Mercedes-Benz S-Klasse (ab 1998)

Gebrauchtwagen Mercedes-Benz S-Klasse (W 220, ab 1998) Gebrauchtwagen Mercedes-Benz S-Klasse (W 220, ab 1998)

Mercedes-Benz S-Klasse (ab 1998)

— 15.09.2003

So gut wie neu

Business fahren, Economy zahlen – das könnte klappen mit der so langsam erschwinglichen S-Klasse, die nur ein Manko hat: Elektronikprobleme.

Technik und Qualität

Eigentlich ist das Leben doch viel zu kurz, um sich mit langweiligen Autos abzugeben. Wozu also auf einen Golf sparen, wenn es fürs gleiche Geld eine S-Klasse gibt? Die ist dann zwar nicht neu, mit drei Erdumrundungen aber gerade erst eingefahren. Und eine schöne Gebrauchtwagengarantie legt der Händler sicher obendrauf. Trotzdem kann etwas Vorsicht nicht schaden, denn gerade in den ersten beiden Produktionsjahren 1998 und 99 zeigte die sprichwörtliche Mercedes-Qualität der S-Klasse Flecken auf der weißen Weste.

Fehler in der serienmäßigen Luftfederung AIRmatic ließen viele Fahrzeuge mit dem Bauch auf dem Boden liegen, wie man es sonst nur von Citroën gewohnt war. Dazu blieb der Bildschirm des Comand-Systems oftmals dunkel, weil die Kombination aus Navigationssystem, Radio und Telefon diverse Soft- und Hardwareprobleme hatte. Hardwareprobleme des Fahrwerks können dagegen durch Einstellung der Vorderachse behoben werden: Manche S-Klassen laufen schlecht geradeaus und sind überempfindlich gegen Seitenwind – die Werkstätten kennen die geänderten Einstelldaten.

Auf Einstellungssache beruhen oft Probleme mit der Klimaanlage: Viele Leser klagen, dass die Temperatur schwankt oder die Gebläsegeschwindigkeit willkürlich wechselt. In diesem Fall kann die Werkstatt die Luftleitklappen im Gehäuse der Anlage neu justieren. Manchmal sind allerdings auch die Benutzer schuld: Wer alle Ausströmer im Armaturenbrett verschließt, muss sich nicht wundern, wenn die Klimaanlage dicke Backen macht.

Motor und Fahrwerk

Auf Bedienungsfehler zurückzuführen sind auch ausgeschlagene Spurstangen an der Vorderachse – wenn dauernd bei stehendem Fahrzeug am Lenkrad gekurbelt wird. Kaum zu beeinflussen ist dagegen der Verschleiß der Bremsen – wer schnell fährt, muss sie oft bemühen. Entsprechend zügig nähern sich Bremsklötze und -scheiben der Mindeststärke. Wobei die Bremsen des W 220 als sehr standfest gelten – rubbelnde Scheiben sind die Ausnahme und in der Regel ein Indiz für sehr aggressive Fahrweise des Vorbesitzers.

Übrigens ist es grundsätzlich ratsam, den Vorbesitzer zu kontaktieren – am besten schon vor dem Kauf und immer dann, wenn es Unregelmäßigkeiten zwischen dem Lebenslauf des Fahrzeugs und dem Tachostand gibt. Oder wenn das Wartungs- Checkheft verschwunden ist, was bei den Dritthand-Daimlern von den geschotterten Verkaufsplätzen entlang den Ausfallstraßen eigentlich normal ist. Denn auch der Kilometerzähler der S-Klasse arbeitet elektronisch, die Tachotrickser aus den Kleinanzeigen können da jede gewünschte Zahl erscheinen lassen.

Wobei hohe Kilometerstände nicht grundsätzlich gegen die S-Klasse sprechen – wenn nur der Preis stimmt. Denn die Karosserie überlebt vermutlich auch eine Million Kilometer, und für den Antrieb wagen wir fast das Gleiche zu behaupten. Motorschäden jedenfalls sind die absolute Ausnahme, allenfalls die Turbolader der CDI-Diesel können schon mal auseinander fliegen – allerdings ist in der Pannenstatistik des ADAC nicht erwähnt, wie viele dieser Einzelfälle auf Chiptuning zurückzuführen sind.

Die Benziner sind über solche Zweifel erhaben, vor allem die V8-Modelle benötigen gewiss kein Tuning. Wobei der 500er etwas souveräner zu Werke geht als der auch nicht schwächliche 430er. Der S 600 muss es dagegen nicht unbedingt sein, seine zwölf Zylinder machen die sonst recht agile S-Klasse kopflastig. Und der S 320 benötigt zu viel Drehzahl, um richtig vorwärts zu gehen – da könnte man fast schon Golf fahren.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 10/98 Einführung der Baureihe W 220 als Nachfolger des W 140, Sechs- und Achtzylindermotoren von 224 bis 306 PS. S 500 auch mit Zylinderabschaltung, Leistung dann 299 PS 8/99 Vorstellung S 600 L (367 PS) und S 320 CDI (197 PS) 6/00 Neuer V8-Diesel: S 400 CDI, 250 PS 8/02 Modellüberarbeitung, erkennbar an Klarglasscheinwerfern und hochwertigerem Ambiente im Innenraum. Neues Einstiegsmodell S 350 mit 3,7-l-V6, 245 PS; S 430 und 500 auch mit Allradantrieb 4Matic lieferbar

Schwachstellen AIRmatic, die serienmäßige Luftfederung des W 220, sorgte vor allem in Baujahren 98 und 99 für Ärger – wegen Undichtigkeiten und Störungen im Niveauausgleich. Automatikgetriebe steht in unserem Kummerkasten ganz oben auf der Störungsliste. Was genau kaputtgeht, lässt sich nicht sagen – Mercedes tauscht komplett aus. Comand-System nervt mit Fehlfunktionen oder auch Totalausfall. Elektronik ist auch bei Mercedes heikel, Ausfälle des Motormanagements oder der Wegfahrsperre nicht ausgeschlossen. Batterie zeigt wie in den meisten Luxusmodellen Ermüdungserscheinungen, wenn die Ladezeiten während der Fahrt nicht ausreichen.

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Mercedes S 500, 225 kW/306 PS, Baujahr 1999. Wehe, wenn der V8 das Zeitliche segnet – dann hilft nur der Dispo weiter. Oder ein guter Gebrauchtteilehändler. Die übrigen Teile sind nicht allzu teuer.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Die aktuelle S-Klasse der Baureihe gehört zu den mustergültigsten unter den Musterknaben. Bestnoten in allen Disziplinen und, verglichen mit dem Vorgänger W 140, viele sichtbare Verbesserungen lassen kaum Raum für Kritik. Gelegentlicher Ölverlust am Antrieb und wie bei allen schweren Fahrzeugen hoher Verschleiß an Bremsscheiben und -belägen können die Bilanz kaum trüben, dafür ist die ganze Konstruktion der S-Klasse zu solide." Rainer Fass, Gutachter TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg

Modellempfehlung Mercedes S 500 (225 kW/306 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 255 Euro im Jahr/Euro 3 Testverbrauch: Werksangabe 13,4 Liter, im Test 16,0 Liter (Super) Versicherung: Vollkasko (37/1000 Euro SB): 5467 Euro. Teilkasko (40/300 Euro SB): 1025 Euro. Haftpflicht (21): 1103 Euro (Basis: ONTOS-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: nach Anzeige, etwa 300 bis 500 Euro Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 41 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 5000 Euro Verlust

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