Bauteil: acht Prozent mussten ausgetauscht werden • ebenfalls bei acht Prozent der Leser-ML musste die Lenkung repariert werden. Meist war die Servopumpe defekt • die Zuverlässigkeit der M-Klasse lässt zu wünschen übrig. Ein Viertel der Leser blieb schon einmal unterwegs liegen. Hauptursachen: zentraler Motorrechner, Lenkungspumpe, Turbolader (CDI), Automatik

Reparaturkosten Preise inklusive Mehrwertsteuer am Beispiel eines ML 270 CDI Automatik, Baujahr 2000. Erschreckend, was heute ein Austauschmotor für einen Diesel-Mercedes kostet. Sehr günstig sind dagegen Wasserpumpe und Anlasser.

Fazit und Technik

Fazit "Die M-Klasse ist kein Mercedes wie jeder andere. Besonders der Gebrauchtkäufer hat unter den Schwächen der US-Zulieferteile zu leiden. Die Qualität vor allem der Jahrgänge vor Herbst 2001 steht in keinem Verhältnis zum Preis. Auch die zu häufigen Ausfälle der Motorrechner machen den Kauf zum Glücksspiel. Die Mechanik hält dagegen meist." Martin Braun, Redakteur AUTO BILD alles allrad

Technik • Antrieb: permanenter Allradantrieb über Zentraldifferenzial ohne Sperre (Kraftverteilung v/h: 48/52), Schlupfregelung durch Bremseneingriff an allen vier Rädern als Achssperrenersatz; Geländereduktion (2,64:1) • Aufbauweise: Leiterrahmen mit aufgeschraubter Stahlblech-Karosserie • Verbrauch: ML 230/320/430/55: 13/15/16/17l S; ML 270/400 CDI: 11/13l D • Höchstgeschwindigkeit: 230/320/430/55/270/400: 173/194/211/232/182/213 km/h

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