Mercedes-Benz Viano kompakt 2.2 CDI

Mercedes-Benz Viano kompakt 2.2 CDI Mercedes-Benz Viano kompakt 2.2 CDI

Mercedes-Benz Viano kompakt 2.2 CDI

— 03.07.2003

Endlich ein Mercedes?

Sein Konkurrent heißt eigentlich VW T5. Doch vorher muss der neue Viano seine eigene Vergangenheit bezwingen. Die heißt V-Klasse und war ein düsteres Kapitel.

Startschuss ist der 6. September 2003

Winston Churchill soll es erfunden haben, und jeder kennt es: das mit zwei Fingern geformte V. Dieser Fingerzeig steht für Victory. Zu Deutsch: Sieg, Erfolg oder fette Beute. Das V im Namen der Mercedes-Benz V-Klasse steht dagegen eher für Verdruss, Versagen, verlorenes Vertrauen.

Wie viel Frust die V-Klasse und ihr baugleicher Bruder Vito ihren Besitzern bereiten, belegt auch der AUTO BILD-Kummerkasten. Für viele Leser die letzte Instanz, Ärger über ihr Auto abzulassen. Dafür bot die V-Klasse genug Anlass – mehr als jeder andere Mercedes-Benz zuvor. Von Motor- und Turboladerschäden über Getriebeprobleme, defekte Bremsen, undichte Hydraulikleitungen bis hin zu Rost. Häufigstes Thema: schlechte Verarbeitung und Fehler in der Elektronik.

Das soll nun alles besser werden. Mit der zweiten Van-Generation, die am 6. September auf den Markt kommt. Eine erneute Pleite können sich die Stuttgarter wahrlich nicht leisten. Kein leidgeprüfter Kunde verzeiht zweimal. Schon jetzt hat das Vertrauen in Qualität und Technik einen heftigen Knacks erlitten.

Echte Mercedes-Benz-Qualität im Innern

So strebt Mercedes-Benz mit neuem Namen – Viano statt V-Klasse – nach neuem Glück. Doch für eine bessere, glücklichere Zukunft bedarf es mehr. Viano muss ein echter Mercedes-Benz werden. So sieht es auch Entwicklungschef Georg Weiberg. Sein Ziel: "Der Viano muss in Anmutung und Haptik einer C-Klasse-Limousine entsprechen."

Äußerlich scheint es ansatzweise gelungen. Die Form der Seitenscheiben des in drei Längen lieferbaren Vans erinnert an das T-Modell. Manche Mercedes-Benz-Mitarbeiter wollen darin sogar eine Coupé-Form erkennen. Eine gewagte These.

Deutlicher wird die Verwandtschaft im Inneren. Die Schalter-Leiste in der Mittelkonsole oder das gezahnte Drehrad der Klimaanlage – haben wir alles bereits in anderen Mercedes-Benz-Modellen gesehen. Hier signalisieren sie: Achtung, der Viano ist wirklich ein Mercedes-Benz!

So weit das Werk der Cockpit-Designer. Die Techniker haben dafür gesorgt, dass sich die Bedienelemente auch in der Mittelkonsole griffgünstig weit oben befinden. Noch wichtiger aber: die Position des in Höhe und Reichweite verstellbaren Lenkrads. Es steht jetzt höher und steiler als im Vorgänger V-Klasse. Dadurch ändert sich die Sitzposition. Der Fahrer thront zwar immer noch über normalen Autofahrern und genießt die Übersicht übers Verkehrsgeschehen, er hockt aber nicht mehr wie im Truck über dem Lenkrad, sondern sitzt entspannt dahinter. Ganz wie im Pkw.

Ein Van mit Pkw-ähnlichem Fahrverhalten

Genau das war das Ziel des Viano-Verantwortlichen Weiberg: "Der Viano sollte von der Anmutung her Pkw-ähnlicher werden." Ein Ziel, das erreicht wurde. Im vorderen Teil des Wagens stimmen Anmutung, Haptik, Materialauswahl. Hinten geht es nicht ohne Kompromisse. Die Teppiche wirken strapazierfähig, die seitlichen Kunststoffteile sehen so aus, als würden sie einiges wegstecken können. Für einen Van, in dem Kinder auch mal toben oder große, schwere Gegenstände transportiert werden, eigentlich genau richtig. Weniger ist hier mehr.

Nicht so beim Fahrwerk. Das ehrgeizige Ziel lautete auch hier, dem Viano ein Pkw-ähnlicheres Fahrverhalten mitzugeben. Hat geklappt, wie unsere erste Ausfahrt zeigt. Viano ist sehr agil, besitzt ein verblüffendes Handling. Dazu reagiert die Lenkung schnell und sehr direkt. So wünschen wir uns jede Mercedes-Benz-Lenkung.

Eine weitere positive Überraschung: Dieser Van mag Kurven. Trotz seines Gewichts von mehr als zwei Tonnen wieselt er leichtfüßig über kurvige Landstraßen. Das serienmäßige ESP beginnt erst spät, regulierend einzugreifen. So vermittelt das Nutzfahrzeug Viano durchaus Fahrspaß. Auf Komfort muss dabei auch nicht verzichtet werden. Zumindest bei unserem Testwagen nicht, der mit Luftfederung an der Hinterachse ausgerüstet war. Satte 1740 Euro Aufpreis sind dafür fällig.

Zwei Diesel und zwei Benziner zur Auswahl

Die geringen Wind- und Abrollgeräusche des Viano legen eine neue Lärmquelle frei: den 150 PS starken Diesel, der ab 2800 Umdrehungen arg brummig wird, ab 3500/min sogar unangenehm laut. Mercedes-Benz verspricht, ihm bis zum Verkaufsstart besseres Benehmen beizubringen. Dazu wirkt der 2.2 CDI in Kombination mit der sanft und perfekt schaltenden Fünfstufenautomatik (1960 Euro Aufpreis) sowie einer langen Achsübersetzung etwas träge.

Also lieber kurze Achse und Schaltgetriebe oder einen der beiden V6-Benziner (190 oder 218 PS) – oder warten. Wohl 2006 kommt ein V6-Diesel mit 180 bis 200 PS und rund 400 Newtonmeter Drehmoment. Später folgen ein Vierzylinder-Benziner, ein Gas-Auto und eine Allradvariante. Klingt auf jeden Fall nach einer interessanten Zukunft. Und sieht ganz so aus, als sei der Viano tatsächlich ein echter Mercedes-Benz. Der hoffentlich nicht mehr den AUTO BILD-Kummerkasten füllt.

Aus Fehlern gelernt, Mercedes-Benz?

AUTO BILD befragte Georg Weiberg (55), Entwicklungschef der Baureihen Mercedes-Benz Viano und Vito, zu den neuen Modellen.

AUTO BILD: Beschreiben Sie bitte die besonderen Ziele bei der Entwicklung des Viano. Georg Weiberg: Trotz seiner Maße soll der Viano ein leichtes Handling bieten. Personen mit Pkw-Führerschein sollen damit auf Anhieb umgehen können. Dazu soll er natürlich so sicher wie ein Pkw sein.

Worin unterscheidet sich die Großraumlimousine Viano vom Nutzfahrzeug Vito? Viano weckt emotionale Gefühle. Man setzt sich in einen Mercedes-Benz. Der Fahrer erkennt typische Dinge wie Schalter, Motorengeräusch, Fahrverhalten wieder. Diese Anmutung fehlte beim Vorgänger V-Klasse.

Die litt noch mehr unter Rost, Mängeln in der Verarbeitung und Elektronik. Wie wollen Sie die Qualität beim Viano sichern? Wir haben ein neues Management im spanischen Werk Vitario. Außerdem haben wir Rohbau, Montage und Lackierung komplett neu installiert. Und mit der Adaption von erprobten Elektronik- und Regelsystemen aus Großserienfahrzeugen haben wir dieses Thema im Griff.

Trotzdem muss der Viano viel verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. Diese Hypothek müssen wir abarbeiten. Das lässt sich nur durch Top-Qualität und gute Fahrzeuge beweisen. Das ist der Mannschaft bewusst.

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